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Posts Tagged ‘Halsausschnitt’

Wenn ich damit durch bin, werde ich vermutlich drei Kreuze schlagen, obwohl ich weder gläubig, noch abergläubisch bin. Aber bei diesem Projekt läuft so ziemlich nichts rund. Erst war der eigentlich vorgesehene Stoff weg, dann habe ich ein Paar Seitengeren nicht wiedergefunden und gedacht, ich hätte sie noch nicht zugeschnitten, mich nach dem Zuschnitt gewundert, warum die zweiten länger waren, als die ersten, um nach dem Annähen festzustellen, dass ich versehentlich das Stück für die Ärmel und zwei weitere (kürzere) Gerenpaare erwischt habe, während die vorgesehenen Geren fertig zugeschnitten in der Stoffkiste lagen …

Nun gut, für die Ärmel hatte ich immer noch ein Stück, auch wenn es nur für schmale Ärmel reicht. Aber auch die hat es im 12. Jahrhundert schon gegeben.
Und mit den zu lang gewordenen Geren habe ich ein interessantes Experiment vor: Da sie bis an die Schulter gehen, wird die Vorderbahn deutlich breiter, als die Rückenbahn. Bei meiner Oberweite ist das erstmal gar nicht schlecht. Damit die Nähte trotzdem gerade liegen, will ich mich an einer Armkugel versuchen und den Stoff im bzw. unterhalb des Ausschnitts in Falten legen, so dass erst unterhalb mehr Weite entsteht (hoffentlich ist das verständlich ausgedrückt). Ob es so etwas gegeben hat, weiß ich nicht. Es gibt aber eine Reihe von Bildern, bei der unterhalb der Ausschnittbesätze senkrechte Striche gezeichnet sind, die sich als Falten interpretieren lassen.
Armkugeln hat es dagegen definitiv gegeben, auch wenn sie im 12. Jh. so etwas wie dernier cri sind, d. h. die meisten Kleider kommen noch vollkommen ohne aus. Das sieht man auf Bildern u. a. daran, dass selbst bei engen Ärmeln unterhalb der Achsel noch eine ganze Menge Stoff ist. Sehr schön sieht man das z. B. auf diesem Ausschnitt aus einem Speculum virginum: Die Ärmel der sähenden Frau liegen zwar eng am Handgelenk an, sind aber oben so weit, dass sie bis unter die Brust reichen. Die Frau im roten Kleid ist dagegen schon nach neuester Mode gekleidet, d. h. bei ihr sind die Ärmel auch im Schulterbereich schmal.
Allerdings funktioniert die Armkugel im HoMi aber anders, als die heute. Statt einer Beule hatten die mittelalterlichen Ärmel eine Delle und die saß auch nicht an der Schulter, sondern im Frontbereich, so dass der Stoff der vorderen Stoffbahn nach hinten und oben gezogen wurde, während im Rücken eine „Bewegungsreserve“ entstand. Die andere Folge ist, dass die Ärmelnaht auf der Armrückseite lag.

Auf das Ergebnis bin ich echt gespannt.

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Den Halsausschnitt der Leinentunika wird mit einer Kombination aus Schlinge und Knöpfchen geschlossen.

Verschluss der Leinentunika

So sieht das in geschlossenem Zustand aus

Das Knöpfchen besteht aus einem kurzen, zum Band genähten Stoffstreifen, der oben verknotet wird. Anschließend habe ich das Ganze zur besseren Stabilität vernäht.

Knöpfchen

Das Knöpfchen

Die Schlinge ist aus fünf Schlaufen geflochten (Fingerloop). Nachdem ich lange Zeit hauptsächlich runde Bänder geflochten habe, habe ich mich hier für ein breiteres Band entschieden. Diese Variante entsteht, wenn man die Schlaufen nicht nur von einer Hand zur anderen wechselt, sonder teils durch andere hindurchzieht, teils daran vorbei führt. Das Muster ist auf beiden Seiten unterschiedlich; auf der einen erscheint eine Art Fischgrat, die andere erinnert an ein gewebtes Band.

kurzes, aus Schlaufen geflochtenes Bändchen

Die geflochtene Schlinge

Ich muss gestehen, dass ich keinen Beleg dafür habe, dass diese spezielle Flechtweise auch im 12. Jahrhundert angewendet wurde. Ich weiß nur, dass Nesteln und Posamente allgemein in Fingerloop hergestellt wurden. Die Technik selber war also vorhanden.
Und da ich selber durch einfaches Ausprobieren auf diese Variante gekommen bin, halte ich die Annahme für gerechtfertigt, dass sie auch schon im 12. Jahrhundert angewendet wurde.

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