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Posts Tagged ‘Geschichte’

Ein Freund wies mich auf einen schönen Beitrag der Universität Prag zum Thema „dunkles Mittelalter“ hin. Zu sehen auf youtube:

Der einzige Haken: Der Film ist englisch. Was die Frage aufwirft, warum deutsche Historiker sowas nicht können? Oder deutsche Fernsehanstalten?

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HistoFakt vergleicht die Behandlung des Mittelalters im deutschen Fernsehen mit einem „Doku-Drama“ über die Wirtschaftswunderjahre bei der in einer Szene zu sehen ist, wie Konrad Adenauer „mit seinem Smartphone den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy anruft. Der Bundeskanzler wird standesgemäß in einem Citroën Traction Avant 11CV kutschiert, sein Wirtschaftsminister Ludwig Erhard hingegen bevorzugt einen Porsche 911. Überhaupt mag es der CDU-Politiker sportlich: er nimmt gerne in Jeans und Turnschuhen an den Sitzungen des Bundestags teil und spielt in seiner Freizeit Ballerspiele am Computer …“

Ein schöner Vergleich. Ein guter Artikel. Es ist zu hoffen, dass er nicht nur von einigen Wissenschaftlern gelesen wird, sondern auch von denen, die er betrifft.  Die Macher von Geschichtsdokus nämlich.

Leider habe ich manchmal den Eindruck, dass die nicht lesen. Oder höchstens Geschichten. Nichts geschichtliches.

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Eigentlich sollte das hier ein politikfreies Blog werden. Eines, das sich nur mit den schönen Seiten des Lebens beschäftigt. Aber in manchen Fällen werde ich dann doch eine Ausnahme machen. So wie in diesem.

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich nicht nur irgendwelche Handarbeiten mache, sondern viele davon für eine historische Darstellung benötige, in die ich ziemlich viel Recherche stecke.  Ich gehe in Museen, lese Ausstellungskataloge, Fundberichte etc. Ohne das alles wäre ich aufgeschmissen.
Nun plant das Land NRW seinen Haushalt u. a. dadurch zu sanieren, dass es die Mittel für Denkmalschutz und Archäologie bis 2015 vollkommen streicht. Das bedeutet u. a. dass viele Bodendenkmäler undokumentiert zerstört werden, weil das Geld für die nötigen Rettungsgrabungen und ihre Dokumentation fehlt. Genauso werden die Mittel fehlen, die Funde fachgerecht zu konservieren und restaurieren. Bestenfalls verschwinden Funde und Grabungsakten im Magazin, schlimmstenfalls zerfallen sie ganz, wie so viele Textilien, von denen nur Beschreibungen aus dem 19. Jahrhundert existieren, oder die in Stralsund entdeckten Einbäume. Auch die historische Bausubstanz zahlreicher Städte wäre in Gefahr; vor allem die vielen privat genutzten Baudenkmäler könnten nicht mehr saniert werden.

Aus diesem Grund und auch, weil ich diese Sparmaßnahmen für einen irrwitzigen Akt kultureller Barbarei halte, bitte ich jeden, der bis hier gelesen hat, den nächsten Link anzuklicken und bei Open Petition dafür zu stimmen, dass Denkmalschutz und Archäologie auch in NRW weiterhin mit Landesmitteln gefördert werden.

Es geht hier um den – im Vergleich zum mehrere Milliarden Euro umfassenden Gesamthaushalt  bescheidenen – Betrag von 12 Millionen. Das sollte einem Land, das sich den Erhalt von Kulturgütern sogar in die Verfassung geschrieben hat, seine Geschichte allemal wert sein!

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Ein beliebter Mythos, der es bis sogar in die Schulbücher geschafft hat, besagt, dass die Menschen im Mittelalter geglaubt hätten, die Erde sei eine Scheibe. Erst Galilei/Kopernikus/Keppler hätte das Gegenteil bewiesen und sei dadurch promt mit der Kirche in Konflikt gekommen. Meist wird die Behauptung mit diesem hübschen Bildchen illustriert.

Das ist Blödsinn, um es ganz deutlich zu sagen.

Das Bildchen ist zwar im Stil des 15. Jahrhunderts gehalten (und fällt damit nicht mehr ins Mittelalter, sondern in die Renaissance), entstand aber erst im 19. Jahrhundert als Illustration eines populärwissenschaftlichen Buchs von Camille Flammarion. Aber die Kugelform der Erde war seit der Antike bekannt und auch im Mittelalter keinesfalls vergessen, wie z. B. dieses Bild von zwei Menschen zeigt, die auf der einen Erdhälfte in entgegengesetzte Richtung loslaufen und sich auf der anderen wieder begegnen. Umstritten war nur, wie groß die Erde ist und ob man „auf der anderen Seite“ bzw. „da unten“ leben kann.  Anders als heute verstand man unter „da unten“ allerdings nicht den Süden, sondern den Westen, denn die Weltsicht des Mittelalters war nicht auf den Nordpol, sondern auf den Sonnenaufgang ausgerichtet. Dementsprechend ist auf mittelalterlichen Karten der Osten oben, wie auf dieser Weltkarte aus dem 12. Jahrhundert.

Ein Nachtrag:
Galilei, Keppler und Kopernikus haben sich nie mit der Kugelgestalt der Erde auseinander gesetzt. Ihre Leistungen liegen auf dem Gebiet der Planetenbewegungen und das war es auch, was sie mit der Kirche in Konflikt brachte, nach deren Lehre die Erde im Zentrum des Weltalls steht. Diesem geozentrischen Modell setzten sie eines entgegen, bei dem die Sonne im Zentrum steht und durch das die Erde nur zu einem Planeten unter vielen wird. Inzwischen hat sich die Bedeutung der Erde noch weiter relativiert, weil man davon aus geht, dass unsere Sonne nur ein unbedeutender Stern am Rande einer Galaxie irgendwo im Weltall ist und dass „da draußen“ x-tausend Planeten existieren, auf denen sich Leben entwickelt haben könnte. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Und noch ein Nachsatz:
Für uns Menschen bleibt die Erde vermutlich trotzdem der wichtigste Planet – schon weil sie der einzige ist, den wir haben.

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Redet man über Mittelalter, dann meist im Zusammenhang mit Adjektiven wie „dunkel“ oder „finster“. Das Mittelalter wird dargestellt, als  eine dumpfe, rückständige Übergangszeit, in der die Errungenschaften der Antike vergessen waren, bis sie durch die Renaissance wieder entdeckt und neu belebt wurden.

Auf den ersten Blick scheint da viel Wahres dran zu sein. Schließlich hatten die Römer Millionenstädte, Wasserleitungen und gepflasterte Straßen. Man ging zur Zerstreuung ins Bad oder Theater und viele Menschen konnten lesen (und taten es).
Im Mittelalter dagegen galt Waschen als ungesund; es gab es nichts als Schmutz, Krankheit und Elend und nur Hexenverbrennungen als Unterhaltung. Die Leute wurden nicht älter als dreißig und die Kirche verhinderte jede Art von Bildung.

Aber wenn es so wäre, bräuchte es diesen Artikel nicht. In Wahrheit ist die Beschreibung oben ist Konstrukt der frühen Neuzeit, genauer gesagt der Aufklärung, das im 19. Jahrhundert nochmal aufgegriffen und in romantischer Übertreibung teils verklärt, teils übertrieben düster geschildert wurde.
Genauso könnte man nämlich das römische Reich als einen imperialistischen Schurkenstaat beschreiben, dessen Reichtum auf Sklavenhaltung und militärischen Eroberung und Ausbeutung anderer Völker beruhte (was für neue Sklaven sorgte), wo man in den Städten nachts nur mit einer bewaffneten Leibgarde auf die Straße gehen konnte und in dem das Abschlachten von Tieren der Belustigung der Massen diente.

Nun lassen sich Thermen, Aquädukte und römische Straßen nicht einfach wegdiskutieren. Aber auch das Mittelalter ist zu komplex, als dass es sich mit dem Begriff „dunkel“ umschreiben ließe.

Das beginnt schon damit, dass der Zeitraum, den wir als „Mittelalter“ bezeichnen, etwa 1.000 Jahre umfasst. Schon das sollte deutlich machen, dass nicht die ganze Zeit die gleichen Zustände geherrscht haben können.
Ein paar Dinge lassen sich aber doch festhalten:

  • Das römische Straßensystem diente dem schnellen Vorankommen von Militäreinheiten. Die Straßen waren in der Regel so bemessen, dass zwei Legionäre nebeneinander marschieren konnten – aber für den Warentransport zu schmal. Der wurde weitgehend über die Flüsse abgewickelt. Daher brauchte nach dem Abzug der römischen Legionen niemand mehr Straßen und sie verfielen.
  • Die Behauptung, dass Baden ungesund sei, kam erst mit den Pestepedemien am Ende des Mittelalters auf. Vorher gab es sogar eine ausgeprägte Badekultur, von der nicht nur die Bademägde in der Wenzelsbibel Zeugnis ablegen.
  • Man kann die Entwicklung gut verfolgen, wenn man sich Bilder der Bibelgeschichte von Susanna im Bade ansieht: Auf mittelalterlichen Illustrationen badet Susanna in gr0ßen, tiefen Zubern oder Wannen. Am Ausgang des Mittelalters werden diese Wannen kleiner, bis sie nur noch in einer Art großer Schale steht. Aber diese Abbildungen datieren ins Barock, also in die frühe Neuzeit.
  • Die Hexenverbrennungen setzten ebenfalls erst ganz am Ende des Mittelalters ein und erreichten ihren Höhepunkt ausgerechnet in der Aufklärung.
  • Dafür wurden die Leute oft weit älter, als 30. Lediglich die durchschnittliche Lebenserwartung lag nur knapp über 30 Jahren. Das vermeindlich kurze Leben im Mittelalter beruht auf einer falschen Interpretation dieser Statistik.  Tatsächlich gab es im Mittelalter eine immens hohe Kindersterblichkeit, die die durchschnittliche Lebenserwartung drückt. Überstand ein Kind die ersten drei Jahre, hatte es gute Chancen, sechzig und älter zu werden.
  • Auch war die Kirche bei weitem nicht so wissenschaftsfeindlich, wie oft angenommen. Ganz im Gegenteil: Es waren die Skriptorien der Klöster, in denen das Wissen der Antike bewahrt wurde und es war die Kirche, die die ersten Universitäten einrichtete.
  • Auch sonst ist das Mittelalter keine Zeit des Verfalls oder Stillstands – im Gegenteil! Während des Mittelalters wurden z. B. der Tiefenpflug, die Drei-Felder-Wirtschaft, die doppelte Buchführung und der bargeldlose Zahlungsverkehr erfunden. Aus dem Orient kamen die arabischen Ziffern und die Zahl Null. Außerdem bildeten sich die ersten europäischen Staaten.

Um es ganz klar zu sagen: Ich möchte damals nicht gelebt haben. Schon deshalb nicht, weil die Medizin noch in den Kinderschuhen steckte und schon eine einfache Wundinfektion tödlich enden konnte (Kein Wunder;  die Tatsache, dass viele Krankheiten durch Bakterien hervorgerufen wurden, wurde erst am Ende des 19. Jahrhundert akzeptiert und Penicillin erst zu Beginn des 20. erfunden). Aber die Ärzte der Antike waren keinesfalls besser, als die im Mittelalter und die Heilmethoden hielten sich noch bis weit in die Neuzeit.
Noch weniger gerne hätte ich allerdings in der frühen Neuzeit gelebt, da sich mit Einsetzen der kleinen Eiszeit die Lebensumstände erheblich verschlechterten. Von den Hexenverbrennungen gar nicht zu reden. Dann doch lieber Mittelalter.

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… wir ha’m uns alle lieb.
So ungefähr lautet der ungeschriebene Code of Conduct der meisten Mittelalterforen. Love, Peace and Respect. Nur, dass „Respekt“ oft bedeutet, gefälligst zu respektieren, dass andere „nur ihren Spaß haben“ wollen und dass man sich auch als Kelte, Kriegerprinzessin oder Captn. Jack Sparrow total mittelalterlich fühlen kann. Ganz logisch, dass sich der geforderte Respekt auch auf die Ausrüstung zu erstrecken hat.
In einigen geht das so weit, dass man keinesfalls, auch nicht auf Nachfrage etwa äußern darf, dass ein Schaller nicht zum Normannenschwert passt und Baumwollsamt überhaupt nicht ins Mittelalter.
Wer gegen diese eiserne Regel des Liebhabens verstößt, ist bestenfalls ein Spaßverderber, schlimmstenfalls ein böser A-Papst, den man in diesen säkulären Zeiten natürlich keinesfalls lieb hat.

Mal ganz ehrlich Leute: Bei euch piepts!

Schon die Idee, es gäbe eine homogene Mittelalterszene, ist absurd. Es gibt in dieser Szene Leute, die dafür leben, Repliken herzustellen, die selbst Archäologen kaum von den Vorlagen unterscheiden können. Die laufen aber nicht unbedingt verkleidet rum. Andere versuchen, ihre Kleidung und Ausrüstung so gut wie möglich an historische Vorlagen anzunähern, was aber nicht heißen muss, dass sie sich mit dem geschichtlichen Hintergrund oder der Geisteshaltung beschäftigen. Genauso ist es aber möglich, dass sie über bestimmte Aspekte extrem gut informiert sind.
Es gibt solche, die „ihre Zeit“ leben wollen und solche, die sich ausdrücklich nur als Darsteller vor Publikum verstehen. Im anderen Extrem gibt es auch die, denen nur vage bewusst ist, dass das Mittelalter irgendwann zwischen Steinzeit und französischer Revolution war und denen eine genauere Datierung auch völlig wurst ist, weil es ihnen nur darum geht, sich wild und ursprünglich zu fühlen und so viel wie möglich zu saufen.
Und natürlich gibt es dazwischen alle möglichen Mischformen.

Das es unter diesen Umständen bestenfalls schwierig ist, einen gemeinsamen Nenner zu finden, ist eigentlich logisch. Dass befohlenes Liebhaben nicht funktioniert aber auch.

Und allen denjenigen, die mich jetzt in die Schublade mit den bösen  A-Päpstin einsortieren möchten:
Ich bin ein sehr säkulärer Mensch. Von mir aus soll jeder nach seiner Facon selig werden.  Ich verkünde keine Dogmen und bin weit davon entfernt, mich für unfehlbar zu halten. Ich bin sehr für einen fairen Umgang, aber auch für den offenen Austausch von Meinungen und Argumenten. Wer mich fragt, bekommt eine Antwort. Ich kann nur nicht dafür garantieren, dass sie ihm auch passt. Ganz sicher sehe ich es nämlich nicht als meine Aufgabe, jedem, der darum bittet, meinen Segen oder gar Absolution für irgendetwas zu erteilen.

So, das musste gerade mal raus.

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Ein sehr beliebter Mittelaltermythos ist der, dass ein Ritter, wenn er vom Pferd fällt, hilflos strampelnd liegen bleibt, weil er aus eigener Kraft nicht aufstehen kann. Offenbar geht dieser Mythos auf einen Versuch aus den 30ern zurück. Das erzählt jedenfalls Prof. Jenks im 5. Teil seiner Vorlesung Einführung in das Mittelalter:

„Und da gab es ein Problem: Die Ritterrüstung ist mittlerweile so schwer, dass man sich nicht erheben kann, wenn man runterfällt. An meiner alten Universität hat man – Sie wissen, was amerikanische Footballspieler sind, na? Sind große Schränke; 250 – 300 Pfund sind keine Seltenheit. Muskelbepackt und so weiter. Zum Spaß hat man diese Herrschaften in nachgemachte Ritterkleidung eingekleidet, also Panzer, Helm und so weiter, und dann auf die Straße geschickt, zum Spazierengehen.
Kein Mensch hat’s bis zur nächsten Ecke geschafft. Sie sind alle vor Erschöpfung zusammengebrochen, nach zwanzig, dreißig, vierzig Schritten.
Das heißt, wenn ein Ritter fällt, in dieser Zeit, kommt er nicht mehr auf die Beine. Wenn die Leute in den Fluss fallen, ersaufen sie.“

So sehr ich die Vorlesungen von Prof. Jenks schätze – hier erzählt er meines Erachtens Unsinn.
Das Phänomen, das er beschreibt, mag für einen gotischen Plattenharnisch angehen – wobei ich bei Rekonstruktionen aus den 30ern selbst in dieser Hinsicht skeptisch bin, weil die experimentelle Archäologie zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen steckte und gerade die Geschichtswissenschaft oft ideologisch geprägt war.
Aber das Zitat fiel im Zusammenhang mit der Schlacht von Val-ès-Dunes, im Jahre 1047. Zu diesem Zeitpunkt war der Plattenharnisch noch Science Fiction. Ein gut! gerüsteter Kämpfer trug Helm, Kettenhaube, Gambeson (oder Aketon) und Kettenhemd. Außerdem einen Schild und vielleicht auch schon Kettenhandschuhe – wobei ich meine, dass sogar die erst später aufkamen. Aber das war es auch. Wie auf dem Teppich von Bayeux gut zu sehen ist, waren die wenigsten Ritter so gut gerüstet.
Aber selbst in der vollständigen Ausrüstung kann man sich weiter als vierzig Schritte bewegen und auch aus eigener Kraft aufstehen, wenn man hinfällt. Wie gut, das zeigen diese Aufnahmen des Franco-Flämischen-Contingents, einer deutschen Gruppe von Reenactors.

Worin ich Prof. Jenks allerdings zustimme ist, dass man in dieser Ausrüstung nicht schwimmen gehen sollte. Das Hauptproblem dabei ist der Gambeson, der sich voll Wasser saugt und einen unter Wasser zieht.

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