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Posts Tagged ‘Kleidung’

Frauenbekleidung des 12. Jahrhunderts besteht üblicherweise aus 2 Schichten: dem Unterkleid (niderwât) und dem Oberkleid (oberwât oder Kotte). Darüber wird von Höhergestellten oft noch ein Mantel getragen, so dass sich fast schon die Parallele zum heutigen Kostüm aufdrängt, das ohne Jacke auch nicht vollständig wäre.

Bekleidung Mittelalter, Mäntel

Martha (?) wäscht Jesus die Füße, Albani Psalter, 1. Hälfte 12. Jh.

Sehr schön illustriert wird das durch dieses Bild einer Fußwaschung. Es zeigt vermutlich eine Stelle aus dem Johannesevangelium: Jesus hat Lazarus von den Toten erweckt und wird nun im Haus der Familie bewirtet. Lazarus Schwester Martha kommt hinzu, wäscht Jesus Füße, salbt sie mit Nardenöl und trocknet sie mit ihren Haaren.

Bemerkenswert an dieser Szene ist, dass alle Beteiligten Mäntel tragen, obwohl sie in einem Haus und vor einer gedeckten Tafel sitzen – sogar die Frau, die die Fußwaschung vornimmt, obwohl der Mantel hier mehr als hinderlich sein dürfte. Die einzige Ausnahme ist der Bedienstete am linken Bildrand. Die Szene macht deutlich, dass der Mantel nicht in erster Linie als Wetterschutz, sondern Statussymbol getragen wird.

Ähnliche Bilder gibt es das ganze 12. Jahrhundert hindurch und auch später scheint das Tragen eines Mantels zumindest bei Königen und Königinnen obligatorisch.

Aber eigentlich wollte ich gar nichts über Mäntel schreiben, sondern über ein ganz anderes Kleidungsstück, das nur sehr selten auf Abbildungen auftaucht und auf den ersten Blick oft auch gar nicht erkennbar ist, nämlich das Überkleid. Gemeint ist ein Kleid, das über der Oberbekleidung getragen wird. Falls es dafür einen kostümkundlichen Fachbegriff gibt, würde ich mich über einen entsprechenden Kommentar freuen.

Aufgefallen sind mir derartige Überkleider bei Miniaturen aus dem Regensburger Umkreis. Dort gibt es mehrere Abbildungen von Frauen, die über einem sehr langen, faltenreichen Unterkleid ein engeres Oberkleid aus gemustertem Stoff tragen und darüber ein weiteres Kleid, dessen Saum seitlich gerafft und in den Gürtel gesteckt wurde, um die beiden unteren Lagen zu zeigen. Diese Überkleider sind zwar verziert, scheinen aber aus einem schlichteren Stoff zu bestehen. Der Kontext der Figuren ist mir noch nicht 100% klar, aber sie scheinen nicht im höfischen Umfeld zu agieren. Daher bin ich geneigt, diese Überkleider als eine Art Reisekleid anzusehen, vielleicht eine Frühform des ab dem 13. Jahrhundert weit verbreiteten Gardecorps. Allerdings fehlen dem Überkleid die für das Gardecorps typischen Schlitze in den Ärmeln.

Statt mir für meine Adelsdarstellung noch einen dritten Mantel zu nähen, habe ich beschlossen, dass mein nächstes Projekt ein derartiges Überkleid sein soll. Die Fortschritte werde ich hier nach und nach einstellen.

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Angezogen sieht das Ganze im Moment stark nach Gospel-Chor aus. Und die Beulen im Rücken stören gewaltig. Fast fertig

Aber als ich das Kleid heute vor dem Spiegel versuchsweise an den Seiten gerafft habe, waren sie plötzlich weg. Ein wirklich verblüffender Effekt. Und die Taille macht sich gut. Selbst bei meiner Figur. Jetzt überlege ich natürlich, entgegen dem ursprünglichen Plan doch eine seitliche Schnürung anzubringen.

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Beinahe fertig. Der Ausschnitt jedenfalls ist es und wenn der Rocksaum umgenäht ist, könnte ich es sogar schon tragen.Fast fertig

Allerdings sind die Ärmel nur provisorisch eingesetzt und die Seiten nur mit einer Naht geschlossen. Auch sonst gefällt mir noch so einiges nicht:

  1. Die Fältelung am Ausschnitt trägt zu stark auf und der Aussschnitt läuft auch nicht richtig spitz zu. Deshalb verzieht sich der Besatzstreifen. Um den glatt zu bekommen werde ich ihn besticken oder Borten aufsetzen müssen. Borten aufzusetzen, hatte ich ohnehin vor, allerdings sind die noch in Arbeit. Daher wäre es auch eine Überlegung, erst den Besatz zu besticken und dann die Borten in den doch recht tiefen Ausschnitt zu setzen.
  2. Die Ärmel beuteln noch zu stark im Rücken und sitzen außerdem zu weit außen. Daher muss ich in der Schulter wohl noch ein Stück wegnehmen.
  3. Wenn ich die Ärmel wie oben skizziert neu ansetze, werden sie ein Stück zu kurz sein. Am Handgelenk muss also noch ein Streifen Stoff angesetzt werden. Falls das nicht reichen sollte, werde ich im Bereich des Oberarms anstückeln.

Da lässt sich also noch eine ganze Menge machen. Allerdings werde ich vorläufig nur die Punkte 2 und 3 in Angriff nehmen, weil sich gerade ganz andere Dinge in den Vordergrund drängen: Sohn 1 braucht dringend eine neue Cotte! Die Alte geht zwar von der Länge her gerade noch (von der Breite sowieso), aber er hat die Ärmel gesprengt. Da kann ich auch gleich neu nähen und die Alte auf Sohn 2 umarbeiten (der aber auch lieber etwas Neues hätte).

Die nächsten Einträge werden sich daher voraussichtlich mit dem Nähen und Ändern von Wollcotten beschäftigen.

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