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Archive for Juni 2013

Auch wenn ich lange nichts mehr geschrieben habe, war ich nicht ganz untätig, sondern habe meinem Jüngsten eine neue Brouch genäht. Als Vorlage für den Schnitt musste mal wieder die des afrikanischen Bischofs herhalten – wobei ich inzwischen gelernt habe, dass im Kaukasus, genau gesagt: in Moscevaja Balka, eine ganz ähnliche Hose ausgegraben wurde, die ins Frühmittelalter datiert wird. Ich will daraus jetzt keine Kontinuität herleiten, aber offensichtlich ist man zu verschiedenen Zeiten und an sehr verschiedenen Orten ungefähr auf die gleiche Lösung gekommen. Damit hat dieser Schnitt in meinen Augen aber mindestens die gleiche Berechtigung, wie die Rekonstruktionsvorschläge von Thursfield und Purrucker.

Für Kinder muss der Schnitt allerdings angepasst werden, weil sonst aufgrund der unterschiedlichen Proportionen eine Hüfthose herauskommt, die keiner Bildvorlage entspricht. Deshalb wird oberhalb der Beine nochmal ein Stoffstreifen angenäht.

Kinderbrouch aus Leinen

Kinderbrouch aus Leinen

Jetzt brauche ich (bzw. braucht die Brouch) noch einen Gürtel. Also eine neue Gelegenheit, brettchenweben zu üben. Da ich keinen passenden Webstuhl habe und nirgends etwas, um die Kette festzubinden, habe ich kurzerhand ein Webbrett aus einem übrig gebliebenen Regalboden improvisiert. Weitere Materialien: eine Klemme, ein Duschvorhang-Ring, ein Gummiband, etwas Paket-Klebeband und etwas Paketschnur.

Webbrett_

Das entbehrt zwar jeder historischen Vorlage, weshalb ich es auch nur zuhause verwenden kann. Aber es ging schnell. Die Kette aufzuziehen hat länger gedauert.

 

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Ein Freund wies mich auf einen schönen Beitrag der Universität Prag zum Thema „dunkles Mittelalter“ hin. Zu sehen auf youtube:

Der einzige Haken: Der Film ist englisch. Was die Frage aufwirft, warum deutsche Historiker sowas nicht können? Oder deutsche Fernsehanstalten?

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Da ich gerade mal wieder in einer Diskussionsrunde das Thema hatte: Mittelalterliche Kleidung für Kinder herzustellen ist nicht aufwändiger, als modernen Kram zu nähen. Die Sachen sind auch nicht weniger haltbar und schon gar nicht unbequemer. Meine beiden wollen nach einer Veranstaltung oft gar nicht aus den Mittelaltersachen raus. Selbst in puncto Wetterfestigkeit sind die Mittelalterklamotten den neuzeitlichen oft gleichwertig, wenn nicht sogar überlegen. Ein Wollumhang und eine Wolltunika halten Regen nicht nur länger ab, sie wärmen im nassen Zustand auch besser, als moderne Sachen aus Baumwolle. Der einzige Grund, sie nicht dauernd zu tragen besteht wirklich darin, dass sie heutzutage vollkommen out of fashion sind. Ein Junge im „Kleid“ und mit „angestrapsten Strümpfen“ wirkt heute nun mal ziemlich strange.

Auch die Kosten sind kein Argument gegen eine historische Klamotte. Zwar brauchen Kinder regelmäßig neue Kleidung – egal, ob historisch oder modern – aber gerade hochmittelalterliche Kleidung bleibt problemlos mehrere Jahre tragbar. Meinem Älteren habe ich 2010 zur Hochzeit einer Freundin ein neues Outfit genäht, das er auch heute noch tragen kann. Lediglich die Ärmel sind ein bisschen zu eng geworden und müssten durch einen Einsatz erweitert werden und wenn er noch ein Stück wächst, wird auch die Länge langsam peinlich. Aber ich habe ja noch einen, der es auftragen kann. Dem passt seine Klamotte (für die gleiche Hochzeit angefertigt) übrigens auch noch. Da ich für den Großen inzwischen was Neues genäht habe, ist jetzt eine Garnitur in Reserve, die beiden passt. Bei moderner Kleidung ist sowas ausgeschlossen. Da sind die beiden außerdem inzwischen mindestens zwei Kleidergrößen gewachsen …
Dazu kommt noch, dass sich Kindersachen meist problemlos aus irgendwelchen Resten zusammenstückeln lassen. Die Brouch, an der ich im Moment nähe, war in einem anderen Leben mal ein Leinenlaken. Ich habe aber auch schon Wolltuniken aufgetrennt und mit anderen Wollresten zu neuen Kleidungsstücken zusammengesetzt. Das das früher durchaus gängige Praxis war, wird durch zahlreiche Textilienreste belegt.

Eine Aufnahme von 2010. Auch diese Tunika wird heute noch getragen.

Eine Aufnahme von 2010. Auch diese Tunika wird heute noch getragen.

Daher spricht wirklich überhaupt nichts dagegen, Kinder historisch einzukleiden. Zumal sie in historischer Kleidung absolut schnuffig aussehen!

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