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Posts Tagged ‘Mythos’

Vor einiger Zeit hatte ich schon einmal über den Mythos Ritterrüstung geschrieben. Jetzt ist ein Artikel über eine Versuchsreihe an der Universität Leeds erschienen, bei der man Männer in spätmittelalterlicher Rüstung auf’s Laufband geschickt hat. Auch hier hat sich herausgestellt, dass die Probanden zwar erheblich mehr Kraft aufwenden mussten, als jemand ohne Rüstung – aber sie haben es doch deutlich länger ausgehalten, als die von Prof. Jenks erwähnten Footballspieler. Da in derartigen Rüstungen auch zu Fuß gekämpft wurde, kann man wohl davon ausgehen, dass auch die Behauptung, ein gestürzter Ritter sei so hilflos wie ein auf den Rücken gefallener Käfer ins Reich der Legenden gehört.

Hier geht es zum Artikel in Popular Mechanics

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Ein sehr beliebter Mittelaltermythos ist der, dass ein Ritter, wenn er vom Pferd fällt, hilflos strampelnd liegen bleibt, weil er aus eigener Kraft nicht aufstehen kann. Offenbar geht dieser Mythos auf einen Versuch aus den 30ern zurück. Das erzählt jedenfalls Prof. Jenks im 5. Teil seiner Vorlesung Einführung in das Mittelalter:

„Und da gab es ein Problem: Die Ritterrüstung ist mittlerweile so schwer, dass man sich nicht erheben kann, wenn man runterfällt. An meiner alten Universität hat man – Sie wissen, was amerikanische Footballspieler sind, na? Sind große Schränke; 250 – 300 Pfund sind keine Seltenheit. Muskelbepackt und so weiter. Zum Spaß hat man diese Herrschaften in nachgemachte Ritterkleidung eingekleidet, also Panzer, Helm und so weiter, und dann auf die Straße geschickt, zum Spazierengehen.
Kein Mensch hat’s bis zur nächsten Ecke geschafft. Sie sind alle vor Erschöpfung zusammengebrochen, nach zwanzig, dreißig, vierzig Schritten.
Das heißt, wenn ein Ritter fällt, in dieser Zeit, kommt er nicht mehr auf die Beine. Wenn die Leute in den Fluss fallen, ersaufen sie.“

So sehr ich die Vorlesungen von Prof. Jenks schätze – hier erzählt er meines Erachtens Unsinn.
Das Phänomen, das er beschreibt, mag für einen gotischen Plattenharnisch angehen – wobei ich bei Rekonstruktionen aus den 30ern selbst in dieser Hinsicht skeptisch bin, weil die experimentelle Archäologie zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen steckte und gerade die Geschichtswissenschaft oft ideologisch geprägt war.
Aber das Zitat fiel im Zusammenhang mit der Schlacht von Val-ès-Dunes, im Jahre 1047. Zu diesem Zeitpunkt war der Plattenharnisch noch Science Fiction. Ein gut! gerüsteter Kämpfer trug Helm, Kettenhaube, Gambeson (oder Aketon) und Kettenhemd. Außerdem einen Schild und vielleicht auch schon Kettenhandschuhe – wobei ich meine, dass sogar die erst später aufkamen. Aber das war es auch. Wie auf dem Teppich von Bayeux gut zu sehen ist, waren die wenigsten Ritter so gut gerüstet.
Aber selbst in der vollständigen Ausrüstung kann man sich weiter als vierzig Schritte bewegen und auch aus eigener Kraft aufstehen, wenn man hinfällt. Wie gut, das zeigen diese Aufnahmen des Franco-Flämischen-Contingents, einer deutschen Gruppe von Reenactors.

Worin ich Prof. Jenks allerdings zustimme ist, dass man in dieser Ausrüstung nicht schwimmen gehen sollte. Das Hauptproblem dabei ist der Gambeson, der sich voll Wasser saugt und einen unter Wasser zieht.

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