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Posts Tagged ‘Mittelalterdarstellung’

Im Moment stecke ich bis zum Hals in den Vorbereitungen für die nächsten zwei Termine und komme deshalb kaum zum handarbeiten:

Das erste ist ein Auftritt im Rahmen einer Veranstaltung über Heilpflanzen des Hochmittelalters im botanischen Garten in Frankfurt, bei dem ich eine heilkundige Nonne mime, die die Beschwerden einer Reihe von „Patienten“ nach Rezepten aus dem Causae et curae und anderen hochmittelalterlichen Werken behandelt.
Am Tag drauf treten wir mit dem neuen Programm „Sagenhaft“ auf dem Familienfest im Heidelberger Schloss auf. Mein Part ist eine Legende über den heiligen Martin zu erzählen (ein im Mittelalter sehr populäres Thema) und außerdem den Anfang von Hartmann v. d. Aues „Erec“.

Die Legende vom Hl. Martin habe ich schon zweimal erzählt. Die beiden anderen Parts sind vollkommen neu. Aber seit heute abend steht das Konzept für die Sprechstunde, also bleiben vier Tage um Krankeiten, Diagnose und Therapien auswendig zu lernen und an den Details für den Erec zu feilen.

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Mein Großer braucht eine neue Brouch, weil die Nähte der alten immer wieder ausreißen. Offensichtlich ist sie also zu eng (auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht). Also gut, Brouchen sind zum Glück nicht so schrecklich komplex. Für das 12. Jahrhundert kursieren im wesentlichen zwei Modelle: Der hauptsächlich aus einer Stoffbahn bestehende Thursfieldschnitt und die aus drei Teilen bestehende Rekonstruktion nach Purrucker (hier die Version bei Flinkhand). Darüber hinaus kann man noch prima darüber disputieren, ob nun mit Tunnelzug oder nur gekrempelt …

Als Beleg werden meist die immergleichen Bilder aus der Kreuzfahrerbibel (Maciejowski-Bibel) herangezogen. Aber die ist für meine Darstellungszeit schon zu spät und außerdem habe ich inzwischen so viele Abbildungen von Brouchen gesehen, dass ich nicht mehr daran glaube, dass es den einen richtigen Schnitt gibt.
Gemeinsam ist diesen Abbildungen lediglich der weite Sitz, aber längst nicht alle haben den dicken Taillenwulst, der die Brouchen der Kreuzfahrerbibel auszeichnet. Daher habe ich mich für eine Interpretation entschieden, die sich an der Hose eines nubischen Bischhofs  orientiert. Gefunden habe ich die Abbildung auf der Seite von Marc Carlson, den ich, wie regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, öfter zitiere. Die Hose selbst ist zwar aus dem 14. Jahrhundert und aus Baumwolle, entspricht von der Form her aber durchaus denen des 12. Jahrhunderts. Außerdem ist sie einfacher zu nähen, als der Thursfieldschnitt, der den Einsatz von Dreiecken und einen separaten Bund verlangt und stoffsparender, als die Rekonstruktion von Purrucker.

Die nötigen Maße sind:

  • Bauchumfang: 65 cm
  • Beinlänge ab letzten Rippenbogen: 60 cm
  • Beinumfang: 45 cm
  • Schritthöhe: 20 cm

Alles ist ist locker gemessen, aber noch ohne Berechnung der Nahtzugaben.

Anders, als bei früher genähten Kleidungsstücken, bei denen ich fast ausschließlich Flügelnähte verwendet habe, sollen bei dieser Brouch vorwiegend Kappnähte zum Einsatz kommen.

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Vielleicht hat sich der eine oder andere über den galligen Artikel zur Mittelalterszene gewundert. Was mir so übel aufstößt, lässt sich vielleicht durch zwei Videos illustrieren. Jedes von ihnen zeigt einen Pol dessen, was unter Mittelalterszene oder Mittelalterdarstellung verstanden wird.

Das erste Video ist ein Bericht über einen Markt auf Burg Aggstein. Ich meine, dass die Auswahl der Interviewbeiträge sicher tendentiös war, die Darsteller sich aber letztlich selber. Trotzdem hat sich ein österreichisches „Magazin für erlebbare Geschichte“ darüber echauffiert, dass hier angeblich ein guter Markt schlecht geredet würde.

In dem zweiten Bericht erklärt eine Darstellerin die Anfertigung einer Schreibfeder. Das Video entstand bei einem Living History event von English Heritage auf Kenilworth Castle. Die Darstellerin weiß offensichtlich, wovon sie spricht und ihre Ausrüstung bringt mich zum Träumen (auch, wenn es so gar nicht „meine“ Zeit ist).

Aus meinen Kommentaren wir schon deutlich, wem ich mehr Respekt entgegen bringe. In vielen Mitgliederforen wird jedoch erwartet, dass Darstellern, die ihr Wissen aus Spielfilmen beziehen und den Bau der Pyramiden ins Spätmittelalter datieren mindestens der gleiche Anspruch darauf zugestanden wird, ihr „Wissen“ zu verbreiten und jede Form von Kritik wird damit abgebügelt, dass die ja „nur ihren Spaß“ haben wollen.

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