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Posts Tagged ‘Nadelbindung’

Vom Spaziergang heute morgen habe ich noch etwas mitgebracht: Äste. Ich brauche nämlich mal wieder eine Neue. Eine neue Nadel zum Nadelbinden. Meine alte Neue ist nämlich zerbrochen. Zum Glück lassen sich diese Nadelbindungsnadeln leicht selber schnitzen. Alles, was man braucht, sind ein gerades, etwa fingerdickes und fingerlanges Aststück, ein scharfes Messer, etwas Leinenzwirn und Öl.

Astabschnitte von Obstbäumen

Die Beute von Heute: Apfel-, Kirsch-, Mirabellen- und Schlehdornholz

Besonders gut eignen sich langsam wachsende Hölzer, etwa von Obstbäumen, weil die sehr dicht sind und nicht fasern. Ungeeignet sind weiche und faserige Holzarten, wie Hainbuche, Fichte oder Pappel. Nach Möglichkeit sollt das Aststück frei von Verzweigungen sein.
Das Holz darf ruhig frisch (grün) sein. Grünes Holz lässt sich leichter bearbeiten, als getrocknetes. Außerdem ist die fertige Nadel so dünn, dass man keine Trocknungsrisse befürchten muss.

Als erstes schält man die Rinde und eventuell doch abzweigende Ästchen ab und kürzt das Aststück auf die gewünschte Länge.

entrindete Aststücke

Das sieht dann so aus.

Danach spaltet man das Aststück der Länge, indem man das Messer in der Mitte der Schnittfläche ansetzt und kräftig darauf drückt. Von diesem Vorgang habe ich kein Bild gemacht, weil mir meine Finger dann doch wichtiger sind.
Im Idealfall hat man jetzt zwei verwendbare Rohlinge. Meist spaltet sich das Holz aber nicht ganz gleichmäßig. Dann macht man am Besten mit dem dünneren Stück weiter.
Wenn man ein sehr dickes Stück Holz verwendet, muss man eines der Stücke eventuell ein zweites Mal spalten.
Ich habe mich ein bisschen ungeschickt angestellt und zuerst einen viel zu dünnen Span abgespalten. Aber zum Glück ließ das Aststück einen zweiten Versuch von der anderen Seite zu. Das Ergebnis war so etwas, wie ein kleines Brett.

So gerade sehen meine Späne sehr selten aus.

Um aus dem Span eine Nadel zu machen, schnitzt man ihn zuerst flacher und glättet die Kanten. Sie sollte am vorderen Ende (der Spitze) etwas schmaler und dünner sein, als an Ende an das später das Öhr kommt.
Bei meinem „Brettchen“ waren die Seiten ebenfalls vorgegeben, weil an der einen Seite ein kleiner Astknubbel saß. An solchen Stellen ist der Ast immer ein bisschen verdickt und das Holz ein wenig härter, so dass es sehr mühsam wäre, das glatt und schmal zu schnitzen. Also muss da das Öhr hin.

Zehn Minuten später ist die grobe Form erkennbar…

… und deutlich schmaler ist sie auch

Weil ich meist mit feinem Garn nadele und meine Nadeln entsprechend schlank mag, habe ich sie noch ein wenig schmaler geschnitzt. So:

Rohform einer Nadelbindungsnadel

Wenn die Nadel so schmal und dünn ist, wie man sie haben möchte, rundet man Spitze und Ende etwas ab. Wenn sich die Spitze nicht glätten lässt, weil das Holz immer wieder aufreißt, kann man versuchen, es durch Feuer zu härten. Dazu hält man die Spitze kurz (!) in eine Kerzenflamme und schabt das verkohlte Holz anschließend vorsichtig ab. Das unverbrannte Holz dahinter ist dichter und fester und (meist) frei von Rissen.

Bei meiner war das zum Glück nicht notwendig, daher konnte ich gleich mit dem Zurichten des Öhrs beginnen. Dazu wird die Spitze des Messers leicht schräg auf der Stelle aufgesetzt, an der später das Öhr enden soll. Die Schneide zeigt Richtung Nadelspitze. Dann bewegt man das Messer mit leichtem Druck hin und her und schabt solange, bis die Messerspitze auf der anderen Nadelseite herauskommt.
Dann dreht man die Nadel um, setzt die Messerpitze in das entstandene Loch und beginnt die Prozedur von vorne.
Auf diese Weise erhält man ein längliches Öhr, das sich durch vorsichtiges Kratzen auf die gewünschte Länge erweitern lässt.

Beim Bohren habe ich zum Schutz meines Oberschenkels eine Spanplatte als Unterlage benutzt.

Anschließend muss das Öhr geschliffen werden, damit sich die Wolle nicht darin verhakt und reißt. Das kann man mit Schmirgelpapier und Feilen machen, meist reicht es aber, das Holz zuerst mit einem Priem oder dem Messerrücken unter vorsichtigem Druck zu verdichten und danach mit einem kräftigen Leinenzwirn glatt zu reiben. Der Zwirn wird dazu durch das Öhr gefädelt, an beiden Enden festgehalten und mit Zug hin und her bewegt.

Wenn das Öhr zufriedenstellend ausgeschliffen ist, kommt die Feinarbeit an der Nadel dran. Auch sie muss noch einmal geglättet werden. Dazu schabt man eventuelle Unebenheiten glatt und legt die Nadel danach auf eine glatte, leicht federnde Unterlage und fährt mit den Messergriff mit wohldosiertem Druck (nicht zu kräftig, damit sie nicht bricht) darüber. Das Holz wird dadurch verdichtet und beginnt zu glänzen.

Jetzt ist die Nadel eigentlich schon fertig und einsatzbereit. Zur Pflege sollte man sie noch mit Öl (am besten mit Leinöl oder einem anderen nicht ranzenden Öl) einreiben. Wer es ganz aufwändig möchte, mischt Bienenwachs darunter. Notfalls tut es aber auch Möbelpolitur.

Geglättet und frisch geölt. Jetzt fehlt ihr nur noch der Feinschliff durch Gebrauch.

So eine Nadel wird mit jedem Gebrauch schöner, weil die Wolle beim Nadelbinden wie eine Hochglanzpolitur wirkt.

Und zum Schluss noch ein Bild vom Werkzeug:

Zur Not tut es sogar ein Kindermesser

Ich kam gerade weder an mein Taschenmesser, noch an das Mittelaltermesser. Da habe ich das meines Sohnes genommen. Nur das Bohren war ein bisschen heikel.

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Lange nichts mehr geschrieben … Gibt auch nicht viel zu berichten. Was nicht heißen soll, dass nichts passiert wäre. Aber eben nichts, was irgendwie in die Öffentlichkeit gehört. Gewerkelt habe ich auch, aber auch da ist noch nichts präsentables. Das heißt, vielleicht doch:

Fast fertige Kindersocken, aufgenommen in Herzberg 2012

Ein paar Reihen noch, dann sind sie fertig. Im Hintergrund handgesponnene Wolle.

Vom 06. bis 08.07. habe ich das erste Mal bei „Einblick ins Mittelalter“ des Hessischen Ritterbundes teilgenommen. Das Wochenende war – wie auch die Tage vorher – reichlich verregnet und die Besucherzahlen dementsprechend mau. Aber immerhin sind die grauen Kindersocken fertig geworden (Bild folgt) und die hellen ein ganzes Stück gewachsen.

Leider ist mir auf der Veranstaltung auch meine schöne neue Nadel zerbrochen. Aber zum Glück hat sich die alte wieder angefunden, denn – auch das ist eine Erkenntnis – Hainbuche eignet sich gar nicht für die Nadelherstellung. Und am Rand der Wiese wuchs nicht viel anderes (von Brennesseln mal abgesehen).

Auch in anderer Hinsicht war der Ausflug nach Herzberg durchaus erfolgreich. Ich habe nämlich den Stoff für mein Zofenkleid gefunden. Einen weichen Wollstoff, nicht dick aber wunderbar weich und leuchtend rot. 200% Krappfärbung. Den musste ich einfach haben!

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Einen Vorteil hat es, Mutter von Jungs im Grundschulalter zu sein: Man hat immer einen ausreichenden Vorrat an Stöcken auf dem Balkon. Das ist sehr praktisch, wenn man zum Beispiel eine neue Nadelbindungsnadel braucht.

Nachdem meine Lieblingsnadel gestern verschwunden ist, habe ich mir von einem der Stöcke ein ungefähr fingerlanges, gerades Stück abgesägt und es dann mit dem Messer gespalten. Das war der gefährlichste Teil, weil das Holz schon getrocknet war; grünes Holz spaltet sich deutlich leichter. Aber auch das ging.
Der Span lief schon keilförmig zu, so dass ich nur die Rinde abschälen und alles Holz wegschnitzen musste, das nicht nach Nadel aussah. Anschließend habe ich mit der Messerspitze ein Öhr gebohrt und das Holz verdichtet, indem ich mit dem Messerrücken mit festem  Druck über die Nadel gefahren bin. Und voila, das ist sie:

Holznadel zum Nadelbinden

Ich vermute, dass es sich bei dem Holz um Apfelbaum handelt.

Die Herstellung hat maximal eine Viertelstunde gedauert. Noch ist die Nadel ein bisschen rauh, aber das schleift sich beim Nadelbinden schnell ab. Nach ein paar Runden sieht sie schon so aus:

Holznadel zum Nadelbinden

Sie fängt schon an zu glänzen.

Das Öhr werde ich aber noch mal vergrößern.

Übrigens lag meine alte Nadelbindungsnadel heute morgen mitten auf dem Tisch. Da, wo sie sein sollte. Unübersehbar.
Manchmal glaube ich doch an Kobolde.

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Es dauert zwar lange, weil das Garn so dünn ist (und ich auch nicht gerade furchtbar fleißig war) – aber sie wachsen.

Nachdem das Fußteil fertig ist, habe ich mit dem Schaft angefangen. Dazu ist ein langes Band aus „Luftmaschen“ nötig.

Fußteil mit Schaftansatz

Anfang der Luftmaschenkette

Nachdem die Luftmaschenkette lang genug war, habe ich sie auf der anderen Seite ans Fußteil genäht. Der so gebildete Ring bildet den Übergang zwischen Schaft und Ferse.

Der Schaftansatz wird erkennbar

Jetzt geht es wieder Runde um Runde weiter, bis der Schaft die richtige Höhe hat. Ein paar Runden später sieht das so aus:

Schaftansatz

Die Sockenform ist jetzt ansatzweise erkennbar. Auf dem Bild erkennt man auch gut, wie dünn das Garn ist.

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Die Socken wachsen. Aus den Schnecken sind  zwei fast fertige Fußteile geworden, obwohl ich über Ostern nicht gerade fleißig war. So sehen sie jetzt aus:

Das Rippenmuster ist typisch für viele nadelgebundene Textilien

Ein paar Runden brauche ich allerdings noch, bevor ich mit dem Beinteil beginnen kann. Stricken ginge schneller. Wenn ich stricken würde, wäre ich jetzt vermutlich schon fertig. Aber wie ich schon im vorherigen Post geschrieben hatte, sind die Socken für eine im 12. Jahrhundert angesiedelte Mittelalterdarstellung.  Und für die Zeit fehlt nun mal jeder Hinweis darauf, dass die Technik des Strickens in Mitteleuropa bekannt war oder gestrickte Textilien bis hierher gelangt wären.

Außerdem hat Nadelbindung einen ganz erheblichen Vorteil gegenüber dem Stricken: Es ist viel haltbarer. Nadelgebundene Sachen ribbeln sich nicht wieder auf. Sie bekommen auch keine Laufmaschen. Selbst wenn man ein Loch hineinläuft, passiert nichts weiter, als dass man ein Loch hat, das sich jederzeit wieder stopfen lässt.

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Meine Kinder brauchen bis Pfingsten neue Socken. Normale haben sie natürlich, aber zu einer Mittelalterveranstaltung passen weder Rennwagen, noch Dinos – und Baumwoll-Lycra-Gemisch auch nicht. Und Pfingsten steht die nächste Veranstaltung an.  Also müssen die anderen Projekte erstmal hintenan stehen.

Nun waren Socken im Mittelalter durchaus nicht die einzige Möglichkeit, Füße warm zu halten.
Gut betuchte trugen Beinlinge mit Fußteil.  Auch genähte Strümpfe, die oberhalb der Wade gebunden wurden, waren bekannt, wenn natürlich längst nicht alle so prunkvoll waren, wie diese aus der weltlichen Schatzkammer in Wien:

Zum Krönungsornat gehörende genähte Strümpfe

Diese Strümpfe gehörten zum Krönungsornat.

Der Nachteil dieser Lösungen liegt darin, dass der Stoff schnell durchgelaufen ist. Vielleicht ist das der Grund, warum der Mann aus dem Bocksten-Moor seine Füße zusätzlich mit Fußlappen umwickelt hatte.
Solche Fußlappen waren gleichzeitig die einfachsten Variante, die Füße warm zu halten. Sie bestanden lediglich aus einem Lumpen, der um die Füße gewickelt und mit Bänder fixiert wurde.

An meinen kleinen Chaoten würden Fußlapppen vermutlich keine fünf Minuten halten.  Daher werde ich ihnen nadelgebundene Socken machen.

Nadelbinden ist eine sehr alte Handarbeitstechnik; weit älter als Stricken oder Häkeln. Sie ist eine Mischung aus Nähen und Weben, bei der der Faden mittels einer Nadel in Schlaufen ineinander verschlungen wird. Nadelgebunden sind z. B. Pontifikalstrümpfe des Hl. Germanus (12. Jh.) oder die sog. Socke von Coppergate (10. Jh.).

Meine beiden bekommen Socken aus handgesponnener Wolle. Davon habe ich noch einige Knäule hier; allerdings ist das meiste so fein, dass ich es zweifädig verwende.
Der Anfang ist bereits gemacht: Eine Reihe aus acht Maschen, danach wird in Runden weitergearbeitet und immer an den „Ecken“ zugenommen. Das Ergebnis sieht bisher so aus:

nadelgebundene Zehenkäppchen

Mehr Schnecke als Socke - aber das wird noch

 

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