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Posts Tagged ‘Bruche’

Wie versprochen, hier Bilder der fertigen Brouch:

Kinderbrouch aus Leinen

So sieht sie ausgebreitet aus

Kinderbrouch aus Leinen

… aber erst über eine Stuhllehne gehängt, ahnt man die Weite

Wie zu erkennen, habe ich mich für einen Tunnelzug entschieden, bei dem der Gurt aber immer mal wieder nach oben tritt. Solche Konstruktionen habe ich schon an romanischen Statuen gesehen. Ich gehe daher davon aus, dass es auch diese Variante gab.

Die Brouch selbst wirkt gemessen an heutigen Hosen zwar ziemlich weit, aber enger dürfte sie gar nicht sein. Der Schritt könnte m. E. sogar noch gut 5 cm tiefer sitzen, bzw. der Bund 5 cm höher. Aber mein Sohn ist zufrieden und behauptet, sich gut darin bewegen zu können. Und das ist ja nun die Hauptsache.

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Das Band für die Kinderbrouch ist fertig:

brettchengewebter Gürtel

Als Accessoire zum modernen T-Shirt getragen

Trotz der Kürzungen ist der fertige Gurt immerhin 106 cm lang.

Für die Technikfreaks: Das Band ist mit 6 Brettchen aus Leinengarn (ich meine, Bockens 16/2) gewebt. Die Brettchen wurden abwechselnd S und Z geschärt.

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Wie ich gestern schon geschrieben hatte, habe ich mir beim Nähen eine Blase am Daumen zugezogen. Nichts dramatisches, aber doch so lästig, dass ich die nächsten Tage keine Nadel mehr benutzen möchte. Irgendwie muss ich meine Hände aber beschäftigt halten und zum Spinnen hatte ich keine Lust. Daher hielt ich es für einen guten Einfall, statt dessen zu weben. Das habe ich zwar noch nie getan, aber in der Theorie ist es ziemlich einleuchtend und einfach und ich bin mit so ziemlich allem ausgestattet, was man dafür braucht.
Schon vor Jahren habe ich mir über ein Internetauktionshaus (den Namen kennt jeder, aber ich möchte hier keine Werbung machen) einen Webrahmen aus DDR Produktion gekauft. Die waren da sehr verbreitet, weil der Handarbeitsunterricht in den Schulen zum Pflichtprogramm gehörte und weben dabei obligatorisch war. Das erste, was ich damals beim Auspacken feststellte war, dass die Teile nicht so ganz zusammenpassen: Es gab keine Halterung für den Kamm. Allerdings kam es mir zu dem Zeitpunkt auch hauptsächlich auf den Kamm an, weil ich keine breiten Stoffe, sondern lediglich Bänder weben wollte.  Daraus wurde dann aber aus dem einen oder anderen Grund erstmal nichts.

Gestern habe ich den ganzen Kram also wieder vorgeholt. Und als erstes beschlossen, dass es viel zu kompliziert ist, den Rahmen zu beziehen.

Bänder kann man schließlich auch am Gürtel weben. Das Prinzip ist supereinfach: Man knotet das eine Ende der Kette am Gürtel und das andere Ende irgendwo im Raum fest und dazwischen hängt der Kamm.
Die Sache hat nur eine Krux: In unserem Wohnzimmer gibt es nichts, wo man eine Kette festknoten könnte. Der Couchtisch ist zu leicht (vom Sessel ganz zu schweigen) und die Türklinke zu weit entfernt. Bliebe die Heizung. Aber das hieße, sich mit dem Rücken zum Raum und Blick auf geschlossene Gardinen hinzusetzen. Nö!

Besser, ein Webbrett zu benutzen. Das ist ein Brett mit einem senkrechten Stab an einem Ende, an dem man die Kette festknotet. Statt des Stabs geht auch eine Schraubzwinge. Das Prinzip kannte ich zwar nur vom Brettchenweben, aber hej: Warum sollte es mit dem Kamm nicht auch gehen?
Brett hatte ich, Schraubzwinge hatte ich, Kettfäden waren (einigermaßen) schnell abgelängt und genauso schnell aufgezogen und das Ergebnis sah auch wirklich gut aus:

Webkamm und -brett

Sieht gut aus, versagte aber im Praxistest

Wenige Minuten später wusste ich, weshalb sich Webbretter nur bedingt zum Kammweben eignen. Es ergibt sich zwar ein Fach, wenn man den Kamm nach oben zieht, aber nach unten – nada. Da liegen alle Fäden gleichauf. Und weiter runter geht nicht, weil das Brett im Weg ist, oder die Schraubzwinge mindestens zehn Zentimeter zu kurz. Dumm gelaufen.

Also habe ich die Kette zähneknirschend abgeschnitten und mich daran gemacht, sie auf den Webrahmen zu spannen. Dabei ist mir auch klar geworden, weshalb die DDR-Rahmen nur einen Bruchteil dessen kosten, was man für ein westliches Markenprodukt hinblättern muss. Die Dinger sind nur gesteckt und haben die Neigung bei Benutzung auseinander zu fallen. Aber mit viel Geduld und Geknurre habe ich die Kette drauf bekommen. Mit Kamm und ohne dass sich irgendetwas verzottelt hätte. Ich war stolz auf mich. Weben ging auch. So einigermaßen. Allerdings wurde das Band ungefähr dreimal so breit, wie vorgesehen und das Gewebe insgesamt viel lockerer, weil die in die Kanten eingeschnittenen Rillen einen sehr großen Abstand vorgeben. Es half auch nichts, dass je zwei der Kettfäden durch einen Schlitz liefen.. Den Schuss fester anzuziehen machte das Ganze zwar etwas schmaler, führte aber im Wesentlichen dazu, dass sich alles wellte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Aber einen Versuch hatte ich noch. Webbrettchen. Meine Trumpfkarten sozusagen.

Die habe ich vor gut und gerne sechs Jahren geschenkt bekommen, weil ich die Technik unbedingt lernen wollte. Theoretisch habe ich sie inzwischen auch ganz gut verstanden, aber in der praktischen Umsetzung bin ich über ein paar Fetzen bisher nicht hinausgekommen. Entweder hatte ich sie von Anfang an falsch aufgezogen oder die Fadenspannung stimmte nicht oder ein Kind brauchte Hilfe, Zuspruch, Nahrung – irgendetwas kam immer dazwischen.

Aber ich hatte sie nun mal und es war klar, dass ich sie einsetzen würde.
Auch wenn man mit ihnen klassischerweise am Gürtel, auf dem Webbrett oder auf einem der in neuerer Zeit aufkommenden Brettchenwebrahmen webt und nicht auf einem normalen. Aber Kette hing, die Fadenzahl passte … Und Versuch macht bekanntlich kluch.
Also habe ich direkt hinter dem angefangenen Gewebe je vier Fäden abgeschnitten, durch ein Brettchen gefädelt, verknotet und am „Warenbaum“ festgebunden. Alle Kettfäden eines Brettchens bekamen den gleichen Schlitz. Wundersamer Weise stimmte die Spannung am Ende immer noch.

Auf einen Schulwebrahmen aufgezogene Webbrettchen

Webrahmen mit Brettchen. Darunter der eigentlich zum Rahmen gehörende Webkamm.

Am Anfang war das Band noch sehr breit. Außerdem wies es in der Mitte einen interessanten Lochstreifen auf. Aber nach ein paar Zentimetern gab sich das und das Ergebnis ist ein ziemlich gleichmäßiges, festes Band. Es ist mit nur knapp einem Zentimeter Breite zwar schmaler als gewünscht , aber was solls? Es wird ein Band! Mein erstes.

Mit 6 Brettchen gewebter Gurt

Es klappt

 

Als Borte taugt es zwar gar nichts, aber als Gurt für eine Brouch lässt es sich allemal verwenden, wenn es fertig ist.

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit

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Die Bruoch für meinen Großen ist fast fertig. Nur den Bund muss noch einmal abgesteppt werden, damit er die Form behält und dann müssen die Schlitze für den Bruchengurt geschnitten und versäubert werden. Aber jetzt habe ich vom Nähen eine Blase am Daumen.

Vielleicht sollte ich mich erstmal um einen Bruchengurt kümmern.

Bild gibt es, wenn alles fertig ist.

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Mein Großer braucht eine neue Brouch, weil die Nähte der alten immer wieder ausreißen. Offensichtlich ist sie also zu eng (auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht). Also gut, Brouchen sind zum Glück nicht so schrecklich komplex. Für das 12. Jahrhundert kursieren im wesentlichen zwei Modelle: Der hauptsächlich aus einer Stoffbahn bestehende Thursfieldschnitt und die aus drei Teilen bestehende Rekonstruktion nach Purrucker (hier die Version bei Flinkhand). Darüber hinaus kann man noch prima darüber disputieren, ob nun mit Tunnelzug oder nur gekrempelt …

Als Beleg werden meist die immergleichen Bilder aus der Kreuzfahrerbibel (Maciejowski-Bibel) herangezogen. Aber die ist für meine Darstellungszeit schon zu spät und außerdem habe ich inzwischen so viele Abbildungen von Brouchen gesehen, dass ich nicht mehr daran glaube, dass es den einen richtigen Schnitt gibt.
Gemeinsam ist diesen Abbildungen lediglich der weite Sitz, aber längst nicht alle haben den dicken Taillenwulst, der die Brouchen der Kreuzfahrerbibel auszeichnet. Daher habe ich mich für eine Interpretation entschieden, die sich an der Hose eines nubischen Bischhofs  orientiert. Gefunden habe ich die Abbildung auf der Seite von Marc Carlson, den ich, wie regelmäßige Leser dieses Blogs wissen, öfter zitiere. Die Hose selbst ist zwar aus dem 14. Jahrhundert und aus Baumwolle, entspricht von der Form her aber durchaus denen des 12. Jahrhunderts. Außerdem ist sie einfacher zu nähen, als der Thursfieldschnitt, der den Einsatz von Dreiecken und einen separaten Bund verlangt und stoffsparender, als die Rekonstruktion von Purrucker.

Die nötigen Maße sind:

  • Bauchumfang: 65 cm
  • Beinlänge ab letzten Rippenbogen: 60 cm
  • Beinumfang: 45 cm
  • Schritthöhe: 20 cm

Alles ist ist locker gemessen, aber noch ohne Berechnung der Nahtzugaben.

Anders, als bei früher genähten Kleidungsstücken, bei denen ich fast ausschließlich Flügelnähte verwendet habe, sollen bei dieser Brouch vorwiegend Kappnähte zum Einsatz kommen.

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