Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Halbkreismantel’

Im Zusammenhang mit meinem Mantelprojekt grüble ich immer noch über den Verschluss. Dabei stellt sich weniger die Frage, ob Tassel oder Fibel, sondern eher ob überhaupt.
Aus dem 12. Jahrhundert kenne ich überhaupt nur eine eindeutige Abbildung eines Tasselmantels.  Die werden erst ungefähr 50 Jahre nach meiner Darstellung richtig modern.
Ende des 12. Jahrhunderts scheinen Mäntel entweder zusammengenäht gar nicht geschlossen zu werden. Bei dieser Dame aus dem Hortus Deliciarum scheint er zugenäht zu sein. Das Gleiche gilt für den des Gnadenbildes aus St. Märgen (auf der Seite runterscrollen).
Aber noch öfter sind auf Abbildungen Damenmäntel zu sehen, die offen getragen oder nur mit einer Hand zusammengehalten werden. Die Nonnen auf diesem Bild (ebenfalls Hortus Deliciarum) jedenfalls scheinen den Mantel ohne Verschluss getragen zu haben. Entweder er liegt locker und offen über den Schultern oder wird – wie bei der Nonne vorne rechts – nur auf einer Schulter getragen und auf der anderen Seite unter der Achsel durchgeführt. Auch die Benedicta trägt den Mantel offen – im Gegensatz zu den Männer, die eine Fibel als Verschluss benutzen. Das Gleiche gilt für die Gräfin von Falkenstein.
Wie allerdings diese klugen Jungfrauen ihren Mantel tragen, ist mir noch unklar. Irgendwie muss er gehalten werden, alles andere widerspräche den Gesetzen der Schwerkraft (vielleicht doch eine Tassel?).

Demgegenüber findet man nur ganz ganz selten auch mal die Darstellung einer Frau mit gefibeltem Mantel (leider bisher nichts verlinkbares).  Männer – und zwar nicht nur Kaiser – werden weitaus öfter  mit durch Fibel oder Fürspan geschlossenen Mänteln gezeigt.
Fibelverschlüsse scheinen also eher Männersache gewesen zu sein, so dass sich die Frage stellt, welche Frauen sie unter welchen Umständen ebenfalls getragen haben. Ich denke, ich werde in Zukunft verstärkt auch darauf achten. Vielleicht lässt sich ja irgendeine Regelmäßigkeit ableiten.

I.ü. ist mir noch eine andere Fundarmut aufgefallen: Obwohl auf Abbildungen des 12. Jahrhunderts Fibeln und Fürspane auftauchen spiegelt sich das nicht in den archeologischen Befunden. Fibelfunde werden üblicherweise entweder ins 11. oder 13. Jahrhundert datiert. Ganz ausnahmsweise taucht auch mal eine Datierung für den Anfang des 12. Jahrhunderts auf. Aber dann kommt eine Lücke von etwa 75 Jahren!
Ich habe mal einen Archeologen gefragt, woran das liegen könne. Aber der wusste auch keine Antwort, sondern meinte nur, es könne sein, dass man die Fibeln des 11. bis ins ausgehende 12. Jahrhundert getragen habe.
Aber vielleicht hat ja jemand noch eine andere Erklärung?

Advertisements

Read Full Post »

Nach einem sehr näh-intensiven Wochenende ist die äußere Seite des Halbkreismantels bis auf die unterste Kante fertig. Wie hier beschrieben habe ich die Bahnen leicht überlappend aufeinander gelegt und die Kanten mit einer sogenannten Elisabethnaht zusammengenäht. Dabei wird jede Kante mit kleinen Überwendlingsstichen festgeheftet und so gleichzeitig versäubert.

kleine, schräge Stiche zum gleichzeitigen Versäubern und Befestigen eines Stoffstreifens

Überwendlingsstich

Das Ergebnis sieht für unser heutiges Empfinden vielleicht ein bisschen merkwürdig aus. Die Art zu nähen ist aber historisch belegt, vor allem vom sogenannten Bußkleid der Hl. Elisabeth von Thüringen  (daher kommt auch der Name der Naht).

Die fertige Naht.

Der Vorteil dieser Nähte ist, dass sie extrem flach sind und praktisch nicht auftragen. Beim Mantel ist die Naht nur deshalb zu sehen, weil ich mit ungebleichtem (und ungezwirntem) Leinengarn nähe. Mit einem dunkleren Faden wäre sie praktisch unsichtbar.

Read Full Post »

In einem ordentlichen Haushalt taucht alles wieder auf. So auch das USB-Kabel. Und jetzt gibt es auch Bilder vom Schnitt des Halbkreismantels.

Read Full Post »

Die grundsätzlichen Vorüberlegungen zu Schnitt und Vorgehen gibt es hier.

Der Mantel ist inzwischen weitgehend zugeschnitten, d.h. ich habe die Stoffbahn zunächst der Länge nach durchgeschnitten, um auf die für mittelalterliche Stoffe übliche Breite zu kommen. Das ist bei einer Länge von etwas über 3 m gar nicht mal so einfach. Schon gar nicht, wenn das Zimmer, in dem man zuschneidet, nur knapp 3 m lang und voll möbliert ist.
Um trotzdem eine gerade Kante zu bekommen, habe ich den Stoff Stück um Stück über den Knieen der Länge nach  auf die Hälfte gefaltet und an den Webkanten mit Stecknadeln gegen Verrutschen gesichert. Danach habe ich den entstandenen Schlauch ausgeschüttelt und ordentlich zu einem Stapel gefaltet (und dabei sehr darauf geachtet, den Stoff nicht zu verziehen). Dann habe ich den Stoff Stück um Stück entlang des Stoffbruchs mit Nadeln zusammengeheftet und ihn endlich in einem vierten Schritt entlang des Bruchs durchgeschnitten. Das klingt in der Beschreibung komplizierter, als es ist. Tatsächlich ist es nur zeitaufwändig und wenn alle Nadeln draußen sind, hat man tatsächlich zwei sehr gleichmäßige Bahnen.

Die obere soll später mit der Webkante an die Schnittkante der anderen Bahn genäht werden und zwar so, dass die Webkante oben auf liegt. Dadurch wird sich hoffentlich ein Dachziegeleffekt ergeben, d.h. bei Regen soll das Wasser ablaufen, statt sich in irgendwelchen Nähten zu stauen.

Beim Zuschneiden der Rundung hat eine Fußleiste sehr gute Dienste geleistet (das „Meterband“ war mit 150 cm leider zu kurz). Vorher habe ich die Bahn, die später den oberen Teil des Mantels bilden wird, der Länge nach auf die Hälfte gefaltet. Im Bruch habe ich dann die Latte parallel zur Schnittkante so angelegt, dass eines der Enden genau mit dem Stoff abschließt.
Hält man jetzt die Latte am Stoffbruch fest (der gleichzeitig die Mitte der Bahn markiert), kann man das freie Ende wie einen Uhrzeiger über den Stoff bewegen und bekommt eine sehr schöne Rundung. Genau das habe ich getan und dabei jedes Mal  die neue Position mit Kreide markiert, wenn ich die Latte ein Stück verschoben hatte.

Schemazeichnung der überlappenden Bahnen und des Zeichenvorgangs

Die Skizze zeigt, wie das mit dem Aufmalen funktioniert. Die türkisfarbenen Linien stellen die Latte dar, die Striche die Markierung. Da die Stoffbahnen in der Mitte gefaltet sind, muss nur ein Viertelkreis gezeichnet werden.

Die eigentliche Schwierigkeit kam beim Zuschneiden des 2. Stücks. Ich hatte mir überlegt, dass ich, um möglichst stoffsparend zu arbeiten, eine Lücke lassen wollte, um diese später mit dem Verschnitt zu füllen. Dieses Vorgehen ist durch den Mantel des Mannes aus dem Bocksten Moor historisch belegt.
Es ist aber auch furchtbar unpraktisch, wenn man in einem kleinen Raum mit langen Stoffstreifen arbeitet. Wie zupfelt man das so hin, dass man nicht zu viel wegschneidet, wenn man den Stoff nur gefaltet verarbeiten kann? Selbst wenn das klappt, wie sichert man es gegen Verrutschen? Das ist der Teil, an dem ich gescheitert bin.
Deshalb habe ich mich schließlich dafür entschieden, in diesem Punkt einen anderen Weg zu gehen: Statt aus einer langen Bahn mit einen „Tortenstück“ auf einer Seite, bekommt mein Mantel eine Bahn in die Mitte, die von von zwei „Tortenstücken eingerahmt wird. Nachdem diese Entscheidung getroffen war, war der Rest einfach. Die untere Bahn leicht überlappend auf die obere legen (auch hier Schnittkante oben, Webkante unten). Dabei eine Lücke lassen, die so groß ist, dass die Latte auf ihrer Kreisbahn zu Beginn des unteren Drittel auf den Stoff trifft. Die untere Bahn in Verlängerung des Mittelbruchs falten, das überstehende Stoffstück abschneiden. Halbkreisbahn einzeichnen. Den Stoff an den Kreidemarkierungen mit Nadeln aufeinander heften. Entlang der Nadeln alles wegschneiden, was nicht zum Halbkreis gehört. Fertig. Vorerst.

Schnitt für einen Halbkreismantel

So sieht die spätere Schnittführung aus

 

Was noch fehlt, sind die „Tortenstücke“. Außerdem ist der Mantel hinten ein bisschen zu kurz. Die fehlenden Teile werde ich später aus dem Verschnitt anstückeln. Zuerst müssen die Bahnen aber aneinander geheftet werden, damit ich eine Grundlage für die neuen Zuschnitte habe.

Ich hätte gerne ein paar Bilder eingefügt, um das Gesagte zu verdeutlichen. Aber leider ist das USB-Kabel der Kamera verschwunden. Also muss ich das ein andernmal machen. Falls ich daran denke.

Read Full Post »

Wie schon gesagt wird mein nächstes Projekt ein Halbkreismantel aus mittelschweren, naturbraunem Loden und einem Futter aus feiner weißer Wolle werden. Ich brauche den für die Darstellung einer Nonne des 12. Jahrhunderts. Vorlage sind Abbildungen aus dem Guta-Sintram-Codex und dem Hortus Deliciarum. Der Schnitt wird weitgehend dem des im Bocksten-Moor in Schweden gefundenen entsprechen. Der Mantel aus dem Bocksten-Moor wird zwar auf das 14. Jahrhundert datiert, die Form des Halbkreismantels ist jedoch schon deutlich älter. Das früheste mir bekannte Exemplar ist der Mantel der Bathilde aus dem 7. Jahrhundert. Allerdings tauchen Halbkreismäntel erst ab dem 11. Jahrhundert in größerer Zahl auf.
Bis dahin dominiert der Rechtecksmantel, der vollkommen ohne Verschnitt auskommt und kaum Näharbeit verlangt. Auch sonst braucht man für einen Rechtecksmantel im Vergleich zu einem Halbkreismantel deutlich weniger Stoff. Für meinen Rechtecksmantel habe ich ein Rechteck mit den Kantenlängen 150 cm x 180 cm gebraucht, für den Halbkreismantel werde ich fast 3 m bei einer Webbreite von 150 cm benötigen (gut, der Rest wird voraussichtlich auch noch ein Paar Strümpfe reichen).
Aber nicht nur wegen des hohen Stoffverbrauchs und des unvermeidlichen Verschnitts war ein solcher Halbkreismantel auch im 12. Jahrhundert ein Statussymbol, sondern auch, weil er für praktische Arbeiten vollkommen unbrauchbar ist.

Wie kommt es, könnte man sich fragen, dass ein solches Kleidungsstück ausgerechnet von einer Nonne getragen wird. Auch wenn Nonnen nicht unbedingt körperlich arbeiten mussten, passt das eben Gesagte schlecht zum Armutsgelübde.
Die Antwort ist nach heutigem Verständnis ein bisschen spitzfindig. Das Armutsgelübde erstreckt sich nämlich nur auf persönlichen Besitz. Der Orden hingegen durfte im 12. Jahrhundert durchaus reich sein und war es in der Regel auch. Klöster waren in der Regel Gründungen des Adels, gut ausgestattet und unter adeliger Leitung. Viele nahmen nur Adelige auf (so z.B. die von der Hl. Hildegard von Bingen geleiteten Klöster Rupertsheim und Eibingen) und es war normal, dass Novizen nur gegen Schenkungen aufgenommen wurden.
Nun sieht die Benediktsregel, die den meisten Ordensregeln zugrundeliegt vor, dass die Mönche das tragen sollen, was in der Gegend üblich oder billig zu haben sei. Sie sieht außerdem vor, dass die Mönche aus einer Kleiderkammer eingekleidet werden und sich niemand beschweren soll, wenn die ihm zugewiesene Kleidung nicht richtig passe. Aber sie sagt nicht, dass die Kleidung nicht passen dürfe. Und was wäre billiger zu haben, als das, was sowieso an Stoffen vorhanden ist – zum Beispiel, weil eine Novizin es als „Mitgift“ von ihrer Familie mitbekommen hat.
Das jedenfalls scheint die gängige Auslegung in den Frauenklöstern gewesen zu sein, in denen die Benediktsregel nur sinngemäß galt. Aus dem Kloster Rupertsheim ist bekannt, dass die Nonnen an Feiertagen sogar in Seidenkleidern und mit golddurchwirkten Stirnbinden die Messe feierten. „In Vorwegnahme des himmlischen Jerusalems,“ wie Hildegard von Bingen zu rechtfertigen wusste.
Wenn Nonnen einen Halbkreismantel trugen, entsprach das also vollkommen dem eigenen Selbstverständnis.

Aber zurück zu meinem Projekt: Wie schon beschrieben werde ich einen Schnitt aus dem 14. Jahrhundert als Vorlage nehmen. Allerdings wird es bei meinem Mantel keinen Halsausschnitt, sondern eine annähernd gerade Kante geben. Nur die Schnittführung wird die Gleiche sein, d.h. zwei lange parallel gesetzte Bahnen von denen eine ihre volle Länge durch einen angesetzten annähernd viertelkreisförmigen Keil erhält.
Natürlich könnte ich den Mantel auch direkt aus der Stoffbahn ausschneiden. Die liegt schließlich 150 cm breit. Einfach mit Kreide und einem Faden einen Halbkreis ziehen – fertig ist die Laube. Aber das entspräche nicht den historischen Gegebenheiten. Im Mittelalter konnte man zwar auch so breite Stoffbahnen weben, aber man hat es aus ökonomischen Gründen nur selten getan. Zum Schneidern mit möglichst geringem Stoffverbrauch sind Webbreiten von 60 – 90 cm deutlich geeigneter, zumal man dann die Webkante mitbenutzen kann und sich viel Arbeit mit dem Versäubern der Nähte spart.
Also werde ich die Stoffbahn erst der Länge nach teilen und dann wieder zusammennähen, damit das Ergebnis der Vorlage möglichst nahe kommt.

Quellen:
Bumke, Joachim: Höfische Kultur, dtv, München 2005
Kania, Katrin: Kleidung im Mittelalter, Böhlau Verlag, Köln 2010
Landsberg, Herrad v.: Hortus deliciarum herausgegeben von Dr. Otto Gillen, Pfälzische Verlagsanstalt, 1979
Ohler, Norbert: Mönche und Nonnen im Mittelalter, Patmos Verlag, Düsseldorf 2008

Read Full Post »

Der Stoff für den Halbkreismantel ist da! Jetzt muss ich nur noch schnell mein anderes Nähprojekt fertig stellen und dann geht es los.

Der Mantel ist insofern eine Premiere, weil ich noch nie etwas gefüttert habe. Deshalb kam es bisher auch nie darauf an, genau zu arbeiten. Aber wenn das Futter passen soll … Zum Glück ist die Form einfach, so dass sich in der Beziehung nicht viel falsch machen lässt.

Am einfachsten wäre es natürlich, den Stoff so zu nehmen wie er liegt und den Halbkreis direkt herauszuschneiden. Aber da der Mantel historischen Vorlagen entsprechen soll, scheidet diese Möglichkeit aus. Alle erhaltenen Halbkreismäntel die ich kenne, sind aus Bahnen mit einer maximalen Webbreite von 90 cm. zugeschnitten.
Ich werde 70 cm nehmen, weil das bedeutet, dass sich der Verschnitt minimiert, weil ich mit halben Bahnen arbeiten kann. Außerdem passt 150 cm Länge gut zu meiner Körpergröße, d.h. der Mantel wird bis über die Knöchel fallen, aber nicht am Boden schleifen.

Read Full Post »

Mein nächstes Projekt wird ein Halbkreismantel aus mit feiner, weißer Wolle gefüttertem mittelschweren, naturbraunem Loden für meine Darstellung einer Nonne im 12. Jahrhundert. Vorlage sind Abbildungen aus dem Guta-Sintram-Codex und dem Hortus Deliciarum. Den feinen Wollstoff habe ich schon hier; die Stoffbestellung für den Loden ist raus.

Über die Fortschritte werde ich hier berichten. Das Zuschneiden wird (wenigstens für mich) spannend, weil mein Wohnzimmer dafür eigentlich zu klein ist, nachdem sich die Bücher wieder wild vermehrt haben.

Read Full Post »

« Newer Posts