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Posts Tagged ‘Klamotten’

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei und das Dritte, was mir aus einer der Umzugskisten entgegenlachte, ist tatsächlich ein kleiner Schatz: Eine halbfertige Samtkappe. Gut, das Samtteil kann man nur wegschmeißen, da habe ich mich beim Zuschnitt verrechnet und beim Nähen gemurkst – aber das Band …

Drachenband

Leider ist das Bild etwas unscharf

Ich habe diese Kappe vor ein paar Jahren angefangen, als ich gerade eine „Mützenphase“ hatte. Aus den meisten ist nie etwas geworden und dieses hier habe ich nicht einmal erinnert. Vielleicht weil ich mit dem Deckel nicht zurande gekommen bin. Vielleicht war mir das Band aber auch zu dunkel, zu breit oder zu schmal – ich weiß es nicht. Jedenfalls hatte ich seine Existenz vollkommen vergessen.
Dabei ist die Stickerei wunderschön: halber und ganzer Kreuzstich auf Baumwollnessel; teilweise ist neben dem gelben Faden goldenes Lurexgarn mit verstickt worden. Die Wirkung ist umwerfend.

Hier noch mal ein paar Details:

Drachenband1Drachenband3Drachenband4Der Deckel muss natürlich weg, was aber auch kein Problem ist, weil er nur mit wenigen Stichen in Maschinennaht festgeheftet ist. Der Rest hängt noch an Stecknadeln. Und dann steht einer neuen Kappe nichts im Weg.

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Die Bruoch für meinen Großen ist fast fertig. Nur den Bund muss noch einmal abgesteppt werden, damit er die Form behält und dann müssen die Schlitze für den Bruchengurt geschnitten und versäubert werden. Aber jetzt habe ich vom Nähen eine Blase am Daumen.

Vielleicht sollte ich mich erstmal um einen Bruchengurt kümmern.

Bild gibt es, wenn alles fertig ist.

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Es dauert zwar lange, weil das Garn so dünn ist (und ich auch nicht gerade furchtbar fleißig war) – aber sie wachsen.

Nachdem das Fußteil fertig ist, habe ich mit dem Schaft angefangen. Dazu ist ein langes Band aus „Luftmaschen“ nötig.

Fußteil mit Schaftansatz

Anfang der Luftmaschenkette

Nachdem die Luftmaschenkette lang genug war, habe ich sie auf der anderen Seite ans Fußteil genäht. Der so gebildete Ring bildet den Übergang zwischen Schaft und Ferse.

Der Schaftansatz wird erkennbar

Jetzt geht es wieder Runde um Runde weiter, bis der Schaft die richtige Höhe hat. Ein paar Runden später sieht das so aus:

Schaftansatz

Die Sockenform ist jetzt ansatzweise erkennbar. Auf dem Bild erkennt man auch gut, wie dünn das Garn ist.

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Die Einzelteile sind zugeschnitten. Wie man aut dem Foto sehen kann, ist das Ganze ein ziemliches Gestückel. Ich habe die Teile so hingelegt, wie sie nachher auch genäht werden, d.h. die gerade Bahn liegt doppelt; der Ärmel ausgeklappt (auf den zweiten Ärmel habe ich aus Platzgründen verzichtet).

Schnitt für eine Kindertunika

Schnitt einer Leinentunika - aus Platzgründen wurde der eine Ärmel nicht ausgelegt

Der Ärmel ist aus vier Stücken zusammengesetzt: Einem geraden Mittelteil, zwei Keilen und einer Manschette. Für diese Zusammensetzung gibt es zwar keinen archäologischen Fund, aber das Konstruktionsprinzip ist übernommen. Es ist eine Mischung aus dem Kragelund-Kittel und dem Arras-Shirt, das auf der verlinkten Seite mit dem Hemd von Thomas Beckett gleichgesetzt wird (lt. Karin Kania bestehen die Ärmel beim Hemd von Thomas Beckett jedoch aus einem Stück). Beiden Stücken ist jedoch gemeinsam, dass sich die Ärmel zum Unterarm hin verengen. Die trapezförmige Erweiterung zur Schulter hin geschieht hier durch die angestückelten Keile, weil der Stoff sonst nicht ausgereicht hätte.
Stoffmangel ist auch einer der Gründe dafür, dass vorne an den Arm eine „Manschette“ angesetzt ist. Diese besteht aus einem etwas besserem (d.h. feinerem und dichter gewebten) Leinen. Unter der Wollkotte wird die Tunika daher edler wirken, als sie tatsächlich ist.

Genau genommen ist auch das kleine Quadrat noch ein Teil des Ärmels. Es wird karoförmig eingenäht, d.h. eine Spitze kommt zwischen die beiden Armkeile, die andere wird an den Rumpf angesetzt. Dadurch entsteht unterhalb der Achsel eine „Bewegungsreserve“, die verhindert, dass die Naht reißt, wenn der Arm nach oben bewegt wird.

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Literatur: Katrin Kania, Kleidung im Mittelalter – Ein Handbuch, Böhlau Verlag, Köln 2010

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In Foren taucht recht häufig die Frage nach einem Schnittmuster für Kinderkleidung auf. Eine allgemeingültige Antwort gibt es darauf natürlich schon deshalb nicht, weil es „das Mittelalter“ nicht gegeben hat. Aber für das 12. Jahrhundert lassen sich ein paar Aussagen treffen.

Die erste ist, dass es keine Kinderkleidung im heutigen Sinn gab. Auf Abbildungen begegnen einem Kinder entweder als mumienartig verpackte Babys oder als kleine Erwachsene, wie hier im Codex Falkensteinensis (links und rechts außen).

Das Fehlen von Stramplern o.ä. ergibt durchaus Sinn, wenn man sich vor Augen hält, wie aufwändig die Herstellung von Kleidung im Mittelalter war und dass Babys nach spätestens drei Monaten eine vollständig neue Garnitur brauchen. Wird der Säugling nur in Windeln gewickelt und verschnürt, ergibt sich dieses Problem nicht. Heute kommt einem das vielleicht unnötig grausam vor, aber ähnliche Praktiken werden auch von verschiedenen Naturvölkern praktiziert und tatsächlich kann man sehr kleine Kinder sogar beruhigen, wenn man sie „puckt“, d.h. fest in ein Tuch wickelt.

Spätestens im Krabbelalter braucht das Kind jedoch etwas zum Anziehen. Optimalerweise etwas, das warm hält, leicht zu reinigen ist und einfache Windelwechsel ermöglicht. Also einen Kittel und damit im Prinzip das, was die „Großen“ auch tragen.
Beim Kinderkittel muss vor allem darauf geachtet werden, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen einen überproportional großen und dicken Kopf haben und erheblich schmalere Schultern haben. Als ich mit Living History anfing, war das durchaus ein Problem, weil es nahezu als Dogma galt, dass es im 12. Jahrhundert keine Verschlüsse außer Fibeln gab. Weil aber Stretch-, Wirk- und Strickstoffe noch nicht erfunden waren, bedeutete das im Ergebnis Sonnenbrand, weil die Kleidung die meinen Kindern über den Kopf ging, ständig von den Schultern rutschte. Aber zum Glück waren die Menschen im 12. Jahrhundert durchaus erfindungsreich, was Halsverschlüsse angeht. Die Tunicella Rogers II wird mit einem Band geschlossen. Die zu den Reichskleinodien gehörende Alba hat eine, mit einer Art Knopf geschlossene Klappe. Und beim genauen Hinsehen finden sich auf verschiedenen Abbildungen noch weitere Varianten.

Wer nicht ständig neue Sachen nähen möchte, sollte außerdem auf einen weiten Sitz achten und alles eher zu lang zuzuschneiden. Lieber einen Ärmel zweimal umkrempeln, als dauernd etwas anzustückeln. Das gilt um so mehr, als Kinder tendentiell eher mehr Kleidungsstücke brauchen, als Erwachsene, weil sie weniger Rücksicht darauf nehmen. Aus dem Grund würde ich auch nicht gerade die besten Stoffe nehmen. Auftrennen und recyceln ist sehr authentisch!

Wie ich jetzt darauf komme?  Am Wochenende habe ich festgestellt, dass die Unterkleidung meiner Süßen zwar noch in der Breite passt, aber das Hemd des Großen nur noch 3/4 Ärmel hat und das des Kleinen kaum noch den Hintern bedeckt. Jetzt überlege ich, ob sich da nochmal was ändern lässt. Das der eine etwas vom anderen erbt, klappt nämlich leider nur im Ausnahmefall und das Hemd des Großen ist dem Kleinen zu eng.

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Vorgestern habe ich – wie beschrieben – begonnen, Futter und Oberstoff zusammen zu nähen. Dazu habe ich die Stoffe „auf rechts“ aufeinander gelegt, d.h. im Moment liegen die Seiten, die später nicht zu sehen sind außen. Genäht wird mit Vorstichen; lediglich die Fadenenden sichere ich durch einige Rückstiche.
Die Kanten werden nicht versäubert. Das widerspricht zwar meinem Gefühl für „ordentliches Nähen“, war aber nach meinem Wissen im Mittelalter üblich. So wurden z.B. die Nähte des Mantels aus der Dorfkirche von Tempelhof auch nicht versäubert.

Zu diesem Mantel, den ich bisher nur aus einer NESAT-Publikation kannte, habe ich jetzt auch im Netz einen interessanten Aufsatz gefunden. Er steht in der Januar-Ausgabe von 1996 der Publikationen des Vereins für Berliner Geschichte auf Seite 86. Sehr spannend finde ich hier insbesondere die Annahme, dass der Loden als Futterstoff und der Schleierstoff als Obermaterial gewesen ist, weil es nach meiner Intuition genau anders herum sein müsste. Von daher finde ich die Spekulation über ein zusätzliches, mit Bronzeröllchen dekoriertes Schleiertuch als Schmuckelement durchaus nachvollziehbar. Traurig ist nur, dass die Stücke schlecht erhalten sind und daher mehr Fragen aufwerfen, als sie beantworten.

Mein eigener Mantel geht inzwischen in die Zielkurve. Spätestens morgen werde ich ihn wenden und die offene Lücke verschließen.

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Es ist geschafft: Das Shirt ist fertig; beide Ärmel sind wieder dran und haben entlang der eingesetzten schwarzen Streifen eine schmale Ziernaht bekommen.

Dazu habe ich die Naht zuerst festgesteckt und dann von der Oberseite her mit kleinen Kettstichen festgenäht. Während der Arbeit sah das so aus:

Als Nahtmaterial habe ich einfädiges Baumwoll-Stickgarn benutzt. Und das ist der Einsatz mit Ziernähten auf beiden Seiten:

Von Nahem betrachtet sehen die Nähte nicht ganz so gerade aus, wie auf dem Bild. Genau genommen sind sie sogar ziemlich wellig, aber das fällt beim Tragen zum Glück nicht auf. Trotzdem ist mir das eine Lehre, den Nahtverlauf beim nächsten mal vorher vorzuzeichnen.

Ja, und das ist das fertige Shirt mit den Einsätzen. Zum Vergleich daneben nochmal das Bild vom Shirt vor den Änderungen. Erstaunlicherweise sind die Ärmel gar nicht so viel länger geworden. Aber immerhin gehen sie jetzt wieder bis an die Handgelenke.

ein pflaumenfarbenes Langarmshirt

Das Shirt mit den eingesetzten Stoffstreifen in den Ärmeln
Nachher

Und ja, es ist wirklich das gleiche Shirt, auch wenn die Farben hier sehr unterschiedlich aussehen.

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