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Posts Tagged ‘Wolle’

Die Cotte für meinen Großen ist termingerecht zu Pfingsten fertig geworden. Das Ergebnis sieht aus, wie das Kleidungsstück, das der Mann mit dem Speer trägt. Nur in rot.

Moralia in Job

Miniatur aus einer französischen Buchmalerei

Sitzt phantastisch und der Große sieht wirklich toll darin aus. Das einzige Manko ist, dass der Reitschlitz vorne sehr leicht aufklafft. Was mit einer durchgehend geschnittenen Tunika drunter natürlich ein bisschen doof aussieht. Da muss ich noch mal nacharbeiten. Aber sonst …

Leider bin ich nicht dazu gekommen, Fotos zu machen. Aber vielleicht bekomme ich ihn ja die Tage noch zum Posieren.

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Wie schon im letzten Post geschrieben, braucht Sohn neue Oberbekleidung für die nächste Saison. Wie man das Teil nun auch nennt – die Terminologie ist reichlich uneinheitlich. Man könnte es auch als Tunika bezeichnen. Im Mittelalter hätte man vermutlich rôc oder wât dazu gesagt.
Den Stoff habe ich schon: Ein roter, wunderbar weicher, leichter Wollköper von Naturtuche. Gewaschen ist er inzwischen auch. Der Zuschnitt der Cotte muss aber noch einen oder zwei Tage warten, weil ich in der Wartezeit doch noch begonnen habe, „schnell mal eben“ einen Streifen oranger Seide an die Ärmel meines Zofenkleids anzustückeln. Aber wenn das erledigt ist …

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Warum nur kann ich meine Klappe nicht halten? Als es kalt wurde, stellte der Große fest, dass er keine passende Mütze mehr hat. Was ja eigentlich kein Problem ist. Jedenfalls nicht, wenn man in der Großstadt wohnt und alles quasi vor der Tür hat. Wir sind also frohen Muts losgezogen, aber schon beim ersten Geschäft gabs ein langes Gesicht und das wurde zunehmend länger. Die Formen waren durchaus genehm, aber die Farben …

In dem Punkt muss ich ihm allerdings recht geben. Falls man unter all‘ dem grau und schwarz mal irgend eine Farbe findet, hat auch die einen Graustich. Wer glaubt eigentlich, dass so triste Farben cool wären? Meine Jungs finden das jedenfalls nicht und auch auf mich wirken Klamotten für Jungs wirken schon im Regal abgegriffen, schäbig und ein bisschen so, als würden sie aus Altersgründen müffeln.

Vermutlich ist mir deswegen irgendwann ist mir dann der Satz rausgerutscht, da wär’s ja besser, gleich selber zu stricken.
Große Kinderaugen. „Kannst du? Bitte!“
Na gut.

Vorgestern habe ich Sockenwolle besorgt und heute morgen ist er mit der neuen Mütze in die Schule gezogen.

Wollmütze

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Lange nichts mehr geschrieben … Gibt auch nicht viel zu berichten. Was nicht heißen soll, dass nichts passiert wäre. Aber eben nichts, was irgendwie in die Öffentlichkeit gehört. Gewerkelt habe ich auch, aber auch da ist noch nichts präsentables. Das heißt, vielleicht doch:

Fast fertige Kindersocken, aufgenommen in Herzberg 2012

Ein paar Reihen noch, dann sind sie fertig. Im Hintergrund handgesponnene Wolle.

Vom 06. bis 08.07. habe ich das erste Mal bei „Einblick ins Mittelalter“ des Hessischen Ritterbundes teilgenommen. Das Wochenende war – wie auch die Tage vorher – reichlich verregnet und die Besucherzahlen dementsprechend mau. Aber immerhin sind die grauen Kindersocken fertig geworden (Bild folgt) und die hellen ein ganzes Stück gewachsen.

Leider ist mir auf der Veranstaltung auch meine schöne neue Nadel zerbrochen. Aber zum Glück hat sich die alte wieder angefunden, denn – auch das ist eine Erkenntnis – Hainbuche eignet sich gar nicht für die Nadelherstellung. Und am Rand der Wiese wuchs nicht viel anderes (von Brennesseln mal abgesehen).

Auch in anderer Hinsicht war der Ausflug nach Herzberg durchaus erfolgreich. Ich habe nämlich den Stoff für mein Zofenkleid gefunden. Einen weichen Wollstoff, nicht dick aber wunderbar weich und leuchtend rot. 200% Krappfärbung. Den musste ich einfach haben!

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Wie ich schon in einem meiner letzten Posts erzählt habe, bin ich unversehens an die Rolle einer Zofe geraten.  Damit wären es drei. Dreieinhalb, wenn man die Geschichtenerzählerin mitzählt. Aber die zählt nicht richtig, weil sie keine eigene Ausrüstung braucht, sondern die Kleidung überwiegend von der Nonne leiht, weil die theatralischer aussieht, als die der Magd.

Die Zofe muss erstmal das Gleiche tun.

Aber auf Dauer ist das natürlich nichts. Meine Nonne gehört zwar nicht der im 12. Jahrhundert gerade aufkommenden Reformbewegung an, die das Armutsgelübde auf den Orden ausdehnen will, aber ihr Obergewand ist aus naturbrauner (wenn auch feiner) Wolle und der Schnitt ähnelt stark dem eines Kegelzelts. Definitiv nichts für eine standes- und modebewusste Zofe. Nur das Untergewand aus Seidenleinen mit den langen, an den Abschlüssen mit Weißstickerei verzierten Ärmeln dürfte ihren Geschmack einigermaßen treffen. Auf Dauer könnte ich mir aber auch da etwas aufwändigeres vorstellen, gesmokte Ärmel beispielsweise, wie sie auf vielen romanischen Skulpturen in Frankreich zu sehen sind. Mode kam schon damals aus Frankreich …

Aber das kann warten. Zunächst einmal brauche ich ein Kleid. Außerdem genähte Strümpfe, ein farbiges, eventuell besticktes Haarband (vielleicht sogar aus Seide?), einen langen Schleier und einen bunten Gürtel.
Das wird teuer. Dieses Mal hätte ich nämlich gerne einen pflanzengefärbten Wollstoff. Helles Krapprot wäre gut, goldgelb ginge auch und notfalls auch hellblau. Allein der Stoff kostet mehr, als ich normalerweise für ein Kleidungsstück ausgebe (blödes Hobby) und so viel Geld dafür habe ich auch nicht mal so eben locker. Andererseits wird das Nähen ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen – von der Anfertigung irgendwelcher Borten ganz abgesehen. Die könnten nach und nach dazu kommen. Aber auch zum Nähen fehlt mir jetzt, mitten in der Saison die Zeit, d. h. das Kleid würde vermutlich erst gegen Ende fertig werden.

Von daher ist meine Überlegung jetzt, die Sache andersrum anzugehen und mit den Accessoires anzufangen. Allem voran ein schöner Gürtel, das hebt schon mal gewaltig. Als zweites ein besticktes Stirnband und als drittes dann den langen Schleier. Die Strümpfe können noch etwas warten, die sieht man unter dem langen Rock ohnehin nicht.

Also schaue ich jetzt nach Abbildungen von Gürteln.  Vielleicht finde ich ja etwas schönes, nicht zu kurz, nicht zu lang, möglichst etwas zum Binden, das ohne Schnalle auskommt. Das spräche gewaltig für einen Stoffgürtel und genau der wäre mir am liebsten. Bunte Wolle mit Seidenbesätzen oder gleich Seide; dafür hätte ich die nötigen „Zutaten“ sogar zuhause.

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Über Pfingsten bin ich mit meiner Gruppe, der IG Wolf e. V. bei der Veranstaltung „Minne und Mühsal – Leben zur Zeit von Richard Löwenherz“ aufgetreten. Dabei habe ich mich unversehens in der Rolle einer Kammerzofe wiedergefunden. Die eigentliche Darstellerin war kurzfristig ausgefallen und da ich mich auch ein wenig in der Materie auskenne, habe ich ihre Rolle übernommen, die Herrin Sofia vor Publikum geschminkt und dabei Schönheitsideal und -mittelchen des Hochmittelalters erklärt.

Dabei bin ich doch eigentlich auf die Nonne aboniert …

Andererseits liegen Heilkunde und Kosmetik in dieser Zeit nicht so weit auseinander (sonst hätte ich den Vortrag nie übernehmen können) und die Vorführung hat mir Riesenspaß gemacht. Daher würde ich die Rolle gerne dauerhaft übernehmen.

Allein: Ich hab‘ nichts anzuziehen!

Das Nonnengewand ist – trotz weiter Ärmel und Zierstickerei – bei weitem zu schlicht, selbst wenn ich es mit Gürtel und Fibeln aufhübsche. Das Gleiche gilt erst recht für das Magdgewand.

Mein nächstes Großprojekt steht damit fest.

Ein paar Gedanken habe ich mir auch schon gemacht. Es soll aus leichter, feiner Wolle sein. Farbig natürlich und überlang, vielleicht mit einer kleinen Schleppe. Außerdem mit Seidenbesätzen am Halsausschnitt und an den Ärmeln. Auf eine Schnürung werde ich in meinem gesetzten Alter aber verzichten.

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Als ich es das erste Mal gehört habe, dachte ich an eine urbane Legende, einen Aprilscherz, der sich verselbständigt hat, aber nein, es ist wahr: Seit Anfang Mai werden Garnhersteller und Verkäufer abgemahnt, weil sie die Zusammensetzung ihrer Garne zu exakt angeben. Man darf heute nämlich nicht mehr „Merino extra fein“ darauf schreiben. Auch nicht „KidMohair“, „Lambswool“, „Bouretteseide“ o.  ä., auch wenn das gängige Begriffe sind, unter denen sich jede/r etwas vorstellen kann.
Aber seit dem 8. Mai gilt eine neue EU-Textilkennzeichnungsverordnung, die besagt, dass nur noch bestimmte, in der Verordnung selbst festgelegte Bezeichnungen verwendet werden dürfen. Und danach heißen alle Garne aus Schafhaar „Wolle“ und alle aus Kokons seidenspinnender Insekten gewonnenen Garne „Seide“. Interessant wird es bei Fasern, wie Bambus oder Nessel (Bastfaser der Urticaceae). Die sind von der Verordnung nämlich gar nicht erfasst und müssten jetzt als „sonstige Fasern“ gekennzeichnet werden.

Das ist, als könne man an der Fleischtheke nur noch zwischen Braten, Schinken und Wurst wählen und beim Käse nur noch zwischen hart und weich. Keine Salami mehr, keine Lyoner, keine Mortadella und schon gar keine Stracke, Grützwurst, Rotgelegter, Schwartenmagen oder Pressack – alles nur noch Wurst. Das ist genauso Käse, wie wenn die Unterscheidung zwischen Edamer, Gouda, Camembert, Roquefort und Brie wegfallen würde.

Keine Ahnung, wer sich das ausgedacht hat. Selbst die Garnhersteller hat die Änderung kalt erwischt, von den ganzen kleinen Händlern, die handgefärbte Garne oder seltene Wollsorten anbieten, ganz zu schweigen.
Vor allem ist es so unsinnig: Überall wird mehr Verbrauchersicherheit gefordert, und dass die Hersteller angeben müssen, was in ihren Produkten steckt. Und ausgerechnet auf dem Markt, wo das weitgehend funktioniert, beschränkt man die Information des Verbrauchers.

Aber da still ärgern nur selten etwas ändert, habe ich jetzt nicht nur diesen Artikel geschrieben, sondern auch eine Mail an „meine“ Verbraucherzentrale:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vor einigen Tagen habe ich gehört, dass Garne künftig nicht mehr als KidMohair, Lambswool, Merino, Tussah- oder Schappeseide etc. sondern nur noch als Wolle, Seide usw. deklariert werden dürfen. Ich sehe darin keinerlei Vorteil: Bei diesen Bezeichnungen handelt es sich nicht um Fantasieprodukte, sondern um gängige Begriffe, die seit Jahren in Gebrauch sind. Ihre Streichung ist für mich als Verbraucherin daher mit einer erheblichen Verunsicherung verbunden, weil ich nun die Qualität höchstens noch aus dem Kleingedruckten – oder, wenn dort nichts steht – erst nach der Verarbeitung erkennen kann. Ich bitte Sie daher, sich für eine Änderung dieser unsinnigen Verordnung einzusetzen.

Vielleicht hilft’s ja.

Einen sehr guten und informativen Artikel zu diesem Thema gibt es auch im Blog Faserriss und Wollkenbruch.

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