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Posts Tagged ‘Zuschnitt’

Die größte Hürde ist überwunden: Der Stoff ist zugeschnitten. Auch wenn es vielleicht seltsam klingt, aber das ist wirklich das, was ich beim Nähen von Mittelalterklamotten ganz schrecklich finde – den Zuschnitt. Nicht weil die Schnitte kompliziert sind, das sind sie wirklich nicht. Aber so eine schöne Stoffbahn vor mir zu haben, in der tausend Möglichkeiten schlummern und die in gewisser Weise perfekt ist und dann die Schere anzusetzen, auf die Gefahr hin Mist zu bauen und diese schöne und in gewisser Weise perfekte Stoffbahn in etwas zu verwandeln, das sich höchstens noch als Putzlumpen verwenden lässt … Da gruselt es mich jedes Mal.

Aber für dieses Mal ist es geschafft, nichts ist schief gegangen. Gut!

Cotte 1 - der Schnitt

So sieht der Schnitt aus – jedenfalls die eine Hälfte. Natürlich fehlen hier ein Arm und das Rückenteil.

Gebaut ist das Ganze (wie fast immer) nach dem Standartschnitt nach Purrucker, d. h. Vorder- und Rückenteil bestehen jeweils aus einer geraden Stoffbahn, die seitlich durch Keile (Geren) erweitert wird. Auf die gleiche Weise werden auch die Ärmel konstruiert. Um den Zug am Ärmelansatz zu minimieren wird in die Achsel ein Zwickel eingesetzt. Von der hier bereits vorgestellten Leinentunika unterscheidet sich die Cotte nur dadurch, dass sie „Reitschlitze“ bekommen wird, d. h. in Vorder- und Rücktenteil werden mittig jeweils zwei weitere Geren eingesetzt, die jedoch nicht zusammengenäht werden. Bei normaler Bewegung fallen diese Schlitze kaum auf. Sie ermöglichen es dem Träger jedoch, rittlings auf einem Pferd (oder auch einem großen Ast Platz zu nehmen), ohne dass die Beine unsittlich entblößt werden. Gleichzeitig ist es der (mehr oder weniger dezente) Hinweis, dass man reich genug ist, sich ein Pferd leisten zu können.  Das hat den gleichen Snob-Appeal, wie Kinderkleidung von Burberry oder Ralph Lauren heute. Aber da wir diese Saison fast ausschließlich adelig unterwegs sein werden, wird das auch gebraucht.

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Doch, es geht weiter. Inzwischen sind die Schulternähte geschlossen und es wird Zeit, die Ärmel anzusetzen. Damit kommt jetzt der Teil, vor dem es mich schon die ganze Zeit gruselt: Das Zuschneiden der Armkugel. Bisher sind die Ärmel nämlich „klassisch“, d. h. sie schließen oben glatt ab, wie bei der bereits vorgestellten Kindertunika.

Weil ich so eVorbereitung der Armkugeline Armkugel noch nie zugeschnitten habe und doch ein kleiner Feigling bin (selbst wenn das Experiment schief gehen sollte, habe ich noch genug Stoff für neue Ärmel in Reserve), habe ich erst noch einmal einen langen Blick in das Buch von Katrin Kania geworfen, bevor ich die Ärmel auf links aufeinandergelegt und die ungefähre Schnittlinie dann mit Stecknadeln markiert habe. Danach habe ich die Stecknadeln so lange umgesetzt, bis der Verlauf der Nadelköpfe ziemlich genau der Abbildung im Buch entsprach.

ArmkugelUnd dann habe ich mutig zur Schere gegriffen und den Teil oberhalb der Nadelköpfe abgeschnitten. Auf dem Bild erkennt man deutlich, dass die Ärmel insgesamt noch deutlich weiter sind, als es bei den Kleidern der späteren Jahrhunderte der Fall ist. Daher überlege ich derzeit, ob ich sie wenigstens im unteren Teil enger mache. Andererseits ist mir noch nicht ganz klar, wie lang sie im Endeffekt werden und ob ich nicht noch eine „Manschette“ statt eines Besatzes annähen muss. Daher spare ich mir diese Frage erstmal auf, bis die Ärmel an Ort und Stelle sitzen.

Auch das wird noch spannend, denn mit der Armkugel wird auch das Ein- bzw. Ansetzen der Ärmel kompliziert: Diie stumpfen, „klassischen“ Ärmel kann man längs falten und so die Stelle markieren, bei der der Ärmel oben an der Schulter ansetzt. Die Naht verläuft dann unter dem Arm.
Bei diesem „modernen“ Ärmelschnitt funktioniert das aber nicht, weil die Ärmelmitte (d. h. Delle im Ärmel) auf der Vorderseite liegt, wodurch die Ärmelnaht nach oben auf den Ellenbogen rutscht. Demzufolge muss auch beim Einsetzen des Ärmels anders verfahren werden. Bei diesem Schnitt müssen erst die Seitennähte des Kleides geschlossen werden, um die Lage der Ärmellöcher zu markieren. Dann werden die Ärmel geschlossen, Kleid und Ärmel auf links gewendet und die fertigen Armkegel in die Löcher eingesetzt.

Bis es so weit ist, liegt aber noch eine ganze Menge Näharbeit vor mir. Ich werde aber zu gegebener Zeit berichten. Mit Fotos. Versprochen. Denn das verspricht eine ganze Menge Gezuppel zu werden.

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Wenn ich damit durch bin, werde ich vermutlich drei Kreuze schlagen, obwohl ich weder gläubig, noch abergläubisch bin. Aber bei diesem Projekt läuft so ziemlich nichts rund. Erst war der eigentlich vorgesehene Stoff weg, dann habe ich ein Paar Seitengeren nicht wiedergefunden und gedacht, ich hätte sie noch nicht zugeschnitten, mich nach dem Zuschnitt gewundert, warum die zweiten länger waren, als die ersten, um nach dem Annähen festzustellen, dass ich versehentlich das Stück für die Ärmel und zwei weitere (kürzere) Gerenpaare erwischt habe, während die vorgesehenen Geren fertig zugeschnitten in der Stoffkiste lagen …

Nun gut, für die Ärmel hatte ich immer noch ein Stück, auch wenn es nur für schmale Ärmel reicht. Aber auch die hat es im 12. Jahrhundert schon gegeben.
Und mit den zu lang gewordenen Geren habe ich ein interessantes Experiment vor: Da sie bis an die Schulter gehen, wird die Vorderbahn deutlich breiter, als die Rückenbahn. Bei meiner Oberweite ist das erstmal gar nicht schlecht. Damit die Nähte trotzdem gerade liegen, will ich mich an einer Armkugel versuchen und den Stoff im bzw. unterhalb des Ausschnitts in Falten legen, so dass erst unterhalb mehr Weite entsteht (hoffentlich ist das verständlich ausgedrückt). Ob es so etwas gegeben hat, weiß ich nicht. Es gibt aber eine Reihe von Bildern, bei der unterhalb der Ausschnittbesätze senkrechte Striche gezeichnet sind, die sich als Falten interpretieren lassen.
Armkugeln hat es dagegen definitiv gegeben, auch wenn sie im 12. Jh. so etwas wie dernier cri sind, d. h. die meisten Kleider kommen noch vollkommen ohne aus. Das sieht man auf Bildern u. a. daran, dass selbst bei engen Ärmeln unterhalb der Achsel noch eine ganze Menge Stoff ist. Sehr schön sieht man das z. B. auf diesem Ausschnitt aus einem Speculum virginum: Die Ärmel der sähenden Frau liegen zwar eng am Handgelenk an, sind aber oben so weit, dass sie bis unter die Brust reichen. Die Frau im roten Kleid ist dagegen schon nach neuester Mode gekleidet, d. h. bei ihr sind die Ärmel auch im Schulterbereich schmal.
Allerdings funktioniert die Armkugel im HoMi aber anders, als die heute. Statt einer Beule hatten die mittelalterlichen Ärmel eine Delle und die saß auch nicht an der Schulter, sondern im Frontbereich, so dass der Stoff der vorderen Stoffbahn nach hinten und oben gezogen wurde, während im Rücken eine „Bewegungsreserve“ entstand. Die andere Folge ist, dass die Ärmelnaht auf der Armrückseite lag.

Auf das Ergebnis bin ich echt gespannt.

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Gestern abend habe ich mit dem Zuschnitt der langen seitlichen Geren angefangen. Zum Glück eignet sich auch unser jetziger Wohnzimmerteppich gut zum Feststecken des Stoffs. Um das Ganze ein bisschen zu beschleunigen, habe ich beschlossen, beide Geren gleichzeitig zuzuschneiden.

Also habe ich sie möglichst genau aufeinander gelegt, festgesteckt und danach wie immer einen Faden quer über den Stoff gespannt. Allerdings werden die Geren nicht ganz spitz zugeschnitten, sondern bekommen statt dessen eine schmale Kante. Da mein Zentimetermaß mal wieder streunt, habe ich deren Breite mithilfe des Zeigefingers bestimmt (Fingerspitze bis zweites Fingerglied).

So weit, so einfach. Ich hatte gehofft, im nachsten Schritt den späteren Schnittverlauf mit Kreide aufmalen zu können. Aber das war ein Satz mit X. Ob es nun am zu weichen Untergrund lag oder daran, dass die Schneiderkreide schon älter ist – jedenfalls war außer ein paar Tupfen und kurzen Strichen nichts zu sehen.
Also hieß es mal wieder Reihen. Dabei nähe ich den Spannfaden mit langen Stichen auf den Stoff. Damit die beiden Stoffbahnen nicht gegeneinander verrutschen, habe ich sie entlang des Fadenverlaufs und zusätzlich seitlich mit Stecknadeln fixiert. Trotzdem sind die Geren nicht 100% gerade. Das macht aber nichts, das erledigt sich beim Nähen von alleine.

Jetzt muss ich noch die Ärmel zuschneiden. Außerdem überlege ich, in Hüfthöhe noch zwei kürzere Geren einzusetzen, um das Rockteil noch weiter zu machen.

Aber bevor ich damit beginne, werden die langen Geren an Vorder- und Rückenbahn festgenäht. Die Seide franst nämlich noch schrecklicher aus als Leinen. Der Punkt für einfache Verarbeitung geht damit eindeutig an Wolle.

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Heute abend habe ich mit dem Zuschnitt meines Seidenkleids angefangen. Höchste Zeit, denn in ein paar Wochen fängt die Mittelaltersaison wieder an.

Die rote Seide ist leider immer noch nicht wieder aufgetaucht. Also muss die blaue dran glauben. Leider war sie ziemlich verknittert. Erst feucht und viel zu heiß gebügelt, gingen die Falten halbwegs raus.

Als ich sie dann, nach gut einer Stunde einigermaßen glatt hatte, habe ich mit voller Absicht eine neue Falte reingebügelt. Einmal quer zur Bahn, um die Länge des Kleides zu markieren. Normalerweise schneide ich bei 140 cm breiten Bahnen einfach zwei schmalere Streifen quer ab, einen für das Vorder- und einen für das Rückenteil. Das Kleid wird dadurch etwa knöchellang. Aber dieses Mal wollte ich in die Vollen gehen und habe mich in der Länge nach der Spannweite meiner Arme gerichtet und noch ein bisschen zugegeben. Das dürften so etwa 180 bis 190 cm sein. Gemessen habe ich es nicht.
Anschließend habe ich dieses Stück längs in drei gleichbreite Streifen geschnitten, weil die genau meiner Schulterbreite entsprechen. Dementsprechend wird aus einem dieser Streifen die Vorder- und aus dem zweiten die Rückenbahn. Aus dem dritten mache ich Ärmel.

Danach habe ich von dem Ausgangsstoff quer zum Fadenlauf zwei weitere Streifen für die Seitengeren abgeschnitten. Sie sind je eine Elle breit.
Jetzt kommt die interessante Aufgabe, sie diagonal in Dreiecke zu schneiden. In der alten Wohnung habe ich dafür den Stoff auf dem Wohnzimmerteppich festgeheftet, einen Faden in der Diagonale gespannt und danach den Fadenverlauf erst mit Stecknadeln und dann mit Reihstichen fixiert. Aber diesen Teppich gibt es nicht mehr. Mal schauen, wie geeignet die anderen sind.

Aber das muss bis morgen warten.

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Ein Artikel darüber, was beim Nähen historischer Kleidung beachtet werden sollte – und welche Fehler es unbedingt zu vermeiden gilt. Die Autorin ist zwar im 19. und frühen 20. Jahrhundert unterwegs, die Grundsätze gelten aber genauso für andere Jahrhunderte.

Historical sewing

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Mein Großer braucht eine neue Brouch, weil die Nähte der alten immer wieder ausreißen. Offensichtlich ist sie also zu eng (auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht). Also gut, Brouchen sind zum Glück nicht so schrecklich komplex. Für das 12. Jahrhundert kursieren im wesentlichen zwei Modelle: Der hauptsächlich aus einer Stoffbahn bestehende Thursfieldschnitt und die aus drei Teilen bestehende Rekonstruktion nach Purrucker (hier die Version bei Flinkhand). Darüber hinaus kann man noch prima darüber disputieren, ob nun mit Tunnelzug oder nur gekrempelt …

Als Beleg werden meist die immergleichen Bilder aus der Kreuzfahrerbibel (Maciejowski-Bibel) herangezogen. Aber die ist für meine Darstellungszeit schon zu spät und außerdem habe ich inzwischen so viele Abbildungen von Brouchen gesehen, dass ich nicht mehr daran glaube, dass es den einen richtigen Schnitt gibt.
Gemeinsam ist diesen Abbildungen lediglich der weite Sitz, aber längst nicht alle haben den dicken Taillenwulst, der die Brouchen der Kreuzfahrerbibel auszeichnet. Daher habe ich mich für eine Interpretation entschieden, die sich an der Hose eines nubischen Bischhofs  orientiert. Gefunden habe ich die Abbildung auf der Seite von Marc Carlson, den ich, wie regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, öfter zitiere. Die Hose selbst ist zwar aus dem 14. Jahrhundert und aus Baumwolle, entspricht von der Form her aber durchaus denen des 12. Jahrhunderts. Außerdem ist sie einfacher zu nähen, als der Thursfieldschnitt, der den Einsatz von Dreiecken und einen separaten Bund verlangt und stoffsparender, als die Rekonstruktion von Purrucker.

Die nötigen Maße sind:

  • Bauchumfang: 65 cm
  • Beinlänge ab letzten Rippenbogen: 60 cm
  • Beinumfang: 45 cm
  • Schritthöhe: 20 cm

Alles ist ist locker gemessen, aber noch ohne Berechnung der Nahtzugaben.

Anders, als bei früher genähten Kleidungsstücken, bei denen ich fast ausschließlich Flügelnähte verwendet habe, sollen bei dieser Brouch vorwiegend Kappnähte zum Einsatz kommen.

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