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Posts Tagged ‘Leinen’

Meine Sammlung an Stickmustern aus dem 12. Jahrhundert ist um eins gewachsen:

Die Quelle ist auch hier wieder die Glockenkasel aus St. Paul im Lavanttal. Material ist Seidennähgarn auf Leinen.

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Mein Großer braucht eine neue Brouch, weil die Nähte der alten immer wieder ausreißen. Offensichtlich ist sie also zu eng (auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht). Also gut, Brouchen sind zum Glück nicht so schrecklich komplex. Für das 12. Jahrhundert kursieren im wesentlichen zwei Modelle: Der hauptsächlich aus einer Stoffbahn bestehende Thursfieldschnitt und die aus drei Teilen bestehende Rekonstruktion nach Purrucker (hier die Version bei Flinkhand). Darüber hinaus kann man noch prima darüber disputieren, ob nun mit Tunnelzug oder nur gekrempelt …

Als Beleg werden meist die immergleichen Bilder aus der Kreuzfahrerbibel (Maciejowski-Bibel) herangezogen. Aber die ist für meine Darstellungszeit schon zu spät und außerdem habe ich inzwischen so viele Abbildungen von Brouchen gesehen, dass ich nicht mehr daran glaube, dass es den einen richtigen Schnitt gibt.
Gemeinsam ist diesen Abbildungen lediglich der weite Sitz, aber längst nicht alle haben den dicken Taillenwulst, der die Brouchen der Kreuzfahrerbibel auszeichnet. Daher habe ich mich für eine Interpretation entschieden, die sich an der Hose eines nubischen Bischhofs  orientiert. Gefunden habe ich die Abbildung auf der Seite von Marc Carlson, den ich, wie regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, öfter zitiere. Die Hose selbst ist zwar aus dem 14. Jahrhundert und aus Baumwolle, entspricht von der Form her aber durchaus denen des 12. Jahrhunderts. Außerdem ist sie einfacher zu nähen, als der Thursfieldschnitt, der den Einsatz von Dreiecken und einen separaten Bund verlangt und stoffsparender, als die Rekonstruktion von Purrucker.

Die nötigen Maße sind:

  • Bauchumfang: 65 cm
  • Beinlänge ab letzten Rippenbogen: 60 cm
  • Beinumfang: 45 cm
  • Schritthöhe: 20 cm

Alles ist ist locker gemessen, aber noch ohne Berechnung der Nahtzugaben.

Anders, als bei früher genähten Kleidungsstücken, bei denen ich fast ausschließlich Flügelnähte verwendet habe, sollen bei dieser Brouch vorwiegend Kappnähte zum Einsatz kommen.

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Nach einigen Experimenten mit einfarbigem Stickgarn, zur Erzeugung von Oberflächenstrukturen durch Wechsel der Stichrichtung, habe ich jetzt begonnen, die noch erhaltenen farbigen Muster auf der Glockenkasel aus St. Paul im Lavanttal nachzuarbeiten. Auch hier läuft der Stich meist senkrecht zu den Musterlinien, so dass ich inzwischen vermute, dass die Stickereien ursprünglich durchgehend mehrfarbig ausgeführt waren, und sich der jetzt prägende braun-gelbe Grundton daher rührt, dass viele der Farben mit der Zeit verblasst sind.

Das sind die Muster, die ich bisher nachgearbeitet habe:

Stickereien nach Vorlagen aus dem 12. Jahrhundert

Drei fertige Kreuzmuster

Das Muster oben links werde ich vermutlich noch einmal in gelb-orange ausführen, weil mit die Farbwirkung besser gefällt.
Links entsteht das, was ich für mich selber als E-F-Muster getauft habe.

Alle Muster sind mit sehr kurzen Plattstichen über einem Spannstich ausgeführt.

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Schon seit einiger Zeit hatte ich das Bedürfnis mal wieder etwas hübsches, nutzloses zu sticken. Gestern habe ich es dann nicht mehr ausgehalten und einen meiner Rahmen herausgekramt. Das Ziel war, so etwas ähnliches, wie die Muster in den kleinen Quadraten der Querbänder dieser Kasel aus dem 12. Jahrhundert aus dem Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal. Das Bild ist zugegebernmaßen schlecht. Ein etwas besseres findet sich bei Grönwoldt: Stickereien von der Vorzeit bis zur Gegenwart (Hirmer 1993).

Mich erinnert die Struktur dieser Stickereien an die zu dieser Zeit sehr begehrten geritzten Seiden, wie sie z. B. zur Einfassung des Halsausschnitts der Tunicella von Roger II verwendet wurden.

Detail vom Halsausschnitt der Tunicella Roger II

Besatz aus geritzter Seide

Genau so eine Oberfläche bräuchte ich noch für ein anderes Projekt.

Also habe ich mir ein Stück feines Leinen und Seidennähgarn geschnappt, in den Stickrahmen geklemmt und drauflos gestickt. Das ist dabei herausgekommen:

Strukturstickerei, Seide auf Leinen

Mit Seidennähgarn auf feinem Leinen gestickte Muster. In beiden Quadraten versteckt sich das gleiche Kreuz

Der Stich geht jeweils über zwei Gewebefäden. Die ersten Ergebnisse wirken noch etwas dünn und durchsichtig und lassen nur wenig Struktur erkennen. Aber dann bin ich auf die Idee gekommen, über einen Spannfaden zu sticken. Das Ergebnis ist das Quadrat in der Mitte. Im Schräglicht ist die Struktur gut zu sehen.

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Gerade habe ich die Seite über die Grundlagen des Nähens um eine Unterseite mit den häufigsten Sticharten ergänzt. Auch die Seite wird weiter wachsen, je nachdem, woran ich gerade arbeite.

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Mein Großer braucht dringend ein neues Hemd, d.h. eine neue Untertunika; die Ärmel von seiner vorhandenen gehen nur noch bis knapp über den Ellenbogen. Das mag für ein Kind aus dem „gemeinen Volk“ angehen, aber nicht für eines, das auch mal bunt trägt und den Pagen gibt.
Andererseits läuft mein Sohn bei gutem Wetter gerne nur in seinen Leinensachen rum und sieht dann kein bisschen wie ein Edelknabe aus. Auch sonst ist die Darstellung nicht so hochadelig, dass die Kleidung unbedingt aus einem einheitlichen Stoff gefertigt sein muss. Also wird auch diese Tunika unter dem Gesichtspunkt geringstmöglichen Verschnitts gearbeitet werden, was u.a. bedeutet, vorhandene Stoffreste mit in die Planung einzubeziehen.

Die genommenen Maße sind: 73 cm für die Länge von der Schulter zum Knie, 82 cm Brustumfang, 42 cm Armlänge, 22 cm Armumfang am Handgelenk, 44 cm Ärmelloch.

Den Stoff für die gerade Vorder- und Rückenbahn wird ein Leinenlaken liefern. Es ist 150 cm lang, passt also ziemlich genau, wenn man der Breite nach einen 45 cm breiten Streifen abreißt (Nahtzugabe!). Das bedeutet gleichzeitig weniger Nähaufwand, weil die Webkanten die die unteren Enden der Tunika darstellen nicht versäubert werden müssen. Gleichzeitig entfällt eine Schulternaht, der Halsausschnitt wird einfach in die Mitte der Stoffbahn geschnitten.
Dann habe ich noch einen Rest des „Unterhemds“, einer wadenlangen ärmellosen Tunika, die ich mir beim Einstieg ins Hobby geschneidert und unter dem knöchellangen, langärmeligen Hemd getragen hatte. Da es aber keinerlei Beleg für das Vorhandensein derartiger Kleidungsstücke im 12. Jahrhundert gibt, habe ich sie bald wieder ausgemustert. Ein Teil von ihr hat sich inzwischen in eine Kinderbruch verwandelt, der Rest werde ich jetzt für die Ärmel und die Seitenkeile verwenden.

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