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Posts Tagged ‘zuschneiden’

Gestern abend habe ich das Mantelfutter fertig zugeschnitten und dabei einmal mehr festgestellt, warum Halbkreismäntel etwas für Privilegierte war. Den Loden für die Außenseite hatte ich bei einer Freundin zugeschnitten, die offenbar ein etwas größeres Wohnzimmer besitzt. Bei mir musste ich erstmal sämtliche Möbel beiseite rücken – und selbst danach war es noch sehr eng. In einer Bauernkate – wie sie z.B. im Freilichtmuseum Düppel rekonstruiert wurden, wäre vermutlich nicht genug Platz gewesen.

Das Futtermaterial ist feine, leinwandbindige Wolle. Sie ist bereits vorgewaschen und dabei ganz leicht angefilzt, aber trotzdem beinahe durchsichtig, so dass man sie beinahe als Schleiertuch verwenden könnte. Für ein Kleid wäre sie mir beinahe zu leicht. Zusammen mit dem Loden dürfte sie aber auch bei kühlen Temperaturen warm halten.

Ansonsten ist alles wie gehabt, d.h. ich bemühe mich auch dieses Mal materialsparend zu arbeiten, die Nähte werden wieder als Elisabethnaht ausgeführt und ich werde an den Seiten des Mittelstücks und unteren Saum anstückeln.

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Die grundsätzlichen Vorüberlegungen zu Schnitt und Vorgehen gibt es hier.

Der Mantel ist inzwischen weitgehend zugeschnitten, d.h. ich habe die Stoffbahn zunächst der Länge nach durchgeschnitten, um auf die für mittelalterliche Stoffe übliche Breite zu kommen. Das ist bei einer Länge von etwas über 3 m gar nicht mal so einfach. Schon gar nicht, wenn das Zimmer, in dem man zuschneidet, nur knapp 3 m lang und voll möbliert ist.
Um trotzdem eine gerade Kante zu bekommen, habe ich den Stoff Stück um Stück über den Knieen der Länge nach  auf die Hälfte gefaltet und an den Webkanten mit Stecknadeln gegen Verrutschen gesichert. Danach habe ich den entstandenen Schlauch ausgeschüttelt und ordentlich zu einem Stapel gefaltet (und dabei sehr darauf geachtet, den Stoff nicht zu verziehen). Dann habe ich den Stoff Stück um Stück entlang des Stoffbruchs mit Nadeln zusammengeheftet und ihn endlich in einem vierten Schritt entlang des Bruchs durchgeschnitten. Das klingt in der Beschreibung komplizierter, als es ist. Tatsächlich ist es nur zeitaufwändig und wenn alle Nadeln draußen sind, hat man tatsächlich zwei sehr gleichmäßige Bahnen.

Die obere soll später mit der Webkante an die Schnittkante der anderen Bahn genäht werden und zwar so, dass die Webkante oben auf liegt. Dadurch wird sich hoffentlich ein Dachziegeleffekt ergeben, d.h. bei Regen soll das Wasser ablaufen, statt sich in irgendwelchen Nähten zu stauen.

Beim Zuschneiden der Rundung hat eine Fußleiste sehr gute Dienste geleistet (das „Meterband“ war mit 150 cm leider zu kurz). Vorher habe ich die Bahn, die später den oberen Teil des Mantels bilden wird, der Länge nach auf die Hälfte gefaltet. Im Bruch habe ich dann die Latte parallel zur Schnittkante so angelegt, dass eines der Enden genau mit dem Stoff abschließt.
Hält man jetzt die Latte am Stoffbruch fest (der gleichzeitig die Mitte der Bahn markiert), kann man das freie Ende wie einen Uhrzeiger über den Stoff bewegen und bekommt eine sehr schöne Rundung. Genau das habe ich getan und dabei jedes Mal  die neue Position mit Kreide markiert, wenn ich die Latte ein Stück verschoben hatte.

Schemazeichnung der überlappenden Bahnen und des Zeichenvorgangs

Die Skizze zeigt, wie das mit dem Aufmalen funktioniert. Die türkisfarbenen Linien stellen die Latte dar, die Striche die Markierung. Da die Stoffbahnen in der Mitte gefaltet sind, muss nur ein Viertelkreis gezeichnet werden.

Die eigentliche Schwierigkeit kam beim Zuschneiden des 2. Stücks. Ich hatte mir überlegt, dass ich, um möglichst stoffsparend zu arbeiten, eine Lücke lassen wollte, um diese später mit dem Verschnitt zu füllen. Dieses Vorgehen ist durch den Mantel des Mannes aus dem Bocksten Moor historisch belegt.
Es ist aber auch furchtbar unpraktisch, wenn man in einem kleinen Raum mit langen Stoffstreifen arbeitet. Wie zupfelt man das so hin, dass man nicht zu viel wegschneidet, wenn man den Stoff nur gefaltet verarbeiten kann? Selbst wenn das klappt, wie sichert man es gegen Verrutschen? Das ist der Teil, an dem ich gescheitert bin.
Deshalb habe ich mich schließlich dafür entschieden, in diesem Punkt einen anderen Weg zu gehen: Statt aus einer langen Bahn mit einen „Tortenstück“ auf einer Seite, bekommt mein Mantel eine Bahn in die Mitte, die von von zwei „Tortenstücken eingerahmt wird. Nachdem diese Entscheidung getroffen war, war der Rest einfach. Die untere Bahn leicht überlappend auf die obere legen (auch hier Schnittkante oben, Webkante unten). Dabei eine Lücke lassen, die so groß ist, dass die Latte auf ihrer Kreisbahn zu Beginn des unteren Drittel auf den Stoff trifft. Die untere Bahn in Verlängerung des Mittelbruchs falten, das überstehende Stoffstück abschneiden. Halbkreisbahn einzeichnen. Den Stoff an den Kreidemarkierungen mit Nadeln aufeinander heften. Entlang der Nadeln alles wegschneiden, was nicht zum Halbkreis gehört. Fertig. Vorerst.

Schnitt für einen Halbkreismantel

So sieht die spätere Schnittführung aus

 

Was noch fehlt, sind die „Tortenstücke“. Außerdem ist der Mantel hinten ein bisschen zu kurz. Die fehlenden Teile werde ich später aus dem Verschnitt anstückeln. Zuerst müssen die Bahnen aber aneinander geheftet werden, damit ich eine Grundlage für die neuen Zuschnitte habe.

Ich hätte gerne ein paar Bilder eingefügt, um das Gesagte zu verdeutlichen. Aber leider ist das USB-Kabel der Kamera verschwunden. Also muss ich das ein andernmal machen. Falls ich daran denke.

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