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Posts Tagged ‘Zofe’

Der Gürtel für die Zofendarstellung nimmt Gestalt an! Als Grundmaterial habe ich krapp-orangefarbene Seide genommen, doppelt gelegt und mit Überwendlingsstichen zusammengenäht. Innen läuft ein Streifen Leinen und verstärkt das Ganze zusätzlich.
Schon das verwendete Material hätte im 12. Jahrhundert den hohen Stand der Trägerin verraten.

210 cm ist er lang geworden, d. h. er lässt sich nicht nur zu einem schönen Knoten binden, sondern die Enden hängen auch noch höchst dekorativ herunter.
Aber so kann das natürlich nicht bleiben. Noch rollt er sich beim Binden zusammen und würde damit über kurz oder lang wie ein zusammengeknautschter Bademantelgürtel aussehen. Damit das nicht passier, müssen wenigstens die Seiten abgesteppt werden. Vermutlich werde ich aber den ganzen Gürtel rautenförmig mit einen farblich kontrastierenden Faden absteppen. Ich bin mir nur noch nicht ganz schlüssig, ob ich dafür blau oder doch lieber gelb nehmen soll. Momentan tendiere ich zu blau, weil zum Schluss noch die Kreuzstickereien auf die Enden appliziert werden sollen.

So bald der Akku des Fotoapparats wieder aufgeladen ist, gibt es auch Bilder..

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So ungefähr stelle ich mir meinen Gürtel für die Zofe vor:

Eva

Eva (Kathedrale von Lodi, Lombardei, Quelle: WEB-Gallery of Art)

Der herabgesunkenen rechte Arm verdeckt den Gürtel zwar zum größten Teil; es handelt sich erkennbar aber um einen Bindegürtel, der mit einem Weberknoten gebunden wird.

Wie verbreitet diese Gürtel tatsächlich waren, ist schwer zu sagen, weil der Anteil der Frauen unter den auf Bildern und als Skulptur dargestellten Personen  grob geschätzt nur etwa 10% beträgt und sich die wenigen Frauen oft überaus züchtig auch in einem Mantel oder anderem Überwurf hüllen.
Aber selbst wenn die Frau keinen Mantel trägt, verrät oft nur der Faltenwurf, dass das Kleid irgendwie gerafft wurde.

Letztendlich habe ich aber doch ein paar Bilder von ähnlichen Gürteln gefunden. So z. B. auf dieser Darstellung der „ägyptischen Maria“ aus dem Augustinermuseum in Toulouse und dieser schon etwas verwitterten Dame an der Fassade Saint Jouin de Marnes. Auch diese Königin trägt einen Bindegürtel – wenn auch mit einem anderen Knoten, ebenso die Dame mit dem Salbgefäß auf der Bronzetür von St. Sophia in Nowgorod. Dazu kommen noch etliche Darstellungen, bei denen zwar irgendetwas gürtelähnliches um die Taille getragen wird, aber nicht erkennbar ist, wie es verschlossen wird.

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Wie ich schon in einem meiner letzten Posts erzählt habe, bin ich unversehens an die Rolle einer Zofe geraten.  Damit wären es drei. Dreieinhalb, wenn man die Geschichtenerzählerin mitzählt. Aber die zählt nicht richtig, weil sie keine eigene Ausrüstung braucht, sondern die Kleidung überwiegend von der Nonne leiht, weil die theatralischer aussieht, als die der Magd.

Die Zofe muss erstmal das Gleiche tun.

Aber auf Dauer ist das natürlich nichts. Meine Nonne gehört zwar nicht der im 12. Jahrhundert gerade aufkommenden Reformbewegung an, die das Armutsgelübde auf den Orden ausdehnen will, aber ihr Obergewand ist aus naturbrauner (wenn auch feiner) Wolle und der Schnitt ähnelt stark dem eines Kegelzelts. Definitiv nichts für eine standes- und modebewusste Zofe. Nur das Untergewand aus Seidenleinen mit den langen, an den Abschlüssen mit Weißstickerei verzierten Ärmeln dürfte ihren Geschmack einigermaßen treffen. Auf Dauer könnte ich mir aber auch da etwas aufwändigeres vorstellen, gesmokte Ärmel beispielsweise, wie sie auf vielen romanischen Skulpturen in Frankreich zu sehen sind. Mode kam schon damals aus Frankreich …

Aber das kann warten. Zunächst einmal brauche ich ein Kleid. Außerdem genähte Strümpfe, ein farbiges, eventuell besticktes Haarband (vielleicht sogar aus Seide?), einen langen Schleier und einen bunten Gürtel.
Das wird teuer. Dieses Mal hätte ich nämlich gerne einen pflanzengefärbten Wollstoff. Helles Krapprot wäre gut, goldgelb ginge auch und notfalls auch hellblau. Allein der Stoff kostet mehr, als ich normalerweise für ein Kleidungsstück ausgebe (blödes Hobby) und so viel Geld dafür habe ich auch nicht mal so eben locker. Andererseits wird das Nähen ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen – von der Anfertigung irgendwelcher Borten ganz abgesehen. Die könnten nach und nach dazu kommen. Aber auch zum Nähen fehlt mir jetzt, mitten in der Saison die Zeit, d. h. das Kleid würde vermutlich erst gegen Ende fertig werden.

Von daher ist meine Überlegung jetzt, die Sache andersrum anzugehen und mit den Accessoires anzufangen. Allem voran ein schöner Gürtel, das hebt schon mal gewaltig. Als zweites ein besticktes Stirnband und als drittes dann den langen Schleier. Die Strümpfe können noch etwas warten, die sieht man unter dem langen Rock ohnehin nicht.

Also schaue ich jetzt nach Abbildungen von Gürteln.  Vielleicht finde ich ja etwas schönes, nicht zu kurz, nicht zu lang, möglichst etwas zum Binden, das ohne Schnalle auskommt. Das spräche gewaltig für einen Stoffgürtel und genau der wäre mir am liebsten. Bunte Wolle mit Seidenbesätzen oder gleich Seide; dafür hätte ich die nötigen „Zutaten“ sogar zuhause.

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Über Pfingsten bin ich mit meiner Gruppe, der IG Wolf e. V. bei der Veranstaltung „Minne und Mühsal – Leben zur Zeit von Richard Löwenherz“ aufgetreten. Dabei habe ich mich unversehens in der Rolle einer Kammerzofe wiedergefunden. Die eigentliche Darstellerin war kurzfristig ausgefallen und da ich mich auch ein wenig in der Materie auskenne, habe ich ihre Rolle übernommen, die Herrin Sofia vor Publikum geschminkt und dabei Schönheitsideal und -mittelchen des Hochmittelalters erklärt.

Dabei bin ich doch eigentlich auf die Nonne aboniert …

Andererseits liegen Heilkunde und Kosmetik in dieser Zeit nicht so weit auseinander (sonst hätte ich den Vortrag nie übernehmen können) und die Vorführung hat mir Riesenspaß gemacht. Daher würde ich die Rolle gerne dauerhaft übernehmen.

Allein: Ich hab‘ nichts anzuziehen!

Das Nonnengewand ist – trotz weiter Ärmel und Zierstickerei – bei weitem zu schlicht, selbst wenn ich es mit Gürtel und Fibeln aufhübsche. Das Gleiche gilt erst recht für das Magdgewand.

Mein nächstes Großprojekt steht damit fest.

Ein paar Gedanken habe ich mir auch schon gemacht. Es soll aus leichter, feiner Wolle sein. Farbig natürlich und überlang, vielleicht mit einer kleinen Schleppe. Außerdem mit Seidenbesätzen am Halsausschnitt und an den Ärmeln. Auf eine Schnürung werde ich in meinem gesetzten Alter aber verzichten.

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