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Archive for Dezember 2012

Nachdem ich die Kasel gestern in der Ausstellung „Benedikt und die Welt der frühen Klöster“ in echt gesehen habe, muss ich einige der Behauptungen in diesem Artikel revidieren.
Zum einen ist der auf den Fotos ocker erscheinende Farbton in der Realität ein blasses Gelbgold. Auch die These, viele heute einfarbig erscheinenden Muster seien früher zweifarbig gewesen, kann ich nicht aufrecht erhalten. Anders, als auf den Fotos erscheinen diese nämlich in der Realität vollkommen einfarbig, d. h. die Musterung wird tatsächlich nur durch die Stickrichtung und die daraus resultierende unterschiedliche Lichtbrechung erzeugt.
Auch die Technik bot Überraschungen. Die Stickereien sind nämlich nicht mit geraden Stichen, sondern in einer Art verschränktem Kreuzstich gearbeitet. An den „kahlen Stellen“ an denen das Garn ausgefallen ist, wird zudem deutlich, dass die figürlichen Motive zuerst mit bräunlicher Tinte vorgemalt, anschließend mit sehr feinen Kettstichen nachgestickt und dann mit diesem Kreuzstich ausgefüllt wurden.

nadelkram

Jetzt weiß ich wieder, wo ich schon mal ein Bild der im Stixperiment erwähnten Kasel gefunden habe: Im 5. Band des Propyläen Kunstgeschichte (H. Fillitz, Das Mittelalter I, Propyläen Verlag, Berlin 1985, Abb. XLV). Dabei handelt es sich erfreulicherweise um eine Ausschnittvergrößerung, so dass die Technik viel besser erkennbar ist, als bei dem Bild bei imareal. Außerdem ist das Bild im Propyläen farbig und lässt bei näherem Hinsehen erkennen, dass auch die heute einfarbig in rötlichem Ockerton erscheinenden Stickereien in den Bändern früher wohl zweifarbig gewesen sind. Ich tippe stark auf (krapp)rot und gelb. Ein ähnliches Ausbleichen habe ich jedenfalls auf einer krappgefärbten Tunika beobachtet.

Andere Farben bzw. Kontraste haben sich besser erhalten. Gut erkennbar sind die Muster vor allem dort, wo mit einem (heute) dunkelbraunen Faden gearbeitet wurde. Die Fäden sind zwar stärker in Mitleidenschaft gezogen, als die der hellen Bereiche und teilweise ausgefallen. Aber wo die dunklen Fäden…

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Gestern habe ich mir mit einigen Freunden die Ausstellung „Benedikt und die Welt der frühen Klöster“ in Mannheim angesehen. Um es kurz zu sagen: Die Exponate waren z. T. sehr schön, aber leider ist der Titel irreführend. Die Ausstellung vermittelt wenig über Benedikt von Nursia und fast nichts über das Leben im Kloster. Lediglich zu Skriptorien gibt es einen didaktisch sehr schön gemachten Extraraum, außerdem kann man aus den ausgestellten Büchern erschließen, dass sich die Mönche wohl irgendwie auch mit anderen Dingen, als Glaubensfragen, z. B. Heilkunde und Mathematik beschäftigt haben. Aber man erfährt über den Grundsatz ora et labora hinaus nichts über den Inhalt der Benediktsregel. Es fehlen Informationen zu so wichtigen Stichworten wie Simonie und Eigenkirchen. Die Klosterreformen von Gorze, Cluny und Hirsau werden nicht angesprochen, obwohl ein Modell des Klosters von Cluny ausgestellt ist.
Nun könnte man natürlich einwenden, dass diese Themen schon ein wenig speziell seien und in einer Ausstellung schwer umsetzbar sei. Aber man hätte sie wenigstens anhand einer Wandtafel anreißen können. Und dafür, dass Nonnen überhaupt nicht vorkommen, gibt es keine Entschuldigung.

Der zweite Kritikpunkt betrifft die miserable Gestaltung der Ausstellung. Die Beschreibungen der Exponate sind in Täfelchen aus gebürstetem Messing graviert und die Schrift je nach Sprache schwarz (deutsch) und rot (englisch) hinterlegt. Aufgrund der Lichtverhältnisse und des schwachen Kontrasts sind die deutschen Texte schon bei „günstigen“ Bedingungen schlecht und die englischen kaum lesbar. So bald ein Schatten darauf fällt, kann man gar nichts mehr erkennen.
Allerdings sind die Texte auch wenig aussagekräftig. „Kelch 15. Jahrhundert“ wirft im Kontext „Liturgie im Mittelalter“ nicht nur für Besucher ohne entsprechende Vorbildung  nur Fragen auf, statt sie zu beantworten. Jemand, der die katholische Messe wenigstens in Grundzügen kennt, stellt sich unwillkürlich die Frage, inwieweit diese sich von der heutigen unterscheidet. Aber eine Antwort darauf gibt es genauso wenig, wie auf die Frage, was das z. B. Mainzer Geiselverzeichnis (nach der Unterwerfung der Sachsen zwang Karl der Große die sächsischen Adeligen, Söhne als Geiseln zu stellen) mit Benedikt oder den frühen Klöstern zu tun hat. Auch hier hätte leicht mit Wandtafeln Abhilfe geschaffen werden können.

Dass es auch anders geht, zeigen der bereits angesprochene separate Raum zum Skriptorium und ein sehr schön gemachte Film zur Entstehung des St. Gallener Klosterplans. Bei einem Eintrittspreis von 12,- € hätte man davon durchaus mehr erwarten können.

Dass der Ausstellungsbesuch für uns trotzdem kein Reinfall war, lag an den Exponaten. U. a. wurden dort das Adelheidkreuz und die Glockenkasel aus St. Paul im Lavanttal ausgestellt. Beides für uns natürlich hochinteressant. Zur Glockenkasel und den Stickereien darauf werde ich noch mal separat etwas schreiben, da die Annahmen die ich in einigen früheren Blogeiträgen geäußert habe, falsch sind.

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Eigentlich sollte mein nächstes Kleid ja eines aus pflanzengefärbter Wolle sein. Aber der Weg zur Hölle ist bekanntermaßen mit guten Vorsätzen gepflastert und als es letztes Jahr bei Ikea Seide für 3,- € den Meter gab, die aussieht, als sei sie mit Rotholz (rot mit Blaustich) bzw. Krapp (orange) gefärbt, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen. Damals hatte ich zwar noch kein konkretes Projekt im Kopf, aber frau kann ja nie genug Stoff haben …
Als es jetzt an die Planung für ein Zofenkleid ging, habe ich beschlossen, darauf zurück zu greifen, auch wenn das Kleid dadurch deutlich edler wird, als ursprünglich angedacht.

Meine erste Idee sah so aus:

Die rote Dame 1Die Schraffur um die Taille soll eine Smokarbeit andeuten. Eine gesmokte Taille fände ich superchic und ich meine auch, sowas mal an einer Skulptur gesehen zu haben. Leider konnte ich die Abbildung nicht wieder finden, sondern lediglich gesmokte Ärmel bei Untergewändern.
Überhaupt war mal wieder eins der Probleme, dass eine anständige, gut gekleidete Dame im 12. Jahrhundert offenbar nicht ohne Mantel oder Schleiertuch in die Öffentlichkeit ging und entsprechend auch nicht ohne solchen abgebildet wurde. Außerdem hängt auf den mantellosen Abbildungen oft ein Ärmel. Daher sind die sichtbaren Taillen ziemlich rar. Bei denen, die ich gefunden habe, gab es im wesentlichen drei Variationen: geschnürt, mit sichtbarem Gürtel und mit verdecktem Gürtel. Aber lediglich an einer italienischen Skulptur, ließ sich mit viel gutem Willen eine Smokarbeit herauslesen. Als Beleg für gesmokte Taillen ist mir das ein bisschen zu wenig.

Und wenn ich ehrlich bin, sollte ich bei meiner Figur vermutlich ohnehin darauf verzichten, die Taille zu sehr zu betonen.
Schnüren möchte ich auch nicht. Nicht nur, weil bereits zwei unserer Damen Schnürung tragen, sondern auch, weil ich der Meinung bin, dass geschnürte Kleidung Ende des 12. Jahrhunderts ein Auslaufmodell darstellt.
Also wird es wohl doch wieder was mit einfacher Linienführung. Das Vorderteil will ich unterhalb des Ausschnitts ein bisschen fälteln, um die Weite zu regulieren und einen schöneren Fall zu bekommen.

Auch die Ärmel müssen gegenüber dem ersten Entwurf etwas kürzer werden und sollten ein Stück oberhalb des Handgelenks enden. Auf diese Weise sind sie nicht ganz so sehr im Weg. Aber wie schon im ersten Entwurf angedeutet, will ich sie mit blauer Seide füttern.
Das Ergebnis wird dann hoffentlich ungefähr so aussehen:

Die rote Dame 2

Nachsatz v. 29.12.12:
Leider ist beim Umzug anscheinend der Karton mit den Seiden (10 m rot, ca. 4 m chinesische in rostorange und 3 m weiß) weggekommen. Als ich nämlich gestern mit dem Zuschneiden anfangen wollte, war er nicht da, wo er sein sollte und inzwischen fällt mir auch kein Winkel mehr ein, in dem er sich versteckt haben könnte. Alles, was ich gefunden habe, war ein großes Stück blauviolette Seide, die ich eigentlich als Futterstoff für einen (in ferner Zukunft geplanten) Adelsmantel nehmen wollte, weil blau so gar nicht meine Farbe ist. Aber wie es aussieht werde ich wohl doch blau machen müssen.

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Warum nur kann ich meine Klappe nicht halten? Als es kalt wurde, stellte der Große fest, dass er keine passende Mütze mehr hat. Was ja eigentlich kein Problem ist. Jedenfalls nicht, wenn man in der Großstadt wohnt und alles quasi vor der Tür hat. Wir sind also frohen Muts losgezogen, aber schon beim ersten Geschäft gabs ein langes Gesicht und das wurde zunehmend länger. Die Formen waren durchaus genehm, aber die Farben …

In dem Punkt muss ich ihm allerdings recht geben. Falls man unter all‘ dem grau und schwarz mal irgend eine Farbe findet, hat auch die einen Graustich. Wer glaubt eigentlich, dass so triste Farben cool wären? Meine Jungs finden das jedenfalls nicht und auch auf mich wirken Klamotten für Jungs wirken schon im Regal abgegriffen, schäbig und ein bisschen so, als würden sie aus Altersgründen müffeln.

Vermutlich ist mir deswegen irgendwann ist mir dann der Satz rausgerutscht, da wär’s ja besser, gleich selber zu stricken.
Große Kinderaugen. „Kannst du? Bitte!“
Na gut.

Vorgestern habe ich Sockenwolle besorgt und heute morgen ist er mit der neuen Mütze in die Schule gezogen.

Wollmütze

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Bei der Recherche nach Damenbekleidung des ausgehenden 12. Jahrhunderts bin ich eher zufällig bei Flickr auf eine Diashow der Universität Glasgow über den Hunterian Psalter gestoßen. Für meine Recherche zwar nur bedingt hilfreich, aber wunderschön! So schön, dass ich sie unbedingt verlinken muss!

Hunterian Psalter bei Flickr

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Mal wieder Hosen flicken …

Manchmal denke ich, dass es Blödsinn ist, über solche Themen zu bloggen, weil ich denke, dass das eigentlich jeder kann. Andererseits habe ich gerade vor ein paar Tagen in der Handarbeitsabteilung eines großen Kaufhauses ein Buch zu genau dem Thema gesehen. Offenbar gibt es also nicht nur Leute, die darüber schreiben, sondern auch Menschen, die das interessant genug finden, um Geld dafür auszugeben. Oder zumindest Verlagsmenschen, die glauben, dass sich damit Geld verdienen lässt.
Ganz so blöd kann es wohl doch nicht sein.

Also schreibe ich jetzt über die nächste durchgewetzte Hose, das Loch auf dem Knie und was daraus wurde. Das Loch ist ein ganz normales Loch, nicht gerade klein, aber auch nicht so groß, dass man die Hose deshalb wegschmeißen müsste. Schon gar nicht, weil mein Kind diese Hose liebt.

Außerdem liebt mein Kind Harry Potter. Was liegt da näher, als beides zu verbinden?

schicker Flicken

Reparo!

Reparo1Als Flicken diente dieses Mal ein Stück aus einer alten Schlafanzughose. Darauf wurden mit Gelstift die Umrisse des Schriftzugs und der gezackte Hintergrund gemalt. Auf besondere Schönheit kommt es hier noch nicht an. Der Schriftzug sollte natürlich lesbar sein, aber bei den Zacken im Hintergrund habe ich etwas nachkorrigiert, wie man auch deutlich sieht.

Reparo2Anschließend wird die Schrift mit Stoffmalfarben ausgemalt. Ich habe dafür Stoffmalstifte in grün, blau und orange verwendet. Da ich nicht gewartet habe, bis eine Farbe getrocknet war, bevor ich mit dem nächsten Buchstaben angefangen habe, sind die Farben ein bisschen ineinander gelaufen. Der entstandene Effekt war nicht beabsichtigt, gefällt mir aber gut.

Reparo3Danach kann der Flicken entlang der Zackenlinien ausgeschnitten und auf die Hose geklebt werden. Da der Stoff recht dünn ist, habe ich von der Beininnenseite einen einfachen ovalen Flicken gegengeklebt. Danach heißt es warten, bis der Kleber trocken ist. Jetzt könnte man ihn schon verwenden, aber erstens hält das nicht gut (die Zacken würden innerhalb von Minuten abstehen und binnen Tagen wäre der Flicken abgerissen) und zweitens entsteht die Raffinesse des Flickens erst durch das Festnähen bzw. -sticken. Die Kanten habe ich mit locker gesetzten kurzem Plattstichen in rotem Nähgarn gesichert, so dass Reste der dunklen Vorzeichnung durchschimmern. Der Clou ist aber die Umrandung der Buchstaben mit Stiel- und gelegentlichen Steppstichen. Sie ist im Gegensatz zu der Umrandung des Zackenhintergrunds sehr sorgfältig gearbeitet und lässt die Buchstaben beinahe plastisch wirken. Dafür sorgt auch das Nähgarn in sehr hellem Blau, das nicht nur im maximalen Kontrast zu Hintergrund und Buchstaben bildet, sondern auch einen silbriger Schimmer um den Schriftzug legt.

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Aller guten Dinge sind bekanntlich drei und das Dritte, was mir aus einer der Umzugskisten entgegenlachte, ist tatsächlich ein kleiner Schatz: Eine halbfertige Samtkappe. Gut, das Samtteil kann man nur wegschmeißen, da habe ich mich beim Zuschnitt verrechnet und beim Nähen gemurkst – aber das Band …

Drachenband

Leider ist das Bild etwas unscharf

Ich habe diese Kappe vor ein paar Jahren angefangen, als ich gerade eine „Mützenphase“ hatte. Aus den meisten ist nie etwas geworden und dieses hier habe ich nicht einmal erinnert. Vielleicht weil ich mit dem Deckel nicht zurande gekommen bin. Vielleicht war mir das Band aber auch zu dunkel, zu breit oder zu schmal – ich weiß es nicht. Jedenfalls hatte ich seine Existenz vollkommen vergessen.
Dabei ist die Stickerei wunderschön: halber und ganzer Kreuzstich auf Baumwollnessel; teilweise ist neben dem gelben Faden goldenes Lurexgarn mit verstickt worden. Die Wirkung ist umwerfend.

Hier noch mal ein paar Details:

Drachenband1Drachenband3Drachenband4Der Deckel muss natürlich weg, was aber auch kein Problem ist, weil er nur mit wenigen Stichen in Maschinennaht festgeheftet ist. Der Rest hängt noch an Stecknadeln. Und dann steht einer neuen Kappe nichts im Weg.

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