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Archive for Juni 2012

Zu einer Geburtstagsfeier, die unter dem Leitmotiv „Lebenszug“ stand, habe ich einen Zug aus Smartie-Schachteln gebastelt, der mit einem entsprechenden Gedicht überreicht wurde. Das Gedicht ist ein typischer Vertreter der Gattung Geburtstagspoesie und nicht weiter der Rede wert, aber den Zug möchte ich hier gerne vorstellen: Er besteht aus einer Dampflok und 12 Waggons – alle gefüllt mit Kleinigkeiten und guten Wünschen. Der letzte Wagen enthält allgemeine Glückwünsche für das kommende Lebensjahr, alle anderen stehen für je einen Monat, so dass die Lok dran ist, wenn der nächste Geburtstag ansteht.

Die Herstellung war denkbar einfach: Alles, was man braucht ist eine Tüte Smartie-Schächtelchen, Acrylfarben, schwarzen Tonkarton, Klebstoff und ein bisschen Geschenkband. Dazu 13 Zettelchen mit Segenswünschen und Kleinigkeiten, wie Herzchen, Sterne, Blümchen, Kleeblätter o. ä.
Mit  dem Inhalt von 14 Schächtelchen beglückt man eigene oder fremde Kinder, den Partner oder sich selber und bemalt die Schächtelchen mit Acrylfarbe. Das geht am einfachsten, wenn man die Schachteln auf einer Seite öffnet und dann über Zeige- und Mittelfinger der linken Hand stülpt. Schwieriger ist es, einen guten Platz zum Trocknen zu finden. Die Dingerchen dürfen nämlich nirgendwo anstoßen. Je nach Deckkraft der Farbe muss man das Streichen zwei bis dreimal wiederholen.  Bei hellen Farben empfiehlt es sich, vorher weiß zu grundieren.
Während die Schachteln trocknen, kann man schon mal die Räder vorbereiten. Gebraucht werden vier pro Waggon und noch mal sechs für die Lok. Als Maß dient eine Ein-Cent-Münze, die auf den Tonkarton gelegt und mit einem spitzen Bleistift umfahren wird.
Nach dem Trocknen schneidet man von einem der Kartons ca. 1/3 ab. Das wird der Führerstand der Lok. Um ihn mit dem Rest zu verbinden, macht man auf jeder Seite drei Einschnitte (einen in der Ecke und die beiden anderen auf ca. 1/3 und 2/3). Dann klappt man die an die Ecken grenzenden Teile um, so dass nur noch das mittlere Drittel stehen bleibt. In der Beschreibung klingt das fürchterlich kompliziert und ich bedauere sehr, keine Fotos gemacht zu haben. Wenn man sieht, wie es geht, ist es nämlich kinderleicht. Dann setzt man diesen „Führerstand“ auf die Schmalseite eines anderen Schächtelchens, indem man entsprechend den stehen gebliebenen Teilen Einschnitte in der heil gebliebenen Schachtel anbringt. Bevor man beides zusammensteckt, gibt man etwas Kleber auf die umgeklappten Teile. Anschließend schneidet man ein keilförmiges Stück aus der schon angeschnibbelten Schachtel. Zusammengerollt wird das der Schornstein. Für ihn wird ein Loch in den vorderen Teil der Lok gebohrt. Eventuell muss man die obere Kante  begradigen, bevor man den Schornstein hineinsteckt. Damit er nicht hinausfällt, bekommt auch er noch einen Klecks Kleber.
Anschließend kommen die Räder dran. Sie werden einfach aufgeklebt. Wer möchte, kann die Wagen natürlich weiter verzieren. Ich habe kleine Schildchen mit Wagennummern aufgeklebt, der Lok „Lampen“ aus weißen und dem letzten Waggon Rücklichter aus roten  Strass-Steinchen verpasst.  Außerdem trägt die Lok einen Blumenstrauß im Schornstein.
Das war’s schon fast. Jetzt müssen nämlich nur noch die guten Wünsche und der Klimperkram in die Waggons und die Lok gefüllt und alle untereinander verbunden werden. Zum Verbinden habe ich Stücke vom Geschenkband abgeschnitten und auf der Unterseite von Waggons und Lok festgeklebt.

Das Ergebnis sah dann so aus:

Eine aus Smartie-Schachteln gebastelte Eisenbahn

Die Lok und die ersten Wagen; der ganze Zug passte nicht auf’s Bild

Da der fertige Zug ziemlich lang ist, empfiehlt es sich, ihn in Teilen zu transportieren und erst bei der Feier (kurz vor dem Überreichen) zusammen zu setzen.

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Einen Vorteil hat es, Mutter von Jungs im Grundschulalter zu sein: Man hat immer einen ausreichenden Vorrat an Stöcken auf dem Balkon. Das ist sehr praktisch, wenn man zum Beispiel eine neue Nadelbindungsnadel braucht.

Nachdem meine Lieblingsnadel gestern verschwunden ist, habe ich mir von einem der Stöcke ein ungefähr fingerlanges, gerades Stück abgesägt und es dann mit dem Messer gespalten. Das war der gefährlichste Teil, weil das Holz schon getrocknet war; grünes Holz spaltet sich deutlich leichter. Aber auch das ging.
Der Span lief schon keilförmig zu, so dass ich nur die Rinde abschälen und alles Holz wegschnitzen musste, das nicht nach Nadel aussah. Anschließend habe ich mit der Messerspitze ein Öhr gebohrt und das Holz verdichtet, indem ich mit dem Messerrücken mit festem  Druck über die Nadel gefahren bin. Und voila, das ist sie:

Holznadel zum Nadelbinden

Ich vermute, dass es sich bei dem Holz um Apfelbaum handelt.

Die Herstellung hat maximal eine Viertelstunde gedauert. Noch ist die Nadel ein bisschen rauh, aber das schleift sich beim Nadelbinden schnell ab. Nach ein paar Runden sieht sie schon so aus:

Holznadel zum Nadelbinden

Sie fängt schon an zu glänzen.

Das Öhr werde ich aber noch mal vergrößern.

Übrigens lag meine alte Nadelbindungsnadel heute morgen mitten auf dem Tisch. Da, wo sie sein sollte. Unübersehbar.
Manchmal glaube ich doch an Kobolde.

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So was blödes: Meine Lieblingsnadel zum Nadelbinden ist weg. Heute morgen hatte ich sie noch und ich bin eigentlich sicher, sie zusammen mit dem Knäuel und den angefangenen hellen Socken auf den Tisch gelegt zu haben. Nur ist sie da leider nicht. Und da ich heute gesaugt habe, fürchte ich, dass ihr ein tragisches Ende beschieden war.

Eingestanden: Es ist kein nicht wieder gut zu  machender Verlust. Es war schließlich nur eine Holznadel; etwas, dessen Anfertigung vielleicht 20 Minuten braucht. Aber es war die erste selbstgeschnitzte, sie lag gut in der Hand und war durch den Gebrauch wunderbar poliert.
Nun ist sie weg. Und ich muss eine neue machen. Und es wird lange dauern, bis die wieder so schön glatt ist und ob sie je so gut in der Hand liegen wird …

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So ungefähr stelle ich mir meinen Gürtel für die Zofe vor:

Eva

Eva (Kathedrale von Lodi, Lombardei, Quelle: WEB-Gallery of Art)

Der herabgesunkenen rechte Arm verdeckt den Gürtel zwar zum größten Teil; es handelt sich erkennbar aber um einen Bindegürtel, der mit einem Weberknoten gebunden wird.

Wie verbreitet diese Gürtel tatsächlich waren, ist schwer zu sagen, weil der Anteil der Frauen unter den auf Bildern und als Skulptur dargestellten Personen  grob geschätzt nur etwa 10% beträgt und sich die wenigen Frauen oft überaus züchtig auch in einem Mantel oder anderem Überwurf hüllen.
Aber selbst wenn die Frau keinen Mantel trägt, verrät oft nur der Faltenwurf, dass das Kleid irgendwie gerafft wurde.

Letztendlich habe ich aber doch ein paar Bilder von ähnlichen Gürteln gefunden. So z. B. auf dieser Darstellung der „ägyptischen Maria“ aus dem Augustinermuseum in Toulouse und dieser schon etwas verwitterten Dame an der Fassade Saint Jouin de Marnes. Auch diese Königin trägt einen Bindegürtel – wenn auch mit einem anderen Knoten, ebenso die Dame mit dem Salbgefäß auf der Bronzetür von St. Sophia in Nowgorod. Dazu kommen noch etliche Darstellungen, bei denen zwar irgendetwas gürtelähnliches um die Taille getragen wird, aber nicht erkennbar ist, wie es verschlossen wird.

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Wie ich schon in einem meiner letzten Posts erzählt habe, bin ich unversehens an die Rolle einer Zofe geraten.  Damit wären es drei. Dreieinhalb, wenn man die Geschichtenerzählerin mitzählt. Aber die zählt nicht richtig, weil sie keine eigene Ausrüstung braucht, sondern die Kleidung überwiegend von der Nonne leiht, weil die theatralischer aussieht, als die der Magd.

Die Zofe muss erstmal das Gleiche tun.

Aber auf Dauer ist das natürlich nichts. Meine Nonne gehört zwar nicht der im 12. Jahrhundert gerade aufkommenden Reformbewegung an, die das Armutsgelübde auf den Orden ausdehnen will, aber ihr Obergewand ist aus naturbrauner (wenn auch feiner) Wolle und der Schnitt ähnelt stark dem eines Kegelzelts. Definitiv nichts für eine standes- und modebewusste Zofe. Nur das Untergewand aus Seidenleinen mit den langen, an den Abschlüssen mit Weißstickerei verzierten Ärmeln dürfte ihren Geschmack einigermaßen treffen. Auf Dauer könnte ich mir aber auch da etwas aufwändigeres vorstellen, gesmokte Ärmel beispielsweise, wie sie auf vielen romanischen Skulpturen in Frankreich zu sehen sind. Mode kam schon damals aus Frankreich …

Aber das kann warten. Zunächst einmal brauche ich ein Kleid. Außerdem genähte Strümpfe, ein farbiges, eventuell besticktes Haarband (vielleicht sogar aus Seide?), einen langen Schleier und einen bunten Gürtel.
Das wird teuer. Dieses Mal hätte ich nämlich gerne einen pflanzengefärbten Wollstoff. Helles Krapprot wäre gut, goldgelb ginge auch und notfalls auch hellblau. Allein der Stoff kostet mehr, als ich normalerweise für ein Kleidungsstück ausgebe (blödes Hobby) und so viel Geld dafür habe ich auch nicht mal so eben locker. Andererseits wird das Nähen ebenfalls Zeit in Anspruch nehmen – von der Anfertigung irgendwelcher Borten ganz abgesehen. Die könnten nach und nach dazu kommen. Aber auch zum Nähen fehlt mir jetzt, mitten in der Saison die Zeit, d. h. das Kleid würde vermutlich erst gegen Ende fertig werden.

Von daher ist meine Überlegung jetzt, die Sache andersrum anzugehen und mit den Accessoires anzufangen. Allem voran ein schöner Gürtel, das hebt schon mal gewaltig. Als zweites ein besticktes Stirnband und als drittes dann den langen Schleier. Die Strümpfe können noch etwas warten, die sieht man unter dem langen Rock ohnehin nicht.

Also schaue ich jetzt nach Abbildungen von Gürteln.  Vielleicht finde ich ja etwas schönes, nicht zu kurz, nicht zu lang, möglichst etwas zum Binden, das ohne Schnalle auskommt. Das spräche gewaltig für einen Stoffgürtel und genau der wäre mir am liebsten. Bunte Wolle mit Seidenbesätzen oder gleich Seide; dafür hätte ich die nötigen „Zutaten“ sogar zuhause.

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Im Kühlschrank war noch ein angebrochenes Glas Sauerkirschen von dem ich wirklich nicht erinnern kann, wer es wann und wozu angebrochen hat. Aufessen wollte es aber auch keiner. Gute Voraussetzungen für ein Kochexperiment.

Mein „Dreihundertjähriges Deutsches Klosterkochbuch“ verzeichnet unter der Nr. 51 ein Rezept für Ein Muß von Morellen. Darin heißt es:

Nimm fürs Erste die Kerne aus den Morellen und stoße Letzere in einem Mörser klein, thue darunter Weißbrod, stoße es wol durcheinander und nimm darunter einen Wein und mache oder rühre es flugs durcheinander, reibe es durch ein Sieb, thue es in einen Topf, mache es nit zu dicke und nit zu dünne, rühre es wol ab, thue darein Zucker oder Honig, würze es ab mit Safran und mit der vorgenannten Würze (das vorherige Rezept nennt Pfeffer, Ingwer, Nelken, Muskatblumen, Zimt und Muskat), koste es zu rechter Maaße und richte es an, dann bestreue es mit Zucker und giebs hin.

Statt sie im Mörser zu zerstampfen, habe ich die abgegossenen Kirschen mit dem Zauberstab zermust und anstelle von Weißbrot habe ich Semmelbrösel genommen. Warum erst etwas zerstampfen, wenn man es schon klein hat.
Danach habe ich mich allerdings ans Rezept gehalten. Na gut – abgesehen von der Tatsache, dass das Rezept verschweigt, dass man die passierte Sauce noch erhitzen muss, damit daraus ein Mus wird. Erst durch das Kochen dickt das Brot das Mus an.

Das fertige Mus schmeckt ungewohnt, aber lecker. Es gäbe bestimmt eine interessante Beilage zu Grillfleisch oder Kurzgebackenem. Aber ich werde es vermutlich am Mittwoch zu Pfannkuchen servieren.

 

Und wer sich jetzt wundert, wieso das „Dreihundertjährige Deutsche Klosterkochbuch“ etwas mit Mittelalter zu tun haben soll: Das Buch ist ein Reprint eines Buchs von 1856, das wiederum auf ein Manuskript verweist, das beim Abbruch des zur Zeit der Reformation verlassenen Klosterst St. Paul bei Leipzig in einer zugemauerten Nische gefunden worden sein soll.

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Schon seit einiger Zeit hatte ich das Bedürfnis mal wieder etwas hübsches, nutzloses zu sticken. Gestern habe ich es dann nicht mehr ausgehalten und einen meiner Rahmen herausgekramt. Das Ziel war, so etwas ähnliches, wie die Muster in den kleinen Quadraten der Querbänder dieser Kasel aus dem 12. Jahrhundert aus dem Benediktinerstift St. Paul im Lavanttal. Das Bild ist zugegebernmaßen schlecht. Ein etwas besseres findet sich bei Grönwoldt: Stickereien von der Vorzeit bis zur Gegenwart (Hirmer 1993).

Mich erinnert die Struktur dieser Stickereien an die zu dieser Zeit sehr begehrten geritzten Seiden, wie sie z. B. zur Einfassung des Halsausschnitts der Tunicella von Roger II verwendet wurden.

Detail vom Halsausschnitt der Tunicella Roger II

Besatz aus geritzter Seide

Genau so eine Oberfläche bräuchte ich noch für ein anderes Projekt.

Also habe ich mir ein Stück feines Leinen und Seidennähgarn geschnappt, in den Stickrahmen geklemmt und drauflos gestickt. Das ist dabei herausgekommen:

Strukturstickerei, Seide auf Leinen

Mit Seidennähgarn auf feinem Leinen gestickte Muster. In beiden Quadraten versteckt sich das gleiche Kreuz

Der Stich geht jeweils über zwei Gewebefäden. Die ersten Ergebnisse wirken noch etwas dünn und durchsichtig und lassen nur wenig Struktur erkennen. Aber dann bin ich auf die Idee gekommen, über einen Spannfaden zu sticken. Das Ergebnis ist das Quadrat in der Mitte. Im Schräglicht ist die Struktur gut zu sehen.

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