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Archive for Juli 2012

Vom Spaziergang heute morgen habe ich noch etwas mitgebracht: Äste. Ich brauche nämlich mal wieder eine Neue. Eine neue Nadel zum Nadelbinden. Meine alte Neue ist nämlich zerbrochen. Zum Glück lassen sich diese Nadelbindungsnadeln leicht selber schnitzen. Alles, was man braucht, sind ein gerades, etwa fingerdickes und fingerlanges Aststück, ein scharfes Messer, etwas Leinenzwirn und Öl.

Astabschnitte von Obstbäumen

Die Beute von Heute: Apfel-, Kirsch-, Mirabellen- und Schlehdornholz

Besonders gut eignen sich langsam wachsende Hölzer, etwa von Obstbäumen, weil die sehr dicht sind und nicht fasern. Ungeeignet sind weiche und faserige Holzarten, wie Hainbuche, Fichte oder Pappel. Nach Möglichkeit sollt das Aststück frei von Verzweigungen sein.
Das Holz darf ruhig frisch (grün) sein. Grünes Holz lässt sich leichter bearbeiten, als getrocknetes. Außerdem ist die fertige Nadel so dünn, dass man keine Trocknungsrisse befürchten muss.

Als erstes schält man die Rinde und eventuell doch abzweigende Ästchen ab und kürzt das Aststück auf die gewünschte Länge.

entrindete Aststücke

Das sieht dann so aus.

Danach spaltet man das Aststück der Länge, indem man das Messer in der Mitte der Schnittfläche ansetzt und kräftig darauf drückt. Von diesem Vorgang habe ich kein Bild gemacht, weil mir meine Finger dann doch wichtiger sind.
Im Idealfall hat man jetzt zwei verwendbare Rohlinge. Meist spaltet sich das Holz aber nicht ganz gleichmäßig. Dann macht man am Besten mit dem dünneren Stück weiter.
Wenn man ein sehr dickes Stück Holz verwendet, muss man eines der Stücke eventuell ein zweites Mal spalten.
Ich habe mich ein bisschen ungeschickt angestellt und zuerst einen viel zu dünnen Span abgespalten. Aber zum Glück ließ das Aststück einen zweiten Versuch von der anderen Seite zu. Das Ergebnis war so etwas, wie ein kleines Brett.

So gerade sehen meine Späne sehr selten aus.

Um aus dem Span eine Nadel zu machen, schnitzt man ihn zuerst flacher und glättet die Kanten. Sie sollte am vorderen Ende (der Spitze) etwas schmaler und dünner sein, als an Ende an das später das Öhr kommt.
Bei meinem „Brettchen“ waren die Seiten ebenfalls vorgegeben, weil an der einen Seite ein kleiner Astknubbel saß. An solchen Stellen ist der Ast immer ein bisschen verdickt und das Holz ein wenig härter, so dass es sehr mühsam wäre, das glatt und schmal zu schnitzen. Also muss da das Öhr hin.

Zehn Minuten später ist die grobe Form erkennbar…

… und deutlich schmaler ist sie auch

Weil ich meist mit feinem Garn nadele und meine Nadeln entsprechend schlank mag, habe ich sie noch ein wenig schmaler geschnitzt. So:

Rohform einer Nadelbindungsnadel

Wenn die Nadel so schmal und dünn ist, wie man sie haben möchte, rundet man Spitze und Ende etwas ab. Wenn sich die Spitze nicht glätten lässt, weil das Holz immer wieder aufreißt, kann man versuchen, es durch Feuer zu härten. Dazu hält man die Spitze kurz (!) in eine Kerzenflamme und schabt das verkohlte Holz anschließend vorsichtig ab. Das unverbrannte Holz dahinter ist dichter und fester und (meist) frei von Rissen.

Bei meiner war das zum Glück nicht notwendig, daher konnte ich gleich mit dem Zurichten des Öhrs beginnen. Dazu wird die Spitze des Messers leicht schräg auf der Stelle aufgesetzt, an der später das Öhr enden soll. Die Schneide zeigt Richtung Nadelspitze. Dann bewegt man das Messer mit leichtem Druck hin und her und schabt solange, bis die Messerspitze auf der anderen Nadelseite herauskommt.
Dann dreht man die Nadel um, setzt die Messerpitze in das entstandene Loch und beginnt die Prozedur von vorne.
Auf diese Weise erhält man ein längliches Öhr, das sich durch vorsichtiges Kratzen auf die gewünschte Länge erweitern lässt.

Beim Bohren habe ich zum Schutz meines Oberschenkels eine Spanplatte als Unterlage benutzt.

Anschließend muss das Öhr geschliffen werden, damit sich die Wolle nicht darin verhakt und reißt. Das kann man mit Schmirgelpapier und Feilen machen, meist reicht es aber, das Holz zuerst mit einem Priem oder dem Messerrücken unter vorsichtigem Druck zu verdichten und danach mit einem kräftigen Leinenzwirn glatt zu reiben. Der Zwirn wird dazu durch das Öhr gefädelt, an beiden Enden festgehalten und mit Zug hin und her bewegt.

Wenn das Öhr zufriedenstellend ausgeschliffen ist, kommt die Feinarbeit an der Nadel dran. Auch sie muss noch einmal geglättet werden. Dazu schabt man eventuelle Unebenheiten glatt und legt die Nadel danach auf eine glatte, leicht federnde Unterlage und fährt mit den Messergriff mit wohldosiertem Druck (nicht zu kräftig, damit sie nicht bricht) darüber. Das Holz wird dadurch verdichtet und beginnt zu glänzen.

Jetzt ist die Nadel eigentlich schon fertig und einsatzbereit. Zur Pflege sollte man sie noch mit Öl (am besten mit Leinöl oder einem anderen nicht ranzenden Öl) einreiben. Wer es ganz aufwändig möchte, mischt Bienenwachs darunter. Notfalls tut es aber auch Möbelpolitur.

Geglättet und frisch geölt. Jetzt fehlt ihr nur noch der Feinschliff durch Gebrauch.

So eine Nadel wird mit jedem Gebrauch schöner, weil die Wolle beim Nadelbinden wie eine Hochglanzpolitur wirkt.

Und zum Schluss noch ein Bild vom Werkzeug:

Zur Not tut es sogar ein Kindermesser

Ich kam gerade weder an mein Taschenmesser, noch an das Mittelaltermesser. Da habe ich das meines Sohnes genommen. Nur das Bohren war ein bisschen heikel.

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Es gibt noch welches! Offensichtlich habe ich die Blütezeit nicht ganz verpasst? Warum das wichtig ist? Um Öl anzusetzen.

In meiner Kindheit habe ich den Großteil der Sommerferien im Schwarzwald verbracht. In der Küche des Bauern stand immer ein großes Glas mit in Öl eingelegten Johanniskrautblüten auf dem großen Küchenschrank neben dem Herd. Über die Wochen färbte sich das Öl langsam von hell zu blutrot. Wenn es diesen Farbton erreicht hatte, wurde es abgeschöpft und galt dann als Wundermittel gegen Verrenkungen, Verstauchungen, Rheuma usw. bei Mensch und Tier. In der Klostermedizin wird es sogar als Mittel gegen Herpes empfohlen.

Mein Mann wird es zwar missbilligen, dass ich jetzt noch etwas ansetze, weil wir demnächst umziehen wollen – aber gerade nach einem Umzug kann man ein Mittel gegen allerlei Muskelschmerzen ganz gut brauchen. Von meinen ohnehin ständig verspannten Schultern mal gar nicht zu reden.

Johanniskraut

Gerade genug für ein Glas

Also habe ich mitgenommen, was so da war, die Blüten und die weichen Blätter abgerupft und in ein Honigglas mit weitem Rand geschichtet. Man könnte das Öl zwar auch in einer Flasche ansetzen, was zweifelsohne dekorativer aussähe, aber dann wird es schwierig, die Blüten und Blättchen nachher wieder rauszubekommen. Daher also lieber ein Glas.

Das Glas mit den abgerupften Johanniskrautblüten wird mit Öl aufgefüllt

Jetzt so viel Öl dazu, dass alles gut bedeckt ist

Anschließend wird Olivenöl draufgegossen, bis alles gut bedeckt ist. Dann kommt ein Deckel drauf und das Glas an einen warmen Ort. Bei mir ist es die Fensterbank. Da darf es die nächsten Wochen stehen. Vielleicht stelle ich ab und an ein Bild rein, um zu zeigen, wie sich das Öl allmählich verfärbt.

Glas mit Johanniskraut und Öl

Sieht fast aus wie Pesto, schmeckt aber nicht.

 

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Auch wenn die Erdbeerzeit (eigentlich) zuende ist, habe ich gestern eine Erdbeercreme als Nachtisch gemacht. Die Menge hätte zwar locker für ein Hauptgericht hergegeben und die letzten Reste wurden erst heute morgen zum Frühstück verspeist, aber das Rezept möchte ich trotzdem aufheben, weil es sooooooo lecker ist.

Man braucht:

  • 500 g reife Erdbeeren
  • 200 g Vollmilchjoghurt
  • 200 g Schlagsahne
  • 3 EL Zucker
  • 1 Päckchen Gelatine
  • ein paar Blätter Zitronenmelisse

Zubereitung:

  1. Die Gelatine nach Packungsanweisung einweichen.
  2. Währenddessen die Erdbeeren waschen und putzen. Ca. 2/3 (darunter auch die angeditschten) nur grob zerkleinern und in eine große Schüssel tun, die festen in kleine Stücke schneiden und separat aufheben.
  3. Die Gelatine im Wasserbad verflüssigen.
  4. Die grob zerkleinerten Erdbeeren mit den Zauberstab zermusen, Joghurt und Zucker zugeben und alles gut verquirlen, bis sich der Zucker auflöst. Das Ganze wird sehr flüssig, daher Achtung: Spritzer!
  5. Die flüssige Gelatine unter die Erdbeer-Joghurt-Mischung rühren. In vielen Rezepten wird angegeben, dass man erst einen Teil der kalten Creme in die Gelatine geben soll, weil die sonst angeblich zu schnell erstarrt und Fäden zieht. Ich habe dieses Problem nie gehabt, daher erspare ich mir das Gematsche und kippe die Gelatine gleich direkt in die Mischung.
  6. Jetzt kann man eine kleine Pause einlegen; es geht nämlich erst weiter, wenn die Creme anfängt, fest zu werden. Das lässt sich beschleunigen, wenn man die Creme in den Kühlschrank stellt. Ansonsten trinkt man eine Tasse Tee, telefoniert mal wieder mit der Mutter oder jemandem, den man schon lange anrufen wollte.
    Wenn das erledigt ist und sich auf der Creme eine leichte Haut zu bilden beginnt, ist es Zeit für den Rest: Sahne steif schlagen und unter die Creme heben. Die Melissenblättchen fein hacken, mit den Erdbeerstückchen zur Creme geben und kurz unterrühren.
  7. Ab in den Kühlschrank. Die Creme braucht jetzt noch ca. 2 Stunden, dann kann sie gegessen werden.

Guten Appetit!

Die Creme lässt sich unendlich abwandeln. Statt Erdbeeren lässt sich auch jede andere Beerensorte verwenden. Ich habe sie aber auch schon mit Zitronenbuttermilch (etwas Zitronensaft, Zitronenschale und Melisse zugeben) und einem Kokosmilch-Ananassaft-Gemisch (dann muss man aber mit dem Zucker vorsichtig sein, sonst wird es übersüß) gemacht.

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Wie versprochen, hier Bilder der fertigen Brouch:

Kinderbrouch aus Leinen

So sieht sie ausgebreitet aus

Kinderbrouch aus Leinen

… aber erst über eine Stuhllehne gehängt, ahnt man die Weite

Wie zu erkennen, habe ich mich für einen Tunnelzug entschieden, bei dem der Gurt aber immer mal wieder nach oben tritt. Solche Konstruktionen habe ich schon an romanischen Statuen gesehen. Ich gehe daher davon aus, dass es auch diese Variante gab.

Die Brouch selbst wirkt gemessen an heutigen Hosen zwar ziemlich weit, aber enger dürfte sie gar nicht sein. Der Schritt könnte m. E. sogar noch gut 5 cm tiefer sitzen, bzw. der Bund 5 cm höher. Aber mein Sohn ist zufrieden und behauptet, sich gut darin bewegen zu können. Und das ist ja nun die Hauptsache.

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Man hat mich heute aus dem Mittelalterforum geworfen. Der Grund: Nachdem in einer Diskussion mehrere Zitate von den Moderatoren unter Hinweis auf mögliche Urheberrechtsverletzung gelöscht wurden, habe darauf hingewiesen, dass ordnungsgemäß gekennzeichnete Zitate keinen Verstoß gegen das Urheberrecht darstellen und erklärt, was ein Zitat von einem Plagiat unterscheidet.

Am nächsten Morgen war mein Account gesperrt.

Eine Begründung gab es nicht (Auch wenn, wie ich jetzt gesehen habe, im betreffenden Thread etwas anderes behauptet wird).

Solche Rauswürfe sind dort kein Einzelfall. Ein Bekannter flog raus, weil er darauf hingewiesen hat, dass „Schatzsuche“ gegen geltendes Recht verstößt. Ein anderes Mitglied wurde offenbar rausgeschmissen, weil es sich in Bekleidungsfragen als beratungsresistent erwiesen hat (dabei treiben sich im Forum diverse bekennende GroMis rum und das Thema schon im LARP-Thread).
Eine Bewertung dieses Verhaltens spare ich mir. Ich denke, die Umstände sprechen für sich.

Ob es allerdings eine besonders gute Werbung für den Forenbetreiber, den Mittelalterladen Mainz darstellt, wage ich aber zu bezweifeln.

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Das Band für die Kinderbrouch ist fertig:

brettchengewebter Gürtel

Als Accessoire zum modernen T-Shirt getragen

Trotz der Kürzungen ist der fertige Gurt immerhin 106 cm lang.

Für die Technikfreaks: Das Band ist mit 6 Brettchen aus Leinengarn (ich meine, Bockens 16/2) gewebt. Die Brettchen wurden abwechselnd S und Z geschärt.

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Wie ich gestern schon geschrieben hatte, habe ich mir beim Nähen eine Blase am Daumen zugezogen. Nichts dramatisches, aber doch so lästig, dass ich die nächsten Tage keine Nadel mehr benutzen möchte. Irgendwie muss ich meine Hände aber beschäftigt halten und zum Spinnen hatte ich keine Lust. Daher hielt ich es für einen guten Einfall, statt dessen zu weben. Das habe ich zwar noch nie getan, aber in der Theorie ist es ziemlich einleuchtend und einfach und ich bin mit so ziemlich allem ausgestattet, was man dafür braucht.
Schon vor Jahren habe ich mir über ein Internetauktionshaus (den Namen kennt jeder, aber ich möchte hier keine Werbung machen) einen Webrahmen aus DDR Produktion gekauft. Die waren da sehr verbreitet, weil der Handarbeitsunterricht in den Schulen zum Pflichtprogramm gehörte und weben dabei obligatorisch war. Das erste, was ich damals beim Auspacken feststellte war, dass die Teile nicht so ganz zusammenpassen: Es gab keine Halterung für den Kamm. Allerdings kam es mir zu dem Zeitpunkt auch hauptsächlich auf den Kamm an, weil ich keine breiten Stoffe, sondern lediglich Bänder weben wollte.  Daraus wurde dann aber aus dem einen oder anderen Grund erstmal nichts.

Gestern habe ich den ganzen Kram also wieder vorgeholt. Und als erstes beschlossen, dass es viel zu kompliziert ist, den Rahmen zu beziehen.

Bänder kann man schließlich auch am Gürtel weben. Das Prinzip ist supereinfach: Man knotet das eine Ende der Kette am Gürtel und das andere Ende irgendwo im Raum fest und dazwischen hängt der Kamm.
Die Sache hat nur eine Krux: In unserem Wohnzimmer gibt es nichts, wo man eine Kette festknoten könnte. Der Couchtisch ist zu leicht (vom Sessel ganz zu schweigen) und die Türklinke zu weit entfernt. Bliebe die Heizung. Aber das hieße, sich mit dem Rücken zum Raum und Blick auf geschlossene Gardinen hinzusetzen. Nö!

Besser, ein Webbrett zu benutzen. Das ist ein Brett mit einem senkrechten Stab an einem Ende, an dem man die Kette festknotet. Statt des Stabs geht auch eine Schraubzwinge. Das Prinzip kannte ich zwar nur vom Brettchenweben, aber hej: Warum sollte es mit dem Kamm nicht auch gehen?
Brett hatte ich, Schraubzwinge hatte ich, Kettfäden waren (einigermaßen) schnell abgelängt und genauso schnell aufgezogen und das Ergebnis sah auch wirklich gut aus:

Webkamm und -brett

Sieht gut aus, versagte aber im Praxistest

Wenige Minuten später wusste ich, weshalb sich Webbretter nur bedingt zum Kammweben eignen. Es ergibt sich zwar ein Fach, wenn man den Kamm nach oben zieht, aber nach unten – nada. Da liegen alle Fäden gleichauf. Und weiter runter geht nicht, weil das Brett im Weg ist, oder die Schraubzwinge mindestens zehn Zentimeter zu kurz. Dumm gelaufen.

Also habe ich die Kette zähneknirschend abgeschnitten und mich daran gemacht, sie auf den Webrahmen zu spannen. Dabei ist mir auch klar geworden, weshalb die DDR-Rahmen nur einen Bruchteil dessen kosten, was man für ein westliches Markenprodukt hinblättern muss. Die Dinger sind nur gesteckt und haben die Neigung bei Benutzung auseinander zu fallen. Aber mit viel Geduld und Geknurre habe ich die Kette drauf bekommen. Mit Kamm und ohne dass sich irgendetwas verzottelt hätte. Ich war stolz auf mich. Weben ging auch. So einigermaßen. Allerdings wurde das Band ungefähr dreimal so breit, wie vorgesehen und das Gewebe insgesamt viel lockerer, weil die in die Kanten eingeschnittenen Rillen einen sehr großen Abstand vorgeben. Es half auch nichts, dass je zwei der Kettfäden durch einen Schlitz liefen.. Den Schuss fester anzuziehen machte das Ganze zwar etwas schmaler, führte aber im Wesentlichen dazu, dass sich alles wellte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Aber einen Versuch hatte ich noch. Webbrettchen. Meine Trumpfkarten sozusagen.

Die habe ich vor gut und gerne sechs Jahren geschenkt bekommen, weil ich die Technik unbedingt lernen wollte. Theoretisch habe ich sie inzwischen auch ganz gut verstanden, aber in der praktischen Umsetzung bin ich über ein paar Fetzen bisher nicht hinausgekommen. Entweder hatte ich sie von Anfang an falsch aufgezogen oder die Fadenspannung stimmte nicht oder ein Kind brauchte Hilfe, Zuspruch, Nahrung – irgendetwas kam immer dazwischen.

Aber ich hatte sie nun mal und es war klar, dass ich sie einsetzen würde.
Auch wenn man mit ihnen klassischerweise am Gürtel, auf dem Webbrett oder auf einem der in neuerer Zeit aufkommenden Brettchenwebrahmen webt und nicht auf einem normalen. Aber Kette hing, die Fadenzahl passte … Und Versuch macht bekanntlich kluch.
Also habe ich direkt hinter dem angefangenen Gewebe je vier Fäden abgeschnitten, durch ein Brettchen gefädelt, verknotet und am „Warenbaum“ festgebunden. Alle Kettfäden eines Brettchens bekamen den gleichen Schlitz. Wundersamer Weise stimmte die Spannung am Ende immer noch.

Auf einen Schulwebrahmen aufgezogene Webbrettchen

Webrahmen mit Brettchen. Darunter der eigentlich zum Rahmen gehörende Webkamm.

Am Anfang war das Band noch sehr breit. Außerdem wies es in der Mitte einen interessanten Lochstreifen auf. Aber nach ein paar Zentimetern gab sich das und das Ergebnis ist ein ziemlich gleichmäßiges, festes Band. Es ist mit nur knapp einem Zentimeter Breite zwar schmaler als gewünscht , aber was solls? Es wird ein Band! Mein erstes.

Mit 6 Brettchen gewebter Gurt

Es klappt

 

Als Borte taugt es zwar gar nichts, aber als Gurt für eine Brouch lässt es sich allemal verwenden, wenn es fertig ist.

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit

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