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Posts Tagged ‘Beinlinge’

Die Beinlinge sind fertig. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden nur eine Nestelschnur zu verwenden und diese aufzunähen.

blaue Beinlinge mit geradem Rand und Nestelschnüren

Die fertigen Beinlinge

Für die Verwendung nur einer Nestelschnur sprachen die Abbilgungen auf der Decke der Kirche St. Martin in Zillis. Auf einem davon ist ein König abgebildet, der dem Jesusknaben ein Geschenk darbringt. Seltsamerweise ist dieser König zwar mit einem überaus prächtigen Mantel bekleidet, trägt darunter aber eine Tunika, die den Blick auf Brouch und Beinlinge freigibt. Die Beinlinge haben einen glatten Rand und sind offenbar nur mit einer Nestel befestigt, denn sie werden auf dem Oberschenkel leicht nach oben gezogen.  Die genaue Art Befestigung ist aber auch hier nicht auszumachen.  Eindeutig ist nur das Fehlen einer seitlichen Nestel.

Für das Aufnähen der Nestelschnur sprach das Fehlen eindeutiger Löcher in den gefundenen Beinlingen. Nicht nur, dass ich keine ausgewetzten Stellen mittig des Oberschenkels ausmachen konnte, es fehlen auch Spuren einer Versäuberung. Wer ein Loch in einen Wollstoff sticht, muss dieses Loch versäubern, damit es nicht ausfranst und ausreißt. Selbst wenn sich der Faden aufgelöst haben sollte (was bei pflanzlichen Nähmaterialien häufig der Fall ist) müsste die Naht in Form von Löchern sichtbar sein. Davon ist in den Beschreibungen aber nichts vermerkt.

Zur Schnecke gelegte und festgenähte Nestelschnur

Die Nestelschnur wurde vor dem Festnähen an einem Ende zur Schnecke gelegt

Die konkrete Umsetzung, d.h. die Nestelschnur zu einer Schnecke zu rollen und festzunähen ist bei aller Recherche allein meine Idee.  Der Grund dafür war die Überlegung, dass sich dadurch der Zug auf eine größere Fläche verteilt, das Ganze also haltbarer wird. Das es außerdem noch hübsch aussieht, ist ein hübscher Nebeneffekt.

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Die Beinlinge sind fertig und plötzlich stehe ich vor einem neuen Problem: Wie befestige ich die Dinger eigentlich? Bisher habe ich nur welche genäht, die oben spitz zulaufen; da ist es  offensichtlich. Aber die neuen haben eine gerade Oberkante und das bietet ganz andere Möglichkeiten.
Natürlich kann man sie – wie die spitz zulaufenden – mit einer Nestel anbinden. Man kann aber auch – wie bei modernen Straps – zwei Bänder verwenden.
Außerdem stellt sich noch die Frage, wie die Nestelbänder befestigt werden (sollten). Wird einfach ein Loch in den Stoff gemacht, das Band durchgezogen und verknotet oder näht man das Band auf der Oberfläche fest?

Auf der Suche nach Antworten habe ich mich gestern durch Karin Kanias „Kleidung im Mittelalter“, „Des Kaisers letzte Kleider“ und die Seite von Marc Carlson gewühlt. Aber wirklich weitergebracht hat mich das nicht.
„Des Kaisers letzte Kleider“ geht auf die Befestigung nicht näher ein.
„Kleidung im Mittelalter“ verzeichnet zwar einen Beinling aus dem Hafenbecken von Haitabu, durch dessen Kante ein Lederbändsel gezogen wurde, aber ob der zur Befestigung des Beinlings am Bruchengurt oder zu anderen Zwecken gedient hat, ist fraglich, weil das Loch keine Spur von Zugbelastung zeigt, obwohl der Beinling am Knie stark abgewetzt ist.
Also habe ich versucht, an den Fotos und Umzeichnungen der Stücke Spuren einer stärkeren Belastung (Löcher) auszumachen. Aber auch da: nada. Die meisten Teile sind derart fragmentiert, dass ich aus den Löchern nichts ableiten kann.

Tja …
Ich fürchte, das ist ein Fall von „gut, dass die Tunika drüber geht“.

————

Literatur:
Hist. Museum der Pfalz Speyer (Hrsg.), Des Kaisers letzte Kleider – Begleitband zur Ausstellung, Edition Minerva, München 2011
Karin Kania, Kleidung im Mittelalter, Böhlau Verlag, Köln 2010

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In zwei Wochen ist Fotoshooting des Vereins und mein jüngerer Sohn besitzt nur Beinlinge aus Leinen. Die sind zwar sehr praktisch, weil waschbar, aber vollkommen ungeeignet für diese Temperaturen. Also muss auf die Schnelle noch ein Paar aus Wollstoff her. Zum Glück habe ich genug Reserve.

Der Grundschnitt ist denkbar einfach: Ein Trapez dessen Länge der Beinlänge vom Knöchel bis knapp unterhalb des Schritts entspricht. Die Schmalseiten entsprechen dem Umfang des Oberschenkels bzw. dem Kreisradius, durch den der spätere Träger gerade noch mit dem Fuß schlüpfen kann.

Schnittmuster für einen Beinling

Der fertig zugeschnittene Stoff. Der Faden markiert den Verlauf des eigentlichen Schnitts.

Natürlich geht das alles noch viel komplexer. Man kann unten einen Steg oder ein Fußteil anbringen und oben ein Dreieck für den besseren Sitz. Natürlich kann man sie auch modisch  enger schneidern. Man kann es aber auch lassen. Gerade bei Kindersachen.

Wichtig ist vor allem, dass der Zuschnitt quer zum Fadenlauf erfolgt. Dadurch bekommt der fertige Beinling etwas Elastizität, was den Tragekomfort deutlich erhöht.

Ich nähe die Kanten mit Elisabethnähten zusammen. Die horizontalen Nähte klappe ich einmal um und nähe sie überwendlich fest. Lediglich die Naht auf dem Oberschenkel wird zusätzlich mit kleinen Vorstichen festgesteppt. Das reicht hier vollkommen, weil kaum Zug auf den Nähten liegt. Außerdem werden sie auf diese Weise schön flach und tragen kaum auf.

Versäuberung der Kante mit Überwendlingsstichen

Die umgeschlagene Kante wird mit Überwendlingsstichen festgesteckt und gleichzeitig versäubert

 

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