Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for März 2012

Den Halsausschnitt der Leinentunika wird mit einer Kombination aus Schlinge und Knöpfchen geschlossen.

Verschluss der Leinentunika

So sieht das in geschlossenem Zustand aus

Das Knöpfchen besteht aus einem kurzen, zum Band genähten Stoffstreifen, der oben verknotet wird. Anschließend habe ich das Ganze zur besseren Stabilität vernäht.

Knöpfchen

Das Knöpfchen

Die Schlinge ist aus fünf Schlaufen geflochten (Fingerloop). Nachdem ich lange Zeit hauptsächlich runde Bänder geflochten habe, habe ich mich hier für ein breiteres Band entschieden. Diese Variante entsteht, wenn man die Schlaufen nicht nur von einer Hand zur anderen wechselt, sonder teils durch andere hindurchzieht, teils daran vorbei führt. Das Muster ist auf beiden Seiten unterschiedlich; auf der einen erscheint eine Art Fischgrat, die andere erinnert an ein gewebtes Band.

kurzes, aus Schlaufen geflochtenes Bändchen

Die geflochtene Schlinge

Ich muss gestehen, dass ich keinen Beleg dafür habe, dass diese spezielle Flechtweise auch im 12. Jahrhundert angewendet wurde. Ich weiß nur, dass Nesteln und Posamente allgemein in Fingerloop hergestellt wurden. Die Technik selber war also vorhanden.
Und da ich selber durch einfaches Ausprobieren auf diese Variante gekommen bin, halte ich die Annahme für gerechtfertigt, dass sie auch schon im 12. Jahrhundert angewendet wurde.

Read Full Post »

Endlich ist auch der Halsausschnitt der Tunika fertig. Das Ding hat mich wirklich Nerven gekostet. Erst zog es unten den Stoff der Tunika in Falten, jetzt kräuselt es sich oben und ich habe mich bestimmt ein halbes Dutzend Male geärgert, dass ich ausgerechnet für eine Kindertunika so viel Aufwand betreibe. Bei den vorherigen habe ich das schließlich auch nicht gemacht.
Andererseits: Es hat sich gelohnt. Ich finde jedenfalls, dass es jetzt richtig gut aussieht.

Ausschnitt in geschlossenem Zustand

geschlossen

geöffneter Ausschnitt

aufgeklappt

Der  Besatzstreifen ist ein Rest eines Unterkleides aus extrem feinen Leinen; ein schmaler Stoffstreifen, der beim Abstecken des Rocksaums übrig geblieben ist.  Ich habe ihn erst von der Rückseite her in den Ausschnitt genäht, umgeklappt und für den besseren Sitz nochmal eng abgesteppt.

erneutes Feststecken der Blende am Ausschnitt

So sieht das von unten aus.

Anschließend habe ich den unteren Rand umgeklappt, das Ganze von unten her festgesteckt und mit kleinen Überwendlingsstichen angenäht.

Annähen der Blende mit feinen Überwendlingsstichen

Die Nadel erfasst nur einen Faden des Tunikastoffes und ein winziges Stück der Blende

Viel Arbeit, wie gesagt.

Aber gerade die Kindersachen sind natürlich prima Übungsobjekte. Weil von vornherein klar ist, dass sie nur eine begrenzte Zeit passen, gehe ich viel freier und unbeschwerter ans Nähen und probiere eher mal was aus. Wenn’s nicht sitzt, wird etwas Neues genäht und das Alte spätestens im nächsten Winter wieder aufgetrennt und in einem neuen Projekt verarbeitet.

Was jetzt noch fehlt, ist ein Verschluss. Ich habe aber nicht das Herz, wie bei der Vorlage einfach ein Loch in den Stoff zu machen und eine Kordel durchzuziehen. Daher werde ich wie bei dem Hemd von Thomas Beckett ein Knöpfchen aus Stoff auf die linke Seite setzen und auf die rechte eine Schlinge.

Das hier ist übrigens die Vorlage:

Detail vom Halsausschnitt der Tunicella Roger II

Tunicella von Roger II
weltliche Schatzkammer Wien

Read Full Post »

Bin gerade genervt. Eigentlich wollte ich die Tunika heute fertig bekommen. Aber dann habe ich den Besatz am Hals falsch angenäht und musste zwei Nähte wieder auftrennen. Handnaht ist deutlich haltbarer als Maschinennaht und entsprechend schwer aufzutrennen. Schöne, fein gestichelte Handnähte sind in der Hinsicht die Hölle.

Ok, morgen wieder. Dann gibt es auch Bilder.

Read Full Post »

Die Ärmel sind dran, aber die Seiten sind noch offen und der Halsausschnitt fehlt noch ganz. Den nehme ich mir aber auch erst zum Schluss vor.

Leinentunika mit offenen Seiten

So sieht das jetzt aus

Vorher müssen die Nähte in den Ärmeln versäubert werden. Bei Wollsachen kann man sich damit mehr Zeit lassen, weil die Fäden ineinander filzen und deshalb nicht so leicht ausfransen, wie Leinen.

Weil die Naht nicht ewig halten muss (schließlich wird das eine Kinderklamotte), mache ich es mir einfach, klappe die Nahtzugabe nur um und hefte sie mit Überwendlingsstichen fest.

Versäubern der Naht mittels Überwendlingsstich

Versäubern der Naht mittels Überwendlingsstich

Trotzdem ist das Versäubern ist ein ziemliches Gefriggel, schon weil die Ärmel so eng sind, dass ich mit der haltenden Hand kaum hinein komme. Daher kann ich nur abschnittweise arbeinten, indem ich ein kleines Stück abstecke, so weit es geht nähe und dann den genähten Teil umkremple, das nächste Stück abstecke u. s. w.
Wichtig ist auch, von Anfang an zu überlegen, in welche Richtung man die Nähte umklappt und bis wohin man näht, weil sonst die Anschlüsse schwierig werden.

Read Full Post »

Im Kühlschrank steht ein Päckchen Speisequark, das dringend weg muss. Außerdem ist von gestern noch ein Eiweiß übrig. Apfelmus ist auch noch da.

Also mache ich die Kinder glücklich und backe Plinsen.

Zutaten:

  • 2 Eier getrennt
  • 250 g Magerquark
  • 75 g Mehl
  • 75 g Zucker
  • 1 Pck. Vanillinzucker (oder 1 EL Vanillezucker, selbst gemacht)
  • 3 EL Milch
  • Butterschmalz oder Öl zum Braten
  • Puderzucker zum Bestäuben

Das zusätzliche Eiweiß macht die Plinsen noch ein bisschen lockerer.

Zubereitung:

  1. Eigelb, Zucker und Quark verrühren. Das Mehl dazu geben und kurz unterrühren.
  2. Das Eiweiß steif schlagen und unter den Teig heben.
  3. Bei mäßiger Hitze etwas Butterschmalz in einer beschichteten Pfanne zerlassen. Für jede Plinse einen Esslöffel Teig hineingeben (je nach Größe der Pfanne und des Löffels kann man 4 – 8 Plinsen gleichzeitig backen) und von beiden Seiten hellbraun ausbacken. Danach mit dem übrigen Teig genauso verfahren, bis alles aufgebraucht ist.
  4. Mit Puderzucker bestäubt servieren.

Als Beilage passt außer Apfelmus auch jedes ander Obstkompott.

Read Full Post »

Ein sehr beliebter Mittelaltermythos ist der, dass ein Ritter, wenn er vom Pferd fällt, hilflos strampelnd liegen bleibt, weil er aus eigener Kraft nicht aufstehen kann. Offenbar geht dieser Mythos auf einen Versuch aus den 30ern zurück. Das erzählt jedenfalls Prof. Jenks im 5. Teil seiner Vorlesung Einführung in das Mittelalter:

„Und da gab es ein Problem: Die Ritterrüstung ist mittlerweile so schwer, dass man sich nicht erheben kann, wenn man runterfällt. An meiner alten Universität hat man – Sie wissen, was amerikanische Footballspieler sind, na? Sind große Schränke; 250 – 300 Pfund sind keine Seltenheit. Muskelbepackt und so weiter. Zum Spaß hat man diese Herrschaften in nachgemachte Ritterkleidung eingekleidet, also Panzer, Helm und so weiter, und dann auf die Straße geschickt, zum Spazierengehen.
Kein Mensch hat’s bis zur nächsten Ecke geschafft. Sie sind alle vor Erschöpfung zusammengebrochen, nach zwanzig, dreißig, vierzig Schritten.
Das heißt, wenn ein Ritter fällt, in dieser Zeit, kommt er nicht mehr auf die Beine. Wenn die Leute in den Fluss fallen, ersaufen sie.“

So sehr ich die Vorlesungen von Prof. Jenks schätze – hier erzählt er meines Erachtens Unsinn.
Das Phänomen, das er beschreibt, mag für einen gotischen Plattenharnisch angehen – wobei ich bei Rekonstruktionen aus den 30ern selbst in dieser Hinsicht skeptisch bin, weil die experimentelle Archäologie zu dieser Zeit noch in den Kinderschuhen steckte und gerade die Geschichtswissenschaft oft ideologisch geprägt war.
Aber das Zitat fiel im Zusammenhang mit der Schlacht von Val-ès-Dunes, im Jahre 1047. Zu diesem Zeitpunkt war der Plattenharnisch noch Science Fiction. Ein gut! gerüsteter Kämpfer trug Helm, Kettenhaube, Gambeson (oder Aketon) und Kettenhemd. Außerdem einen Schild und vielleicht auch schon Kettenhandschuhe – wobei ich meine, dass sogar die erst später aufkamen. Aber das war es auch. Wie auf dem Teppich von Bayeux gut zu sehen ist, waren die wenigsten Ritter so gut gerüstet.
Aber selbst in der vollständigen Ausrüstung kann man sich weiter als vierzig Schritte bewegen und auch aus eigener Kraft aufstehen, wenn man hinfällt. Wie gut, das zeigen diese Aufnahmen des Franco-Flämischen-Contingents, einer deutschen Gruppe von Reenactors.

Worin ich Prof. Jenks allerdings zustimme ist, dass man in dieser Ausrüstung nicht schwimmen gehen sollte. Das Hauptproblem dabei ist der Gambeson, der sich voll Wasser saugt und einen unter Wasser zieht.

Read Full Post »

Jetzt muss ich doch mal Werbung für ein fremdes Projekt machen – einfach, weil es toll ist: In Messkirch wird ab April 2013 der Bau einer Klosteranlage beginnen. Genau gesagt, wird da nicht irgendein Kloster gebaut, sondern das ideale Kloster, wie es im 9. Jahrhundert entworfen wurde. Grundlage ist nämlich der St. Gallener Klosterplan, auf dessen Grundlage nun die karolingische Klosterstadt entstehen soll.

Die Stadt Messkirch hat dazu ein 28 ha! großes  Gelände zur Verfügung gestellt. Das Raumordnungsverfahren wird vermutlich im Oktober diesen Jahres abgeschlossen sein, so dass ab April 2013 mit den Bauarbeiten begonnen werden kann.

Der Clou ist aber nicht, dass hier eine der ältesten Bauskizzen überhaupt in die Realität umgesetzt wird, sondern dass diese Umsetzung mit historischen Mitteln erfolgen soll. Es werden keinerlei Maschinen zum Einsatz kommen. Das Material wird vor Ort gewonnen werden. Das gleiche soll für die Lebensmittel der Handwerker gelten.
Das ist experimentelle Archäologie vom Feinsten! Wenn meine Darstellung nicht so viel später angesiedelt wäre, hätte ich große Lust, wenigstens zeitweise dort mitzuarbeiten. Aber auch so werde ich der Baustelle garantiert den einen oder anderen Besuch abstatten, um die Fortschritte mitzuerleben.

Mehr Informationen gibt es auf der Seite der Stadt Messkirch, der des Campus Galli und seit neuestem auch auf youtube.

Read Full Post »

Older Posts »